Glockengießerei Grassmayr

Glockengießerei und Museum

Die Grassmayr Glockengießerei GmbH ist eine seit 1599 bestehende Glockengießerei. Der Familienbetrieb mit Stammsitz in Innsbruck wurde von Bartlmä Grassmayr im Hof seines Vaters, dem „Heidenhaus“ in Habichen, ein Weiler in der Gemeinde Oetz, gegründet. Bartlmäs Sohn Johann (* 16. Mai 1601 in Habichen, † 4. April 1683 in Wilten) führte das väterliche Unternehmen fort nach der Glockengießerlehre bei seinem Onkel Jakob Veit Grassmayr in Feldkirch und einigen Jahren Tätigkeit als wandernder Glockengießer. 1836 wurde der Firmensitz nach Wilten in den Ansitz Straßfried verlegt, wo sich noch heute die Gießerei befindet.

Das Unternehmen betreibt auch ein Glockenmuseum in Innsbruck, das mit dem „Österreichischen Museumspreis“ ausgezeichnet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutende Glocken

Nummer Ort Gussjahr Name der Glocke Gewicht Durchmesser Nominale Bemerkungen
1 St. Pauls (Eppan) 1701 St. Paulsnerin 3.680 kg 183,5 cm b0 Die Paulsnerin gehört zu den größten Barockglocken Südtirols. Sie erklingt vom 86 Meter hohen Turm der Pfarrkirche (Dom zu Lande) zum hl. Paulus. In früheren Zeiten wurde der Ton mit a0 angegeben, sie erklingt aber in einem tiefen b0.
2 Völs am Schlern 1703 Große Glocke ca. 2.100 kg ca. 150 cm c1 Die große Glocke von Völs am Schlern wurde 1703 von Georg Grassmayr gegossen. Sie gehört, wie auch die St. Paulsnerin, zu den ältesten Kirchenglocken Südtirols. Sie erklingt im Ton c1 und wird an hohen Festtagen besonders hoch geläutet. (ca. 75°-80°)
3 Tramin 1726 Sankt Maria Anna (Große Wetterglocke) k.A. k.A. c1 Die große Glocke von Tramin erklingt schon mehr als 200 Jahre aus dem etwa 83 Meter hohen freistehenden Turm. Sie wurde von Josef Grassmayr gegossen und ist eine der wohlklingendsten Glocken Südtirols.
3 Zell am Ziller 1744 St. Vitus ca. 2.000 kg ca. 150 cm des1 Es handelt sich hierbei um eine der ältesten Glocken Tirols, die von Josef Grassmayr gegossen wurde. Sie ist die einzige Glocke, die im 2. Weltkrieg verschont wurde und noch heute in einem schönen warmen Ton über das gesamte Zillertal läutet.
4 Vill 1750 Große Glocke k.A. k.A. es1 Die große Glocke von Vill wurde im Jahre 1750 von Wolfgang Bartlmä Grassmayr gegossen und gehört somit zu den ältesten Barockglocken Tirols.
5 St. Johann in Tirol 1773 Marien- und Wetterglocke 3.800 kg 180 cm a0 Die große Glocke von St. Johann in Tirol ist eine der größten und wundervollsten Großglocken, die es gibt. Sie wurde im Jahre 1773 von Wolfgang Bartlmä Grassmayr in Oetz gegossen und erklingt im tiefklirrenden Ton a0. Einer Sage zufolge konnte man die Barockglocke nicht aus dem Turm heben, da die Krieger fürchteten, dieser würde einstürzen, denn der Durchmesser der Glocke soll größer sein als das Turmfenster. Somit ließ man sie im Turm und blieb bis heute erhalten. Vor etwa 4 Jahren bekam die Glocke einen neuen Klöppel, der von der Firma Grassmayr eingebaut wurde. Jedoch unterlief der Firma bei den Berechnungsmethoden ein Fehler. Man baute der Glocke einen 400 kg schweren Klöppel ein. Demzufolge musste wieder ein neuer hergestellt werden.
6 Brixen 1838 Sext-Glocke 3.895 kg 183 cm a0 Die Sext-Glocke zu Brixen in Südtirol hängt im Südturm des Brixner Doms und erklingt im Ton a0. Sie gehört zu den ältesten Barockglocken Südtirols.
7 Innsbruck - Dom zu St. Jakob 1846 Mariahilf- oder große Pfarrglocke 6.342 kg 221 cm ges0 Die Mariahilfglocke hängt im Nordturm des Innsbrucker Doms St. Jakob und ist die zweitgrößte historische Glocke Tirols.
8 Feldkirch 1857 Katzenturmglocke 8.573 kg 243 cm f0 Sie ist die größte Glocke Vorarlbergs und hängt im Katzenturm in Feldkirch. Sie wurde von Josef Anton Grassmayr gegossen und läutet jeden Freitag um 15 Uhr. Im Jahre 2010 wurde eine Generalsanierung durch die Glockengießerei Perner aus Passau durchgeführt. Dabei entfernte man den Klöppelfänger, der alte Klöppel wurde durch einen neuen ersetzt und der Läutewinkel wurde gesenkt.
9 Innsbruck - Wiltener Basilika 1865 Große Glocke ca. 3.000 kg ca. 175 cm b0 Diese Glocke wurde n der Mitte des 19. Jahrhunderts gegossen. Ihr etwas leichter und metallischer Klang lässt erahnen, dass Grassmayr damals schon eine modernere Rippe verwendete als zu früheren Zeiten.
10 Vomp - Abtei St. Georgenberg-Fiecht 1929 Große Glocke ca. 2500 kg ca. 150 cm c1 Sie ist neben der kleinen c2 die größte und älteste Glocke im Geläute.
11 Brixen im Thale 1948 Friedens- und Wetterglocke 3.100 kg 167 cm h0 Die große Glocke zu Brixen gehört zu den größten im Tiroler Unterinntal. Mit mehr als 3100 kg erklingt sie im tiefen Ton h0 und hat einen Nachhall von etwa 200 Sekunden. Man hört sie bei Schönwetter und bei Windstille bis nach Westendorf und Kirchberg. Sie wird freitags um 15 Uhr, sowie nur zu Sonn- und Feiertagen geläutet. Jedoch wurde in der neuen Läuteordnung die Glocke auch an Samstagen und Sonntagen mit eingeplant, da die Sterbeglocke nur mehr selten im Plenum zu hören ist.
12 Matrei in Osttirol 1949 Herz-Jesu-Glocke 2.636 kg ca. 165 cm h0 Die Herz-Jesu-Glocke zu Matrei in Osttirol ist eine der größten im Bezirk Lienz und erschallt aus dem etwa 85 Meter hohen Turm der Pfarrkirche. Sie wird nur freitags um 15 Uhr, sowie zu Sonn- und Feiertagen geläutet. Leider fällt sie durch ihr geringeres Gewicht im Rang weit zurück, was sich jedoch nicht auf ihren bombastischen Klang auswirkt.
13 Imst 1955 Die große „Annemarie“ 2.840 kg ca. 170 cm h0 Die Annemarie in Imst ist ein hervorragendes Instrument der Firma Grassmayr. Bedingt durch den höheren Läutewinkel erklingt sie in ihrem tiefen Basston über die gesamte Stadt, was sie zu einer schönen und basstönigen Glocke macht. Sie wird, wie andere Großglocken auch, nur zu höheren Feiertagen geläutet.
14 Wattens - Neue Pfarrkirche 1958 Große Glocke ca. 4.000 kg ca. 190 cm a0 Die große Glocke zu Wattens wurde 1958 von Grassmayr gegossen. Sie hängt in der neuen Pfarrkirche von Wattens und läutet an einem gekröpften Joch.
15 Innsbruck - Jesuitenkirche (Innsbruck) 1959 Schützenglocke 9.200 kg 248 cm e0 Die Schützenglocke ist die größte freischwingende Glocke Tirols in einem Turm. Beim Läuten füllt sie die gesamte Läutestube aus. Mit einem Gewicht von 9200 kg erklingt sie jeden Freitag um 15 Uhr zur Sterbestunde Jesu und zu hohen Feiertagen. Anlässlich des 150. Jahrestages des Tiroler Freiheitskampfes wurde die Glocke von der Tiroler Schützenkompanie gestiftet und im Juli 1959 eingeweiht.
16 Innsbruck - Dom zu St. Jakob 1961 Glocke 2 3.123 kg 172 cm b0 Sie ist die zweitgrößte Glocke des Innsbrucker Domes und wurde 1961 gegossen.
17 Innsbruck - Stift Wilten 1995 Auferstehungsglocke 4.195 kg 189 cm as0 Die größte Glocke des Stift Wiltens gehört zu den schönsten Glocken im Innsbrucker Raum. Mit fast 4200 kg erklingt sie nur an hohen Feiertagen. Durch ihre Größe muss sie an einem gekröpften Joch läuten, wodurch sie etwas lahm klingt, jedoch durch den höheren Läutewinkel wieder etwas ausgeglichen wird.
18 Lana 1996 Herz-Jesu-Glocke 6.248 kg 215 cm g0 Die Herz-Jesu-Glocke zu Lana ist die größten Kirchenglocke Südtirols und wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts gegossen. Sie ist durch ihren Klang und ihren lang anhaltenden Nachhall ein einzigartiges Stück. Leider hatte die Glocke kein langes Leben, denn 15 Jahre nach ihrem Guss konnte man an der Glockenwand einen Riss feststellen, der sie nun unbrauchbar macht und wird wohl in den nächsten Jahren neu gegossen werden. Schuld daran sind angeblich der höhere Läutewinkel und der überdimensionierte Klöppel.
19 Mösern 1997 Friedensglocke des Alpenraums 10.800 kg 252 cm es0 Sie ist bisher die zweitgrößte Glocke von Grassmayr in einer 400-jährigen Firmengeschichte. Mit einem Gesamtgewicht von 12.000 kg ist sie die größte freischwingende Glocke Tirols, die nicht in einem Turm läutet. Leider wählte Grassmayr damals die falsche Rippe, sodass sie heute von mehreren Campanologen und Glockenspezialisten „Friedensglocke des Alptraums“ genannt wird.
20 Schwarzach (Odenwald) 2000 Mörserglocke 9.820 kg ca. 250 cm e0 Durch den klanglichen Rückschlag beim Guss der Friedensglocke zu Mösern gelang der Firma Grassmayr mit dem Guss der Mörserglocke eine Sensation. Die Mörserglocke erklingt im Ton e0 und wirkt durch ihr großes Gewicht majestätisch. Mit dieser Gussleistung konnte Grassmayr nun beweisen, dass sie auch gute Großglocken gießen können.
21 Elvas 2000 Große Glocke 3.015 kg ca. 170 cm h0 Die große Glocke zu Elvas gehört zu den größten Südtirols. Sie wird an bestimmten Feiertagen auf 180° per Hand geläutet, was einer langen Tradition vorausgeht.
22 Belgrad 2001 49 Glocken Glocke 1 - 6.128 kg k.A. e1 bis c4 und g0- a0- c1- d1
23 IsraelBerg Tabor 2012 Taborglocke ca. 16.000 kg 282 cm es0 Es handelt sich dabei um die größte Glocke, die die Firma Grassmayr in seiner 400-jährigen Tätigkeit gegossen hat. Das Gewicht beträgt etwa 16 Tonnen, der Durchmesser ist mehr als 2,80 m groß. Der Ton liegt vermutlich zwischen es0 und des0. Die Wandstärke ist beachtliche 22 cm stark (vgl. Pummerin: 21 Tonnen, 3,14 m Durchmesser und 23 cm Wandstärke). Bis zum 20. Juni kann man sie in Innsbruck bestaunen, danach wird sie per Schiff von Triest über die Adria nach Israel geliefert.
Die Mariahilfglocke im Innsbrucker Dom zählt zu den bedeutendsten Glocken des Historismus in Österreich.

Geschichte der großen Glocke des Innsbrucker Domes

Die Geschichte der großen Glocke des Innsbrucker Doms ist sehr von Bedeutung. 1845 gab die Pfarre der Gießerei Joseph Georg Miller den Auftrag, eine große Glocke im Ton ges0 zu gießen. Die Vorbereitungen zum Guss verliefen jedoch nicht ohne Probleme. Nach Beendigung der Gussarbeiten, fiel ein Ziegelstein auf die Glocke und hinterließ ein großes Loch neben der Krone. Die Innsbrucker waren mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. Zudem war der Ton um eine Nominale verrutscht. Als sich der damalige Baumeister Sebastian Schweinester, wohnhaft in Kitzbühel, umhörte und auf diese Fehlaktion aufmerksam wurde, wandte er sich an die Gießerei Miller und erkundigte sich nach dieser Großglocke. Daraufhin ergriff er die Maßnahme zur Spende und die Bürger und Pfarre von Kitzbühel erwarben sie tatsächlich zum Preis der Herstellung. Noch heute läutet die etwa 6400 kg schwere Kaiserglocke aus dem 48 Meter hohen Turm der Liebfrauenkirche zu Kitzbühel.[1] Ein Jahr darauf beschloss die Pfarre des Innsbrucker Doms erneut den Auftrag zur Herstellung einer großen Pfarrglocke. Diesmal kam die Glockengießerei Grassmayr in die Auswahl. Die Firma vergoss 6342 kg bei einem Durchmesser von 221 cm. Der Ton wurde mit einem erhöhten ges0 exakt getroffen. Auch sie läutet heute noch im 52 Meter hohen Nordturm des Domes und gehört zu den größten Glocken des Historismus in Tirol.

Weblinks

 Commons: Grassmayr Glockengießerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Aus der Geschichte Kitzbühels. Abgerufen am 7. Juni 2012.

47.25617211.398219Koordinaten: 47° 15′ 22″ N, 11° 23′ 54″ O