Guidi (Adelsgeschlecht)

Stammwappen der Guidi
Stammbaum der Guidi (17. Jahrhundert, von Michelangelo Vestrucci)

Die Guidi waren ein italienisches Adelsgeschlecht im Mittelalter, das seine Besitztümer und seinen Einflussbereich hauptsächlich im Casentino und im Mugello in den heutigen Provinzen Arezzo und Florenz hatte. Hauptsitz der Familie war die Burg in Poppi.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Frühe Familiengeschichte

Den Geschichtsschreibern und Historikern Giovanni Villani und Scipione Ammirato nach stammt die Familie aus Deutschland und basierte auf Teudelgrimo (auch Tegrimo bezeichnet, der mit Otto I. im September 951 an seinem Italienzug teilnahm. Allerdings taucht Tegrimo bereits 923 in Dokumenten auf, durch die Heirat mit Ingeldrada wurde er hier als Graf von Modigliana beschrieben[1]. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Ranieri und Guido (Conte Guido I.) hervor, von denen einer Hugo I. als Taufpaten hatte. Graf Guido I. hatte als Sohn Teudegrimo II., der erstmals in der Gegend um Poppi (den heutigen Ortsteilen Larniano und Quorle) Villen errichten ließ. Seine Kinder Teudegrimo III. († 1099) und Guido III. dagegen lebten um 1034 noch in Pistoia. Aus der Linie des letztgenannten stammt der Sohn Alberto und der Enkel Guido IV., der wiederum Guido V. († 1103) als Sohn hatte. Dieser verkehrte mit seinem Sohn Guido Guerra I. († um 1131, verheiratet mit Imilia di Rainaldo Sinibaldo) am Hofe der Mathilde von Tuszien. Von dem Sohn von Guido Guerra I. und Imilia, Guido Guerra II. (* um 1122; † 1186[2]), ist durch Otto von Freising bekannt, das er um 1144 mit Siena paktierte. Drei Jahre später begannen die ersten Kriegshandlungen mit den Herrschern aus Florenz, welche die Burg Monte di Croce (auch Montedicroce) nahe Fornello im Gebirge des Monte Fiesole (heute Ortsteil von Pontassieve) angriffen. Der erste Versuch einer Einnahme der Burg wurde abgewehrt, aber bereits 1154 gelang es den Florentinern, sich die Burg einzuverleiben und dann zu zerstören[3].

Portrait des Guido Guerra V. von Andrea della Robbia (Museo della Collegiata, Montevarchi)

Auf Guido Guerra II. folgte sein Sohn Guido Guerra III. (auch Guido Guidi genannt[4]), der in Pistoia residierte und sich seit 1185 mit Friedrich I. traf, um seine politischen Vorstellungen zu erörtern. 1190 führte er Krieg mit der in Faenza herrschenden Familie Traversari di Ravenna. 1196 übernahmen die Guidi von Pietro Traversari die Orte und Burgen von Dovadola, Monteacuto und Gello und führten von 1203 bis 1207 Krieg gegen Pistoia. Der Sohn von Friedrich I., Heinrich VI., erklärte die Linie der Guidi Guerra um 1195 zur Hauptlinie der Familie und Guido Guerra III. zum Signore di Modigliana. Guido Guerra III. heiratete um 1180 Gualdrada di Bellincione Berti de’ Ravignani aus Florenz, mit der er neun Kinder hatte, davon fünf männliche: Der erstgeborene Guido Guerra IV. (auch Il Vecchio genannt, * um 1180; † 1239, späterer Conte di Modigliana[5]), Marcovaldo (* um 1182/87; † 1229, Conte di Dovadola, Provinz Forlì-Cesena, heiratete Beatrice di Capraia[6]), Aghinolfo (* um 1182/88; † 1247, Conte di Romena[7]), Teudegrimo (* um 1176, Conte di Porciano) sowie einen früh verstorbenen Sohn namens Ruggieri, der der Linie der Dovadola angehörte und einen Sohn, Guido Salvatico (* um 1240; † um 1316[8]) genannt, hinterließ. Guido Guerra IV. zeugte die Söhne Guido Novello (späterer Conte di Modigliana) und Simone I. (* um 1230; † um 1280[9]), der die Grafschaft von Battifolle (später Poppi genannt, heute Ortsteil von Castel San Niccolò) um 1247 übernahm. Beide stellten sich auf die Seite der Ghibellinen. Von Marcovaldo gingen zwei Söhne aus, Guido Guerra V. (* 1220; † im Oktober 1272 in Montevarchi) und Ruggieri II., die sich den Guelfen anschlossen, sodass sie sich bei der Schlacht von Montaperti auf verschiedenen Seiten gegenüberstanden.

Familienzweig der Romena

Das Castello di Romena in Pratovecchio

Durch Aghinolfo[10] und seine Frau Giovanna dei Marchesi Pallavicino entstand der Familienzweig der Romena nahe dem heutigen Pratovecchio, dem später Guido I. Pace di Romena (auch Guido I. di Romena, Sohn des Aghinolfo, * um 1210/15; † vor 1281 verstorben, war verheiratet mit Maria di Uberto Pallavicini[11]), Alessandro Guidi di Romena († um 1303, Sohn des Guido I. di Romena), Guido Guidi II di Romena († nach 1283, Sohn des Guido I. di Romena, war um 1283 Podestà von Siena), Ildebrandino Guidi di Romena (auch Bandino genannt, Sohn des Guido I. di Romena, * um 1257/65; † 1313 in Pisa, späterer Bischof von Arezzo und Vorgänger des Guido Tarlati[12]) und Aghinolfo Guidi di Romena (auch Aghinolfo di Aghinolfo di Romena genannt, Sohn des Guido I. di Romena,* um 1251/58; † 1338, Podestà von Siena 1284[13]) zugehörten.

Familienzweig der Dovadola

Das Castello dei Conti Guidi in Vinci

Dieser Familienzweig entstand durch den Guelfen Guido Guerra V.. Dieser trat erstmals als Familienoberhaupt in Erscheinung, als er am 25. März 1254 das Gebiet von Montemurlo an die Vertreter von Florenz[14], unter ihnen Brunetto Latini, verkaufte. Gleiches geschah im August des gleichen Jahres mit den Besitztümern in Vinci (oder nach Repetti am 6. Mai 1255[15]). Guido Salvatico (war mit der Manentessa di Buonconte da Montefeltro verheiratet, hatte neben Ruggero noch die Söhne Taddeo und Francesco, war 1266 Podestà von Prato) und gab 1273 die Burg von Montevarchi an Florenz zurück, nachdem sein Vater Ruggieri di Dovadola diese 1260 nach der Schlacht von Montaperti als Ghibelline von den Guelfen übernommen hatte. Am 23. August des gleichen Jahres veräußerte er aus Finanznot die Burg in Cerreto Guidi sowie die kleineren Burgen von Colle alla Pietra (Cerreto Guidi), Collegonzi (Vinci) und Musignano (Cerreto Guidi) an Florenz[16]. In den achtziger Jahren war er zudem mehrfach Podestà von Siena. 1301 gab er die Familienoberschaft an seinen Sohn Conte Ruggieri di Guido Salvatico (* um 1280; † September 1332) ab, der im August 1304 Podestà von Florenz und 1317 von Siena war und der 1322 zum Capitano del Popolo von Siena wurde. Er hinterließ drei Söhne, Marcovaldo, Francesco und Carlo. Ihm folgte sein erstgeborener Sohn Marcovaldo II. di Dovadola. Nach dessen Tod führte sein Bruder Francesco die Signoria von Dovadola weiter. Dieser starb 1407 und hinterließ die vier Söhne Giovanni, Carlo, Francesco und Guelfo.

Konflikt mit Florenz und Untergang der Dynastie

Nach dem Krieg zwischen Papst Gregor XI. und der Republik Florenz rebellierte Modigliana gegen die Herrschaft der Conti Guidi und schloss sich am 2. August 1377 Florenz an, was noch im gleichen Monat von Florenz akzeptiert wurde. 1405 übergab Francesco di Dovadola den Ort Dovadola an die fiorentinischen Herrscher. Poppi blieb noch bis 1440 in der Hand der Guidi und unterstützte das Herzogtum Mailand bei ihrer Kampagnie gegen Florenz. Nach der Schlacht von Anghiari, die Florenz siegreich gegen Mailand gestalten konnte, wandten sich die Streitkräfte Richtung Poppi und belagerten die Burg. Das damalige Familienoberhaupt Francesco II. übergab nach wenigen Tagen Belagerung die Burg an den Gegner und flüchtete nach Bologna[17].

Die Guidi hatten als einer von drei markgräflichen Geschlechter einen erblichen Sitz im Herrenhaus, dem Oberhaus des österreichischen Reichsrates.

Burgen und Castelli der Guidi (Auswahl)

Ehemaliger und letzter Hauptsitz der Familie Guidi in Poppi
Der Borgo Castellano und das Castello in Castel San Niccolò
Das Castello Leone in Montemignaio
Das Castello von Caposelvi im gleichnamigen Ortsteil von Montevarchi
Das Castello von Porciano im gleichnamigen Ortsteil von Stia
  • Castel San Niccolò: Castello dei Conti Guidi, auch Corte di Vado genannt, erstmals 1029 erwähnt. Gehörte zu den Conti Guidi da Battifolle bis 1349 und ging dann nach einer Rebellion zu Florenz über[18].
  • Cerreto Guidi: Castello dei Conti Guidi, bereits 1079[19] dokumentierte Burg, ging 1273 in den Besitz von Florenz über[20]
  • Londa, Ansiedlungen an den Flüssen Rincine und Moscia, aus dem der Ort Londa um das Jahr 1000 entstand[21].
  • Montemignaio: Castello dei Conti Guidi, auch Castello Leone genannt, erstmals 1103 erwähnt gelang es in den Besitz der Guidi. Gehörte zu den Conti Guidi da Battifolle bis 1349 und ging dann nach einer Rebellion zu Florenz über[22].
  • Modigliana: Castello di Modigliana (auch Rocca di Modigliana oder Castello dei Conti Guidi genannt), heutige Burgruine, entstand bereits vor dem 10. Jahrhundert[23].
  • Montevarchi: Castello di Caposelvi, war bis 1230 im Besitz der Guide und wurde von Florenz nach Belagerung übernommen[24].
  • Ortignano Raggiolo, Burg im Ortsteil Raggiolo, gehörte den Guide im 13. Jahrhundert und wurde später von Arezzo übernommen[25].
  • Pontassieve: Castello di Monte di Croce, bis 1154 im Besitz der Guidi[26].
  • Pelago: Castello dei Conti Guidi, erstmals 1089 erwähnt[27].
  • Poppi: Castello dei Conti Guidi, letzter Hauptsitz der Familie, wurde erstmal 1191 schriftlich erwähnt[28].
  • Pratovecchio: Castello di Romena, erstmals 1008 erwähnte Burg, die am Anfang des 12. Jahrhundert von den Guidi übernommen wurde[29].
  • Rendola, Ortsteil von Montevarchi: Castello, welches zum Castello di Porciano gehörte, wurde dann von Pier Saccone Tarlati eingenommen[30].
  • Stia: Castello di Porciano, früherer Hauptsitz der Familie, entstand um das Jahr 1000 durch die Guidi[31].
  • Vinci: Castello dei Conti Guidi, auch Castello della Nave genannt, wurde von den Conti Guidi um das Jahr 1000 errichtet[32] und wurde am 12. August 1254 an Florenz verkauft[33].

Die Conti Guidi in der Literatur

Zwei Grafen der Guidi werden in der göttlichen Komödie von Dante Alighieri erwähnt [34])

  • Guido Guerra (Inferno, 16. Gesang, Zeilen 37 - 39).
Wer hörte nicht Gualdradas’ Enkel nennen,
Der guten? – Guidoguerra, dessen Geist
Und Rath wie Schwert wir all’ als tüchtig kennen?
  • Guido Guidi II di Romena (Inferno, 30. Gesang, Zeilen 73 - 77)
Dort liegt Romena, wo ich mit Metallen
Geringern Werths verfälscht das gute Geld,
Weshalb ich dort der Flamm’ anheimgefallen.
Doch wäre Guido nur mir beigesellt

Einzelnachweise

  1. Webseite von Modigliana.com, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  2. Onlineausgabe des DBI zu Guido Guerra II., abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  3. Webseite von Montefiesole.com, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  4. Onlineausgabe des DBI zu Guido Guerra III., abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  5. Onlineausgabe des DBI zu Guido Guerra IV., abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  6. Onlineausgabe des DBI zu Marcovaldo Guidi, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  7. Onlineausgabe des DBI zu Aghinolfo Guidi (* um 1182/88), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  8. Onlineausgabe des DBI zu Guido Salvatico, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  9. Onlineausgabe des DBI zu Simone Guidi I., abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  10. Webseite der Universität Siena zum Werk des Emanuele Repetti: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (Romena), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  11. Onlineausgabe des DBI zu Guido Pace, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  12. Onlineausgabe des DBI zu Ildebrandino Guidi di Romena, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  13. Onlineausgabe des DBI zu Aghinolfo Guidi (* um 1251/58), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  14. Webseite der Universität Siena zum Werk des Emanuele Repetti: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (Dovadola), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  15. Webseite der Universität Siena zum Werk des Emanuele Repetti: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (Vinci), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  16. Offizielle Webseite der Gemeinde Cerreto Guidi, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  17. Webseite der Universität Siena zum Werk des Emanuele Repetti: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (Poppi), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  18. Webseite von Castelli Toscani zur Burg in Castel San Niccolò, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  19. Giuliano Valdes: Le Terre di Leonardo e Boccaccio, S. 76, Felici Editore, Pisa 2004, ISBN 88-88327-58-4
  20. Offizielle Webseite der Gemeinde Cerreto Guidi, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  21. Offizielle Webseite der Gemeinde Londa, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  22. Webseite von Castelli Toscani zur Burg in Montemignaio, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  23. Webseite von Mondi Medievali zur Burgruine in Modigliana, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  24. Webseite der Universität Siena zum Werk des Emanuele Repetti: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (Caposelvi), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  25. Webseite von Guidacomuni.it, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  26. Webseite von Montefiesole.com, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  27. Offizielle Webseite der Gemeinde Pelago, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  28. Webseite von Castelli Toscani zur Burg in Poppi, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  29. Webseite von Castelli Toscani zur Burg Romena, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  30. Webseite der Universität Siena zum Werk des Emanuele Repetti: Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (Rendola), abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  31. Webseite des Castello di Porciano, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  32. Giuliano Valdes: Le Terre di Leonardo e Boccaccio, S. 69 f., Felici Editore, Pisa 2004, ISBN 88-88327-58-4
  33. Webseite von Castelli Toscani zur Burg in Vinci, abgerufen am 14. Juli 2011 (Ital.)
  34. Die Steckfuß-Übersetzung der Göttlichen Komödie (Inferno / Hölle) bei Wikisource

Literatur

Weblinks

 Commons: Guidi (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien