Großkundgebung von Schloss Sigmundskron

Die Großkundgebung von Schloss Sigmundskron fand am 17. November 1957 statt. Bei ihr wurde das Motto „Los von Trient“ geprägt, aus dem im Laufe der Zeit das Südtirol-Paket entstanden ist.[1]

Bei der Kundgebung hält der kurz vorher gewählte Obmann[2] der Südtiroler Volkspartei Dr. Silvius Magnago das Hauptreferat. Er setzte sich danach für die Umsetzung der Forderungen ein und wurde dadurch zur Symbolfigur der Südtiroler Autonomie (Vater der Autonomie).[3]

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nach Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags 1955 kam in Südtirol die Hoffnung auf, dass sich Österreich stärker für die Belange der Südtiroler einsetzen würde, Garant dafür war der ausgewiesene Südtirolfreund Bruno Kreisky, der damals Unterstaatssekretär für Äußeres war.[1]. Die Regierung in Rom war damals allerdings der Meinung, dass der Pariser Vertrag schon erfüllt sei und förderte auf der anderen Seite weiter die Zuwanderung italienischer Arbeiter und den Bau von Sozialwohnungen für diese. Nach der Ankündigung des Ministers für öffentliche Arbeiten, in Bozen 5000 weitere Sozialwohnungen zu errichten, will die neue Leitung der Südtiroler Volkspartei eine Kundgebung in Bozen veranstalten. Aus Sicherheitsgründen wurde die Kundgebung aber nach Sigmundskron verlegt.[3]

Ein weiteres Thema war das Missverhältnis zwischen italienischsprachigen und deutschsprachigen Mitarbeitern in öffentlichen Verwaltungen: Damals waren etwa 7,1 % der deutschsprachigen Südtiroler im öffentlichen Dienst tätig, dem gegenüber standen etwa 52 % bei den italienischsprachigen Südtiroler.[2]

Zur Vorgeschichte im weiteren Sinn: siehe Geschichte Südtirols.

Verlauf

Die Lage während der Kundgebung war bis aufs Äußerste angespannt. Unter den mehr 30.000 Teilnehmern waren auch nicht wenige gewillt, nach Bozen zu marschieren. Obmann Magnago versprach jedoch dem Quästor (Polizeichef) von Bozen, dass es zu keinerlei Gewalt kommen werde. Er verkündete dies auch der versammelten Menge auf Schloss Sigmundskron, dass er sein deutsches Wort dafür gegeben habe, dass es zu keiner Gewalt komme. Die unruhige Menge konnte Magnago dank seiner guten Rhetorik in Zaum halten. Als er schließlich vor der Menge das „Los von Trient“ forderte, antwortete die Menge mit Jubel.[1].

Bei der Kundgebung hat der damalige Ortsobmann von Frangart, Sepp Kerschbaumer ein Flugblatt verteilt, das nicht unterzeichnet war, aber dem Befreiungsausschuss Südtirol zugeordnet werden kann.[4]

Folgen

Als Folge der Demonstration wurde die bis dato autonome Region Trentino-Hochetsch (ital. Trentino-Alto-Adige) in zwei autonome Provinzen (Bozen bzw. Südtirol (ital. Alto-Adige) und Trient bzw. Trentino) geteilt. Es kam zur Annahme des „Südtirol-Paketes“, das zwischen 1972 und 1992 umgesetzt wurde und die Autonomie Südtirol untermauerte bzw. ermöglichte.

Einzelnachweise

  1. a b c Michael Gehler: Schwierige Ausgangsposition; in: Solderer, Gottfried (Hg.): Das 20. Jahrhundert in Südtirol, Band 3; Bozen 2001 (ISBN 8872831520); S. 102- 129
  2. a b Rolf Steininger: Die Südtirolfrage. Universität Innsbruck, abgerufen am 15. Juni 2010.
  3. a b Günther Pallaver: Demokratischer Auftakt; in: Solderer, Gottfried (Hg.): Das 20. Jahrhundert in Südtirol, Band 3; Bozen 2001; S. 88 - 101
  4. Hans Karl Peterlini: Südtiroler Bombenjahre. Von Blut und Tränen zum Happy End? Edition Raetia, Bozen 2005.