Hans Piesch

Hans Piesch (* 15. Juni 1889 in Bielitz, Schlesien; † 1966 in Krumpendorf) war ein österreichischer Politiker. Von 1945 bis 1947 war er erster Landeshauptmann von Kärnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hans Piesch war ein Pädagoge schlesischer Herkunft, in seiner Heimat absolvierte er 1908 eine evangelische Lehrerbildungsanstalt. Daraufhin siedelte er nach Kärnten über, wo er in Feistritz an der Gail sowie in Gmünd als Volksschullehrer angestellt war. Ab 1922 war er in Villach ansässig, hier arbeitete er zunächst als Hauptschullehrer und später als Schuldirektor. Als SPÖ-Mitglied wurde er 1933 zum Bürgermeister von Villach gewählt.

Im Februar 1934 kam es in Österreich zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen (siehe Februaraufstand), in deren Folge die sozialdemokratische Partei verboten und deren maßgebliche Funktionäre verhaftet bzw. hingerichtet wurden. So geriet auch Piesch kurzzeitig in Haft und wurde als Bürgermeister abgesetzt.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich trat Piesch der NSDAP bei und arbeitete im rasse- und siedlungspolitischen Amt im Kreis Villach.

Wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs bildeten Vertreter der Widerstandsbewegung und der politischen Parteien Kärntens einen „Vorläufigen Vollzugsausschuss“, der sich am 6. Mai 1945 über die Zusammensetzung einer provisorischen Landesregierung einigte, die von Hans Piesch geleitet werden sollte. Am Tag darauf erklärte der Kärntner NS-Gauleiter Friedrich Rainer seinen Rücktritt und die Provisorische Landesregierung mit Landeshauptmann Piesch konstituierte sich. Sie wurde aber nach nur einem Monat in einen sogenannten Konsultativen Landesausschuss mit nur geringen Befugnissen umgewandelt. Am 24. Juli 1945 ernannte der Leiter der britischen Militärregierung in Kärnten Hans Piesch zum Landeshauptmann. Dem daraufhin neu gebildeten „Konsultativen Landesausschuss“ gehörten Vertreter der SPÖ, der ÖVP, der KPÖ sowie der Kärntner Slowenen an. Kurz darauf, am 27. Juli, bildete sich erneut eine provisorische Landesregierung unter Landeshauptmann Piesch.

Am 25. November 1945 gewann die SPÖ die ersten Kärntner Landtagswahlen nach Kriegsende. Der erste Landtag setzte sich aus 18 Abgeordneten der SPÖ, 14 der ÖVP, drei der KPÖ sowie einem der Demokratischen Partei Österreichs zusammen und konstituierte sich am 10. Dezember 1945 mit seiner ersten Sitzung, bei der Hans Piesch zum Landeshauptmann gewählt wurde. Er hatte dieses Amt aber nur wenig mehr als ein Jahr inne: Da ihm seine NS-Vergangenheit zum Vorwurf gemacht wurde und er die 1947 begonnenen Verhandlungen zum Österreichischen Staatsvertrag in Bezug auf die Landesinteressen nicht gefährden wollte, trat er im April 1947 zurück. Sein Nachfolger wurde Ferdinand Wedenig (SPÖ).

Anschließend war er bis zu seiner Pensionierung 1954 Leiter des Landesfremdenverkehrsamts Villach. Hans Piesch starb 1966 in Krumpendorf am Wörthersee, er wurde auf dem Villacher Waldfriedhof beigesetzt. Im Stadtteil Maria Gail erinnert die Hans-Piesch-Straße an ihn, in seinem letzten Wohnort Krumpendorf der Hans-Piesch-Park.