Hans von Halban

Hans von Halban (* 24. Januar 1908 in Leipzig; † 28. November 1964 in Paris) war ein französischer Kernphysiker österreichischer Herkunft. Er leistete wesentliche Beiträge zur Erforschung der Kernspaltung.

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Leben

Hans von Halban studierte Physik in Leipzig, wo sein Vater als Professor arbeitete. 1928 siedelte die Familie nach Zürich um. Von Halban promovierte dort 1936 an der ETH Zürich. Er arbeitete ein Jahr mit Niels Bohr in Kopenhagen und folgte dann der Einladung von Frédéric Joliot-Curie, mit ihm am Collège de France in Paris zu forschen.

Nach der deutschen Invasion flüchtete von Halban zusammen mit Lew Kowarski aus Paris. Dabei hatte er den Spezialauftrag des französischen Armeeministers Raoul Dautry, sicherzustellen, dass das Schwere Wasser und das Uran der Gruppe um Joliot-Curie nicht in die Hände der Deutschen gelangen würde. Kurz zuvor hatte Frankreich für Joliot-Curie von Norsk Hydro 185 kg Schweres Wasser erworben, was einem Großteil der damaligen Weltvorräte entsprach. Er transportierte es im Kofferraum seines Autos zunächst nach Mont-Dore im Zentralmassiv und von dort weiter nach Bordeaux. Von hier aus gelangte er an Bord eines Frachters nach England.

In London setzte er auf Einladung von Winston Churchill seine kernphysikalischen Forschungen an der Universität Cambridge fort. 1942 wurde er als Laborleiter nach Montreal geschickt. Er war dort in das Manhattan-Projekt eingebunden.

Nach der Befreiung von Paris besuchte er Paris und traf mit Joliot-Curie zusammen. Nach seiner Rückkehr aus Europa wurde er von seinen Aufgaben als Laborleiter entbunden, sein Nachfolger wurde John Cockcroft. Ihm wurde für ein Jahr weder gestattet, Nordamerika zu verlassen, noch dort zu arbeiten.

Nach dem Krieg erhielt er entgegen seinen Erwartungen keine erneute Einladung an das Collège de France. Stattdessen wurde er in England auf Einladung von Frederick Lindemann Leiter des Clarendon Laboratory an der Universität Oxford, das enge Beziehungen zum Kernforschungszentrum Harwell unterhielt.

1955 folgte er einer Einladung des französischen Premierministers Pierre Mendès-France. Er baute in Orsay, in der Nähe des Forschungszentrum Saclay des CEA, einen Linearbeschleuniger auf. Bis 1961 leitete er ihn, dann ging er aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand.

Seine letzten drei Lebensjahre verbrachte er in Paris und in Crans-sur-Sierre. Er starb an den Folgen einer Herzoperation. Von Halban war dreimal verheiratet und hinterließ drei Kinder aus erster und zweiter Ehe. Er ist in Larchant begraben.

Wissenschaftliche Leistungen

In Kopenhagen entdeckte von Halban zusammen mit Otto Frisch, dass Schweres Wasser im Vergleich zu gewöhnlichem Wasser einen sehr geringen Absorptionsquerschnitt für Neutronen hat. In Paris maß er zusammen mit Kowarski und Joliot-Curie die durchschnittliche Anzahl der bei einer Kernspaltung freigesetzten Neutronen.[1]

1949 veröffentlichte die „Comptes Rendus“ ein Papier, das von Halban, Joliot-Curie und Kowarski im Oktober 1939 der französischen Akademie der Wissenschaften in einem verschlossenen Umschlag übergeben hatten, der erst nach dem Krieg geöffnet wurde. Dieses Papier mit dem Titel „Sur la possibilité de produire dans un milieu uranifère des réactions nucléaires en chaine illimitée“ (deutsch „Über die Möglichkeit, mit Hilfe von Uran eine nukleare Kettenreaktion auszulösen“) enthielt die theoretischen Grundlagen für die militärische und zivile Nutzung der Kernenergie.[2]

2007 gab die Royal Society bekannt, dass fünf versiegelte Umschläge mit Forschungsergebnissen von von Halban und Kowarski geöffnet worden seien. Diese Arbeitsergebnisse waren der Royal Society 1940 von James Chadwick mit der Bitte übergeben worden, diese nicht zu veröffentlichen. Sie enthielten Methoden, aus Uran Plutonium zu erzeugen und nukleare Kettenreaktionen zu stabilisieren.[3]

Einzelnachweise

  1. H. von Halban, F. Joliot and L. Kowarski, Nature 143 (1939) 470 and 680.
  2. H. von Halban, F. Joliot and L. Kowarski, Comptes Rendus 229 (1949) 909.
  3. BBC über die Entdeckung von Forschungsergebnissen von Kowarski und von Halban

Quellen