Grazer Autorinnen Autorenversammlung

Eine Gruppenveranstaltung der GAV im Literaturhaus Graz (2003)

Die Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV) ist mit über 600 Mitgliedern Österreichs größter Schriftstellerverband innerhalb des Dachverbandes IGÖA (Interessengemeinschaft Österreichischer Autorinnen Autoren). Die GAV wurde 1973 unter anderem von Ernst Jandl, Helmut Eisendle und Waltraud Seidlhofer in Graz als Alternative zum Österreichischen P.E.N. Club gegründet und siedelte 1975 nach Wien über. Derzeit befindet sich das Büro der GAV im Robert-Musil-Gedenkraum in der Rasumofskygasse 20 in 1030 Wien.

Die Grazer Autorenversammlung betätigt sich sowohl im Bereich Organisation von Literaturveranstaltungen als auch kulturpolitisch. Nach wie vor ist die Mitgliedschaft in der GAV mit der Mitgliedschaft im österreichischen P.E.N. unvereinbar. Dies beruht einerseits auf historischen Differenzen, andererseits auf deutlich unterschiedenen politischen Positionen und nicht zuletzt auf einer unterschiedlichen Aufnahmepolitik. Während der P.E.N. für die Aufnahme eines neuen Mitglieds zwei Buchpublikationen voraussetzt, stellt die GAV eine Jury auf, die im Wesentlichen anhand vorliegender Texte über die Aufnahme entscheidet.

In der GAV kann grundsätzlich jedes Mitglied organisatorisch tätig werden. Die Veranstaltungen reichen von Graffiti (organisiert von Thomas Northoff) über den „Tag der Freiheit des Wortes“ (Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai) bis zur alljährlichen Lyriklesung auf der Universität. Auch die Reflexion der Verhältnisse in Psychiatrie und Strafvollzugsanstalten, beziehungsweise der Begriff der Normalität gehören zu den Tätigkeitsbereichen der GAV. Früh schon gab es Literatur-Workshops mit Strafgefangenen, vereinzelt und immer wieder Veranstaltungen in Strafanstalten.

Dem gewählten Vorstand gehörten im Jahr 2010 an: Sabine Gruber, Rolf Schwendter (Präsident), Ilse Kilic (Geschäftsführung), Manfred Chobot, Gerhard Jaschke (Geschäftsführung), Christine Huber, Helmuth Schönauer, Magdalena Knapp-Menzel (Kassierin), Doron Rabinovici, Fritz Widhalm (Kassier), Petra Ganglbauer, Christine Haidegger, sowie für jedes Bundesland ein Regionaldelegierter.

Rolf Schwendter wurde im Juni 2006 in der Nachfolge der verstorbenen Präsidentin Heidi Pataki zum Präsidenten gewählt. Die Geschäftsführung wird seit Oktober 2010 von Gerhard Jaschke und Ilse Kilic ausgeübt.

In seinem Österreich-Glossar Von Apfelstrudel bis Zweitwohnsitz widmet sich Christian Martin Fuchs mit spitzen Anmerkungen der Grazer Autorenversammlung: „Club der roten Dichter (...), zeitweilig das Who’s who der etwas flotteren, österreichischen Nachkriegsliteratur. Aber nun beeindruckt die Webseite der GAV (...) vor allem durch die Dominanz von Nachrufen und ein üppiges Totenbuch zum Nachschlagen. – Also nun doch der Club der toten ... ?“

Literatur

  • Roland Innerhofer: Die Grazer Autorenversammlung (1973–1983). Zur Organisation einer „Avantgarde“. Wien, Köln, Graz 1985, ISBN 3-205-07289-8.
  • Franz Schuh: Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche. dtv, München 2009.[1]
  • Michael Hansel und Michael Rohrwasser: Kalter Krieg in Österreich: Literatur – Kunst – Kultur. Zsolnay, Wien 2010.
  • Christian M. Fuchs: Von Apfelstrudel bis Zweitwohnsitz. Ein Österreich-Glossar. Residenz, St. Pölten 2006, ISBN 3-7017-1461-4.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Franz Schuh war in den ersten Jahren der GAV, von 1973 bis 1975, deren Generalsekretär.