Harter Schlössel

Harter Schlössel
"Hart", Stich von Georg Matthäus Vischer, 1674[1]

"Hart", Stich von Georg Matthäus Vischer, 1674[1]

Alternativname(n): Schloss Hart, Hartschlössl, Hart, Hof zu Hart, Veste Hart
Entstehungszeit: 10. Jahrhundert
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: abgebrochen
Ständische Stellung: Niederer Adel
Ort: Schlösslweg 18
Geographische Lage 48° 13′ 48″ N, 14° 36′ 18,3″ O48.229996914.605072245Koordinaten: 48° 13′ 48″ N, 14° 36′ 18,3″ O
Höhe: 245 m ü. A.
Harter Schlössel (Oberösterreich)
Harter Schlössel

Das ehemalige Harter Schlössel (auch Schloss Hart, Hartschlössl, Hart, Hof zu Hart, Veste Hart) war der einzige Herrensitz in der heutigen Marktgemeinde Naarn im Machlande und wurde Ende des 18. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Schloss Hart befand sich knapp einen Kilometer nordwestlich der Pfarrkirche Naarn in der Katastralgemeinde Naarn. Auf dem ehemaligen Schlossgrundstück wurde das Haus Naarn Nr. 9 errichtet, das später die Nr. 39 erhielt und sich heute am Schlösslweg 18 befindet.

Geschichte

Besitzer des Harter Schlössels
von bis Namen
1280 Freiherren von Hart

(u.a. Ulrich, Chunrad, Herwort „de Hard“)

1280 1360 Herren von Mitterberg
1360 1406 Herren von Kapellen
1410 1485 Die Liechtensteiner
1485 1500 Magdalena Schirmer
1500 1598 Herren zu Osterburg
1598 1603 Gregor von Bonimb
1603 1620 Georg Erasmus von Tschernembl
1622 1644 Leonhard Helfried von Meggau
1644 1675 Heinrich Wilhelm von Starhemberg
1676 1748 Grafen von Kuefstein
1749 1789 Grafen von Thürheim

Eine frühmittelalterliche Burganlage dürfte wahrscheinlich nach den Ungarneinfällen zwischen 900 und 1000 nach Christus vermutlich aus Holz errichtet worden sein und mächtige Umzäunungen und hohe Schautürme gehabt haben. Über die Besitzer fehlen in den ersten zwei Jahrhunderten verlässliche Informationen.[2]

Eine erste historisch fassbare Familie, die Harter auf dem Harthof nannten das Gehöft Hartenstein. Der Hof gehörte ursprünglich zum Einflussbereich der Herren von Perg, deren Besitz 1180 vom Landesherrn Leopold V. eingezogen wurde. Im 12. und 13. Jahrhundert werden Männer von Hart mehrfach als Zeugen angeführt, unter ihnen auch Freiherr Ulich von Hart (zwischen 1227 und 1234), der den Ansitz zu dem befestigten Hartschlössel ausbaute. 1234 folgten Chunrad und 1276 Herwort von Hart als Inhaber eines landesfürstlichen Lehens.

1280 ging die Veste Hart an die Herren von Mitterberg, Ulrich I. und Leutold I. von Mitterberg. 1314 und 1317 fungierte Chunrad II. von Mitterberg zu Hart als Rechtszeuge. Ulrich III. dürfte mangels Erben sein Besitztum aufgegeben haben. 1360 wurde Eberhart I. von Kapellen zunächst Pfandeigentümer und dann Besitzer des Hofes zu Hart und ließ 1368 Fischteiche rings um das Hartschlössel auf den Teichtwiesen anlegen. 1381 erbten die Nachkommen seines Bruders das Schloss. Letzter Kapeller als Besitzer von Schloss Hart war Eberhart III. von Kapellen, der 1406 verstarb.

Die Herrschaft Hart die zu diesem Zeitpunkt bereits zu Schwertberg inkorporiert war, kam in den Besitz von Dorothea von Kapell, die Hartneid V. von Liechtenstein geheiratet hatte.

1452 erhielt Simon Volkra, Schaffer von Freistadt die Veste Hart von 1432 bis 1436 als Lehen von den Liechtensteinern. Um 1485 gelangte die Veste Hart an Magdalene Schirmerin und Hanns Radlbrunner. Während des 16. Jahrhunderts befand sich Hart im Besitz protestantischer Familien, beispielsweise der Familie Geyer zu Osterburg.

Um 1598 erwarb der auf dem Schloss Außernstein ansässige Protestant Gregor von Bornimb die Veste Hart samt den zwei ertragreichen Ämtern Naarn und Arbing und verkaufte diese 1603 an Georg Erasmus von Tschernembl um 25.000 Gulden weiter. Dieser war Calviner und wegen der Teilnahme an der böhmischen Konföderation 1620 flüchtig. Alle seine Güter wurde konfisziert und 1622 nach Durchführung einer Schätzung zu niedrigem Preis an den Katholiken Leonhard Helfried von Meggau verkauft. Dieser verstarb 1644 ohne Erben. Hart stand von 1644 bis 1675 im Besitz des Grafen Heinrich Wilhelm von Starhemberg. In dieser Zeit entstand 1674 der KupferstichNr. 71 des Georg Matthäus Vischer. 1676 übernahm Graf Lobgott von Kuefstein zu Greillenstein, Weidenholz und Hartheim nach der Vermählung mit Gräfin Maria Anna von Starhemberg auch Hart. 1682 entstand das Harter Taiding. Von 1700 bis 1728 war Graf Ehrgott Maximilian von Kuefstein Besitzer, danach bis 1748 dessen Schwester, Gräfin Maria Franziska von Kuefstein.

Nächster Besitzer war Graf Gundacker Josef von Thürheimer, der 1778 seinen überschuldeten Besitz an seine Gemahlin Maria Dominika Gräfin von Thürheim verkaufte und 1789 auf der Flucht vor seinen Gläubigern im Ausland verstarb. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das baufällige Schloss abgebrochen und die Liegenschaften verkauft.

Denkmalschutz, Nachfolgebauten

Die Liegenschaft Schlösslweg 18 hat eine Gesamtfläche von 2.742 Quadratmetern und besteht aus Hausberg (Wehranlage mit Sölde, Graben und Umfassungsmauer) und dem Nachfolgebau. Seit 1990 gilt die gesamte Liegenschaft als Einheit im öffentlichen Interesse und steht unter Denkmalschutz.

Sonstiges

In Naarn erinnern einige Straßenbezeichnungen an die Existenz des ehemaligen Schlosses: Hartfeld, Schlösslweg, Schlösslwiese, Teichweg.

Quellen

  • Alois Öhlinger: Naarn im Machlande - Beiträge zur Heimatgeschichte der Marktgemeinde. Marktgemeinde Naarn im Machlande (Hrsg.), Linz 2002.

Einzelnachweise

  1. Topographia Austriae superioris modernae, 1674, Kupferstich Nr. 71
  2. Alois Öhlinger: Naarn im Machlande - Beiträge zur Heimatgeschichte der Marktgemeinde. Marktgemeinde Naarn im Machlande (Hrsg.), Linz 2002, S. 102f.