Gottfried Fischer (Sprachwissenschaftler)

Gottfried Fischer

Gottfried Fischer (* 17. Januar 1953 in Denver, Colorado, Vereinigte Staaten) ist ein österreichischer Sprachwissenschaftler, Sprachkritiker und Sprachpfleger.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gottfried Fischers Familie wechselte in seiner Kindheit und Jugend oft den Wohnort zwischen USA und Österreich. Neben Englisch und Deutsch kann man Wienerisch zu den Sprachen zählen, mit denen er aufwuchs, da dieser Dialekt sich teilweise erheblich vom Standarddeutsch unterscheidet. Er studierte in Wien Germanistik und Vergleichende Sprachwissenschaft (Indogermanistik). Damals gab es an der Universität Wien zwei Indogermanisten, von denen er besonders viel Professor Georg Renatus Solta verdankt. Fischer promovierte mit einer Arbeit über die Entstehung des Artikels in der gotischen Sprache. Grundlage seiner Doktorarbeit bildete die Bibelübersetzung des Wulfila ins Gotische. [1]

Wirken

Seit 1987 lehrt Fischer Deutsch als Fremdsprache im Rahmen der Deutschkurse an der Universität Wien, ein Jahr lang war er Assistent an der Universität Sheffield in England. Lehrerfahrungen sammelte er auch in Ungarn. Zeitweilig arbeitete er für die Österreichische Akademie der Wissenschaften und wirkte an der Erstellung des „Motivindex der deutschsprachigen weltlichen Erzählliteratur bis 1400“ mit. Fischer lebt in Wien und ist Vorstandsmitglied des Vereins Muttersprache.

Gottfried Fischer wandte sich sprachkritisch gegen eine Anglisierung der deutschen Sprache in Gestalt einer unpassenden Verwendung englischer bzw. scheinenglischer Wörter. Schon 1998 war er neben Stefan Micko und Thomas Paulwitz einer der Mitarbeiter an der Wörterliste „Engleutsch? Nein, danke! Wie sag ich's auf deutsch?“ [2] Fischer war bis 2008 Schriftleiter der Wiener Sprachblätter, der Zeitschrift des Vereins „Muttersprache“.[3] Für den Verein Muttersprache sammelte er über 7.000 Unterschriften für eine Petition gegen Denglisch, die im österreichischen Nationalrat besprochen wurde.

Zu seinen Schwerpunkten zählte auch sein Einsatz gegen das Aussterben der Mundarten, gegen die Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 und gegen falsche Sprachbenutzung (sog. Dummdeutsch).

Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen behandeln vor allem die germanische Sprachgeschichte, zum Teil auch Sprachpädagogik für Ausländer.

Veröffentlichungen

  • Geoffrey Kovari: Studien zum germanischen Artikel. Entstehung und Verwendung des Artikels im Gotischen. Zugleich: Dissertation, Universität Wien. Wien: Halosar, 1984, 224 S. (Wiener Arbeiten zur germanischen Altertumskunde und Philologie 26) [Geoffrey Kovari ist der damalige Adoptivname]
  • Was ist Sprache?, in: Peter Ernst (Hrsg.): Einführung in die synchrone Sprachwissenschaft. Mit Beiträgen von Otto Back ... - Wien: Edition Praesens, 1997, Seiten 2-1 bis 2-18; 2., verb. u. verm. Auflage, 1999, 565 S., ISBN 3-7069-0100-5
  • Gottfried Fischer und Peter Ernst: Die germanischen Sprachen im Kreis des Indogermanischen. Wien: Edition Praesens, 2001, 115 S., ISBN 3-7069-0117-X
  • Sprachpflege, in: Peter Anreiter u.a. (Hrsg.): Namen, Sprachen und Kulturen. Festschrift für Heinz Dieter Pohl zum 60. Geburtstag, = Imena, jeziki in kulture. Wien: Edition Praesens, 2002, 904 S., ISBN 3-7069-0164-1, hier: S. 221 - 237

Literatur

  • Hartwig Norden: Unser Schriftleiter fünfzig! Wird Mitglied auf Lebenszeit, in: Wiener Sprachblätter. Zeitschrift für gutes Deutsch. 52. Jahrgang, 2. Heft. Wien, Juni 2003, S. 39

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hartwig Norden: Unser Schriftleiter fünfzig! Wird Mitglied auf Lebenszeit, in: Wiener Sprachblätter. Zeitschrift für gutes Deutsch. 52. Jahrgang, 2. Heft. Wien, Juni 2003, S. 39
  2. Arbeitskreis für Kultur und Geschichte (Hrsg.): Engleutsch? Nein, danke! Wie sag ich's auf deutsch? Eine Wörterliste. Mitarbeiter: Gottfried Fischer, Stefan Micko, Thomas Paulwitz, Norbert Prohaska, Christiane Schmutterer, Christian Stang, Wien, 1. Auflage 1998, 50 Seiten, siehe Seite 5
  3. Gottfried Fischer: Geschätzte Leser [Selbstvorstellung], in: Wiener Sprachblätter. Zeitschrift für gutes Deutsch. 48. Jahrgang, 4. Heft, Wien, Dezember 1998, S. 111