Groß Sankt Florian

Groß Sankt Florian
Wappen von Groß Sankt Florian
Groß Sankt Florian (Österreich)
Groß Sankt Florian
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Deutschlandsberg
Kfz-Kennzeichen: DL
Fläche: 25,79 km²
Koordinaten: 46° 49′ N, 15° 19′ O46.82444444444415.318611111111317Koordinaten: 46° 49′ 28″ N, 15° 19′ 7″ O
Höhe: 317 m ü. A.
Einwohner: 2.925 (1. Jän. 2012)
Postleitzahl: 8522
Vorwahl: 3464
Gemeindekennziffer: 6 03 12
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 3
8522 Groß Sankt Florian
Website: www.gross-st-florian.at
Politik
Bürgermeister: Alois Resch (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
12 ÖVP, 3 SPÖ
Lage der Marktgemeinde Groß Sankt Florian im Bezirk Deutschlandsberg
Aibl Deutschlandsberg Eibiswald Frauental an der Laßnitz Freiland bei Deutschlandsberg Bad Gams Garanas Georgsberg Greisdorf Gressenberg Groß Sankt Florian Großradl Gundersdorf Kloster Hollenegg Lannach Limberg bei Wies Marhof Osterwitz Pitschgau Pölfing-Brunn Preding Rassach Sankt Josef Sankt Martin im Sulmtal Sankt Oswald ob Eibiswald Sankt Peter im Sulmtal Sankt Stefan ob Stainz Schwanberg Soboth Stainz Stainztal Stallhof Sulmeck-Greith Trahütten Unterbergla Wernersdorf Wettmannstätten Wielfresen Wies SteiermarkLage der Gemeinde Groß Sankt Florian im Bezirk Deutschlandsberg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Groß Sankt Florian ist eine Marktgemeinde mit 2925 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage

Die Gemeinde Groß Sankt Florian liegt im Laßnitztal, im weststeirischen Hügelland und besteht aus neun Katastralgemeinden. Die Gemeinde wird von der Laßnitz, dem Vocherabach und dem Rassachbach durchflossen, des Weiteren liegen mehrere Teiche auf dem Gemeindegebiet.

Gemeindegliederung

Am 1. Jänner 1968 wurden die Gemeinden Grünau an der Laßnitz, Gussendorf und Petzelsdorf in Weststeiermark eingemeindet, am 1. Jänner 1969 folgten Kraubath (Weststeiermark) und Lebing.
Groß Sankt Florian besteht damit jetzt aus den 9 Katastralgemeinden (Fläche 2001): Groß St. Florian 290,90 ha, Grünau 162,26 ha, Gussendorf 702,83 ha, Kraubath 264,54 ha, Krottendorf 219,54 ha, Lebing 247,16 ha, Petzelsdorf 284,81 ha, Tanzelsdorf 256,51 ha, Vochera an der Laßnitz 154,45 ha.
Ortschaften (Einwohner 2001) sind: Groß Sankt Florian (946), Grünau an der Laßnitz (230), Gussendorf (338), Kraubath in der Weststeiermark (246), Krottendorf an der Laßnitz (238), Lebing (209), Petzelsdorf in der Weststeiermark (344), Tanzelsdorf (221), Vochera an der Laßnitz (201).

Nachbargemeinden

Bad Gams Rassach
Stainztal
Frauental an der Laßnitz Nachbargemeinden Wettmannstätten
Unterbergla

Geschichte

Teile der Gemeinde liegen im Laßnitztal in jenem Bereich, in dem eine dichte Besiedlung seit der Bronzezeit durch eine Reihe archäologischer Fundstellen belegt ist. Insgesamt sind die Flächen archäologischer Grabungen in diesem Gebiet über 40 ha groß.[1] Die römische Straße im Laßnitztal verlief bei Gussendorf gerade im Laßnitztal, was zumindest drei Brückenbauten notwendig machte.[2]

Die erste urkundliche Erwähnung eines Teils der Gemeinde ist aus dem Jahre 1056 überliefert. Kaiser Heinrich III. verlieh am 3. Juli 1056 zu Worms dem Salzburger Erzbischof Balduin ein Gebiet in Gumbrahtdesteiden (Gumprechtstätten = Groß St. Florian), das eine Größe von drei königlichen Hufen umfasste. Schon in früher Zeit erhielt der Ort eine eigene Pfarrkirche. Die Kirche Sankt Florian mit ihrem Pfarrer wurde bereits 1136 erstmalig genannt. Für das Jahr 1265 ist südwestlich des Ortes Groß St. Florian eine abgekommene Siedlung (Wüstung) namens Walhesreut dokumentiert, die auf eine Rodung und den Personennamen Walcho zurückgeführt wird.[3] Es werden aber auch romanische Siedler von den Baiern als Walchen bezeichnet, was bei Namensableitungen zu bedenken ist.[4] Ob diese Örtlichkeit daher ihren ersten Namensteil vom altdeutschen Personennamen oder von romanischen Siedlern (diese Gegend wurde von Aquileia aus missioniert, siehe bei St. Ulrich) ableitet, ist nicht endgültig entschieden.

Spätestens Ende des 14. Jahrhunderts wurde Sankt Florian auch zum Markt erhoben, 1380 wird Sankt Florian als „forum sancti Floriani“ (Markt des heiligen Florian) urkundlich erwähnt. Ort und Pfarre gehörten bis zu dessen Neuorganisation 1786 zum Bistum Lavant, dessen bischöflichem Mensalgut sie 1371 einverleibt worden war. Der leitende Priester der Pfarre trug den Titel „vicarius perpetuus“ (Pfarrvikar). Schloss Dornegg wurde vermutlich vor 1529 als Wehrschloss durch Christoph von Raknitz erbaut, bevor es im 18. Jahrhundert von der Familie Schönborn in ein spätbarockes Wohnschloss umgewandelt wurde. War seit dem 12. Jahrhundert der Name St. Florian geläufig, so wurde die Ortsbezeichnung 1887 in Groß Sankt Florian geändert. 1968 und 1969 erfolgte die Gemeindezusammenlegung, durch die die ursprünglich selbstständigen Gemeinden Groß St. Florian, Grünau, Gussendorf, Kraubath, Krottendorf, Lebing, Petzelsdorf, Tanzelsdorf und Vochera zu einer Gemeinde zusammengefasst wurden.[5]

Bevölkerung

Bevölkerungsstruktur

Die Gemeinde hatte laut Volkszählung 2001 2.973 Einwohner. 96,8 % der Bevölkerung besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft. Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 95,0 % der Einwohner, 2,8 % sind ohne religiöses Bekenntnis.

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungszahlen der Gemeinde Groß Sankt Florian stieg mit kleineren Ausnahmen seit 1869 relativ kontinuierlich an. Die Steigerungsrate erreichte zwischen 1869 und 2001 etwa 30 %.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche

Die Pfarrkirche von Groß Sankt Florian basiert vermutlich auf einer romanischen Saalkirche mit hölzerner Flachdecke aus dem 11. Jahrhundert. Archäologische Untersuchungen legten 2008 den gotischen Boden und eventuell auch das romanische Bodenniveau frei.[6] Um 1350 erfolgte ein großer gotischer Zubau mit dem Nordturm. 1522 erfolgte die gotische Erweiterung mit einem Netzrippengewölbe, bevor die Kirche ab 1711 barock umgestaltet wurde und zwischen 1869 und 1873 ihr heutiges Aussehen verliehen bekam. Nach einer Innen- bzw. Außenrenovierung in den Jahren 1968 und 1980 wurde 1998 auch die barocke Orgel (1747 - Caspar Mitterreither) ersetzt.

Die Kirche besitzt einen großen Hochaltar aus 1734, ihre Ausstattung stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Grabdenkmäler in der Kirche stammen aus den Jahren um 1477 (Rudolf von Hollenegg),[5] 1529, 1558, 1593, 1624 (Familie Racknitz)[7] und 1640[5] (Bischof von Lavant Leonhard II. Götz).

Die Mariensäule aus der Zeit um 1737 zeigt den Hl. Nepomuk, Franz Xaver, Sebastian, Rochus, Antonius von Padua und Johannes den Täufer. Die Marienstatue wird auf die neogotische Erneuerung 1911 zurückgeführt.[7]

Steirisches Feuerwehrmuseum

Das Steirische Feuerwehrmuseum wurde 1995 eröffnet. Es zeigt Entwicklung und Aufgaben der steirischen Feuerwehren.

Römersammlung

Diese Sammlung beruht auf archäologischen Funden, die ursprünglich im Feuerwehrmuseum gezeigt wurden. Die Sammlung wurde aufgrund der Grabungsergebnisse 2008 neu aufgestellt und am 15. Mai 2009 wieder eröffnet: Südlich von Groß St. Florian befindet sich im Laßnitztal in der Katastralgemeinde Grünau eine Ausgrabungsstätte. Dort wurden neben Resten einer bronzezeitlichen Siedlung die Reste der „Villa von Grünau“ gefunden. Dabei handelt es sich um die Reste eines großen Landgutes, das sich auf dem Territorium von Flavia Solva befand. Die Grabungen liefen (mit Unterbrechungen) über 20 Jahre, der wertvollste Fund war der „Silberbecher von Grünau“, der (in Kopie) in der Sammlung ausgestellt ist (das Original befindet sich im Landesmuseum Joanneum in Graz). Dieser Becher ist 7,5 cm hoch und 400 Gramm schwer. Er wird zu den wertvollsten und bedeutendsten Funden aus der Römerzeit der Steiermark gezählt.[5][8]

Musik

Aus Groß Sankt Florian stammen die Musikkapelle Groß Sankt Florian, das Jugendblasorchester Groß Sankt Florian, die Familienmusik Fuchs, die Florianer Tanzbodenmusi. Zentrum der musikalischen Ausbildung ist die örtliche Musikschule, eine Zweigstelle der Erzherzog Johann Musikschule Stainz.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Laut Arbeitsstättenzählung 2001 gibt es 134 Arbeitsstätten mit 1.101 Beschäftigten in der Gemeinde sowie 879 Auspendler und 710 Einpendler. Wichtigste Branchen sind Sachgütererzeugung und Handel, wichtigste Arbeitgeber Erzeuger von Bekleidung und Spielautomaten, ein Firma für Kran- und Landmaschinenbau, eine Weingroßkellerei, sowie ein Schlachthof und die Holzverarbeitung. Es gibt 174 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (davon 41 im Haupterwerb), die zusammen 2.582 ha bewirtschaften (1999).

Verkehr

Die Gemeinde liegt an der Landesstraße 601, die im Laßnitztal verläuft und das Murtal mit der Pyhrn Autobahn A 9 und den Bezirk Deutschlandsberg verbindet. Haltestellen der Bahnlinie Graz–Lieboch–Wies-Eibiswald der Graz–Köflacher Bahn (GKB) befinden sich in Groß St. Florian und in Gussendorf. Buslinien der GKB verbinden für den Schülerverkehr die Gemeinde mit dem Umland. Die Gemeinde liegt an der Trasse der in Bau befindlichen Koralmbahn. Für diese Bahnstrecke wurde in den Jahren 2008/09 der Lauf der Laßnitz über mehr als zwei Kilometer neu gestaltet und Hochwasserrückhaltebecken angelegt. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde auch die Laßnitzbrücke zwischen Gussendorf und Lassenberg bei Wettmannstätten als 142 m lange und 14,5 m hohe Stahlbetonbrücke neu errichtet und am 29. August 2008 für den Verkehr freigegeben.[9]

Feuerwehren

Die Gemeinde verfügt mit der FF Groß St. Florian, der FF Gussendorf, der FF Tanzelsdorf und der FF Kraubath über vier Freiwillige Feuerwehren.

Politik

Gemeinderat

Bei den Gemeinderatswahlen 2005 konnte die ÖVP ihren Stimmenanteil gegenüber den Wahlen aus dem Jahre 2000 um 0,21 % auf 66,03 % ausbauen und erreichte damit die Zweidrittelmehrheit. Wesentlich stärker zulegen konnte die SPÖ, die ihren Stimmanteil um 6,55 % auf 28,89 % steigern konnte. Die SPÖ profitierte dabei stark von den Verlusten der FPÖ, die 6,77 % verlor und mit 5,08 % nicht mehr im Gemeinderat vertreten ist. Das Gemeinderatsmandat der FPÖ wanderte so an die SPÖ.

Wappen

Das Recht zur Führung des Gemeindewappens wurde zum 1. November 1994 bestätigt. Das Wappen zeigt auf blauem Schild den gerüsteten Heiligen Florian, der in der rechten Hand eine silberne Fahnenlanze mit rotem Kreuz hält und mit der linken Hand Wasser aus einem silbernen Becher auf ein von roten Flammen züngelndes Feuer in einem silbernen Haus gießt.

Literatur

  • Gottfried Allmer: Groß St. Florian, Steiermark. Dekanat Deutschlandsberg; Diözese Graz-Seckau, Weststeiermark. Salzburg 2004. (Christliche Kunststätten Österreichs; 129)
  • Ernst Tomek: Die Pfarre Groß-St.-Florian an der Laßnitz in Steiermark. Verlag Styria, Graz/ Wien 1921, DNB 573883890.

Weblinks

 Commons: Groß Sankt Florian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Historische Landkarten

Einzelnachweise

  1. Gerald Fuchs: Neues aus dem Laßnitztal. Archäologie im Abschnitt Weitersdorf-Wettmannstätten der Koralmbahn. In: Fundberichte aus Österreich. Band 48, Jahrgang 2009, Wien 2010, S. 290–302.
  2. Łukasz Grzywacz, Gerald Fuchs: Fundbericht In: Fundberichte aus Österreich. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Band 49, Jahrgang 2010. Verlag Berger Wien 2012. ISSN 0429-8926. S. 394.
  3. Fritz Lochner von Hüttenbach: Die Rodungsnamen der Steiermark. In: Michaela Ofitsch, Christian Zinko: 125 Jahre Indogermanistik in Graz. Festband anläßlich des 125jährigen Bestehens der Forschungseinrichtung „Indogermanistik“ an der Karl-Franzens-Universität Graz. Verlag Leykam, Graz 2000. ISBN 3-7011-0026-8. S. 248.
  4. Fritz Freiherr Lochner von Hüttenbach: Frühe Namenschichten im Ostalpenraum. In: Ernst Eichler (Hrsg.): Probleme der älteren Namenschichten. Leipziger Symposion 21. bis 22. November 1989. In: Rolf Bergmann, Ulrich Obst, Rudolf Schützeichel, Jürgen Untermann (Hrsg.): Beiträge zur Namenforschung, Neue Folge. Beiheft 32. Carl Winter Universitätsverlag. Heidelberg 1991. ISSN 0522-6945 ISBN 3-533-04360-6. S. 158.
  5. a b c d Bezirkstopographie: Helmut-Theobald Müller (Hrsg.): Gernot Peter Obersteiner (wissenschaftliche Gesamtleitung): Geschichte und Topographie des Bezirkes Deutschlandsberg. Steiermärkisches Landesarchiv und Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg. Graz-Deutschlandsberg 2005. In der Reihe: Große geschichtliche Landeskunde der Steiermark. Begründet von Fritz Posch. Band 3. ISBN 3-901938-15-X. Zweiter Teilband Bezirkslexikon, S. 127–138, Grünau S. 141–143, Gussendorf S. 146–147, Kraubath S. 178–179, Krottendorf S. 179–181, Lebing S. 195–196, Petzelsdorf S. 232–233, Tanzelsdorf S. 342–343 und Vochera an der Laßnitz S. 360–361.
  6. Fundberichte aus Österreich. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Band 47, Jahrgang 2008. Wien 2009, S. 59.
  7. a b Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Dehio Handbuch - Die Kunstdenkmäler Österreichs: Steiermark (ohne Graz). Topographisches Denkmälerinventar, hrsg. vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Denkmalforschung. Verlag Anton Schroll. Wien 1982, ISBN 3-7031-0532-1, S. 151–153.
  8. Römersammlung im neuen Licht. In: Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 23. Mai 2009. 82. Jahrgang Nr. 21. S. 5.
  9. Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 6. September 2008. 81. Jahrgang Nr. 36. S. 5.