Grazer Synagoge

Neu errichtete Grazer Synagoge

Die Grazer Synagoge befindet sich am rechten Murufer im 5. Grazer Stadtbezirk Gries. Die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Graz betreut Juden aus der Steiermark, Kärnten sowie den südburgenländischen Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf[1].

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ursprüngliche Grazer Synagoge wurde im Jahr 1892 errichtet und gehörte zur jüdischen Gemeinde mit ihren 2500 Mitgliedern. In der sogenannten Reichskristallnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde das Gebetshaus niedergebrannt und das gesamte Areal eingeebnet, um die Erinnerung an die Synagoge auszulöschen. Sämtliche Grazer Juden wurden nach Wien deportiert und Graz zur ersten „judenfreien“ Großstadt der Ostmark erklärt. Bis ins Jahr 1998 befand sich an der Stelle der zerstörten Synagoge nur eine Rasenfläche mit einem Gedenkstein.

Bereits 1983 trat der Künstler Fredo Ertl an die jüdische Kultusgemeinde heran, die Grundmauern der Synagoge freizulegen. Die Bitte wurde jedoch aus Angst vor antisemitischen Aktionen abgelehnt. Ertl hatte recherchiert, dass ein Teil der Ziegel der alten Synagoge schon 1939 beim Bau einer Garage in der Grazer Alberstraße Verwendung gefunden hatte.[2] Das Architektenehepaar Jörg und Ingrid Mayr, welches zuvor auch für die Neuplanung der zerstörten Zeremonienhalle auf dem jüdischen Friedhof in Graz beauftragt worden war, griff die Pläne auf und die Ziegel wurden von Grazer Schülern freigelegt, gesäubert und als Umfriedung des zukünftigen Neubaus aufgeschichtet. Die neue Synagoge folgt dem Grundriss der alten, ist aber kleiner als ihr Vorgänger, da die jüdische Gemeinde in Graz nur mehr rund 100 Mitglieder zählt - ein Bruchteil von vor dem Zweiten Weltkrieg - und wurde am 9. November 2000 eröffnet.

Heute steht das Gebäude David-Herzog-Platz 1 unter Denkmalschutz (ObjektID: 123042f1).

Architektur und Gestaltung

In der Mitte des Innenraumes befindet sich ein gläsenes Almemor (auch Bima genannt), der Platz an dem aus der Tora gelesen wird. Direkt dahinter werden in einer Nische die Torarollen aufbewahrt. Der Raum wird von einer Glaskuppel mit zwölf Stützen, die für die zwölf Stämme Israels stehen und einen Davidstern bilden, dominiert und erinnert an den Bau der zerstörten Synagoge. Die Farbe Blau prägt als Symbol des Himmels den Gebetsraum. In das Glas sind in Sandstrahltechnik jüdische Gebete geschrieben.

Literatur

  • Alois Kölbl, Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz. 2., erweiterte und ergänzte Auflage. Styria, Graz 2004, ISBN 3-222-13105-8, S. 170–172.

Weblinks

 Commons: Grazer Synagoge – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kontakt. IKG Graz, abgerufen am 21. September 2012.
  2. Mahnzeichen 1938/83. Projektdokumentation am KulturServerGraz. Abgerufen am 16. September 2012.

47.06414166666715.433661111111Koordinaten: 47° 3′ 51″ N, 15° 26′ 1″ O