Heinrich Oberwinder

Heinrich Oberwinder (* 14. März 1845 in Weilburg; † 9. Mai 1914 in Dresden) war ein sozialdemokratischer Politiker und Journalist. Er gilt als einer der Pioniere der österreichischen Arbeiterbewegung. Er vertrat die reformistische Richtung. Später schloss er sich in Deutschland der antisemitischen und nationalistischen christlich-sozialen Bewegung an.

Heinrich Oberwinder

Inhaltsverzeichnis

Leben

Oberwinder war 1863 Gründungsmitglied des lassalleanischen Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. In den Diskussionen um den Zusammenschluss der deutschen Staaten vertrat er die großdeutsche Position. Noch in den 1860er Jahre ging er nach Österreich und gehörte dort 1867 zu den Mitbegründern des Gumpendorfer Arbeiterbildungsvereins, der als einer der Vorläufer der österreichischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) gilt. Seit 1869 war er außerdem Mitarbeiter der ersten sozialdemokratischen Zeitung in Österreich, der „Volksstimme.“ 1870 wurde er im Wiener Hochverratsprozess zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Während der Fraktionskämpfe innerhalb der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs stand Oberwinder auf der Seite der rechten Reformisten. Er befürwortete eine vom Staat angebotene Wahlrechtsreform, die das allgemeine und gleiche Wahlrecht verweigerte, für das es für die "Radikalen" in der SDAP keine Alternative gab. Er erhoffte sich von einer sozialdemokratischen Zustimmung "eine breite Unterstützung des Staates gegen die Gefahren des Slawentums", wie er als großdeutscher Nationalist es sah.[1] Er setzte schließlich den Ausschluss der linken Opposition um Andreas Scheu durch, geriet aber in Verdacht, ein Polizei- und Regierungsagent zu sein, woraufhin er seine Tätigkeit in der österreichischen und deutschen Arbeiterbewegung einstellte, Österreich verließ und in Deutschland als Journalist tätig wurde.

Nach Durchgangsstationen bei bürgerlichen Zeitungen schloss er sich der antisemitischen und nationalistischen christlich-sozialen Bewegung an. Er wurde Inhaber der christlich-sozialen Vaterländischen Verlags-Anstalt und Chefredakteur des Parteiorgans "Das Volk". Gemeinsam mit dem zweiten Redakteur Hellmut von Gerlach wurde er 1896 im Zuge einer Parteisäuberung entlassen, weil beide Kritik an den sozialen Verhältnissen im Kaiserreich geübt hatten und ihren Gegnern ihr Antisemitismus nicht prinzipiell genug war.[2]

Einzelnachweise

  1. Peter Schöffer, Der Wahlrechtskampf der österreichischen Sozialdemokratie 1888/89-1897 (= Studien zur Modernen Geschichte, Bd. 34), Stuttgart 1986, S. 66f.
  2. Paul W. Massing, Vorgeschichte des politischen Antisemitismus, Frankfurt a. M. 1959, S. 121ff., 130f.; Werner Jochmann, Stoecker als nationalkonservativer Politiker und antisemitischer Agitator, in: Günter Brakelmann/Werner Jochmann/Martin Greschat, Protestantismus und Politik. Werk und Wirkung Adolf Stoeckers (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. XVII), Hamburg 1982, S. 123-198, hier: S. 180; Helmut Busch, Die Stoeckerbewegung im Siegerland. Ein Beitrag zur Siegerländer Geschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Siegen 1968, S. 106.

Literatur

  • Ludwig Brügel, Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie, 5 Bd., Wien 1922-1925
  • Paul W. Massing, Vorgeschichte des politischen Antisemitismus, Frankfurt a. M. 1959
  • Der Wiener Hochverratsprozeß. Bericht über die Schwurgerichtsverhandlung gegen Andreas Scheu, Heinrich Oberwinder, Johann Most und Genossen, neu herausgegeben von Heinrich Scheu, Wien 1911

Weblinks

 Wikisource: Heinrich Oberwinder – Quellen und Volltexte