Heinrich von Levitschnigg

Heinrich von Levitschnigg (Porträt in „Gedichte“. 1842)

Heinrich Ritter von Levitschnigg[Anm. 1], eigentlich: bis 1815 Heinrich Levitschnigg, von 1815–18 Heinrich Edler von Levitschnigg, ab 1818 Heinrich Levitschnigg Ritter von Glomberg[1] (* 25. September 1810 in Wien; † 24. Januar 1862 ebendort), war ein österreichischer Schriftsteller und Journalist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Heinrich Ritter von Levitschnigg studierte an der Universität Wien zuerst die Rechte, dann Medizin und ging schließlich zum Militärstand über. Als Unterleutnant eines Regiments an der türkischen Grenze erwärmte er seine Phantasie ganz und gar für den orientalischen Bilderluxus, welchen Freiligrath und teilweise Rückert in die Poesie gebracht hatten, und er verließ, nachdem er lyrische Proben in Zeitschriften usw. veröffentlicht hatte, auch den Militärstand, um sich ganz der Literatur zu widmen.

Ab 1837 war er Mitarbeiter bei der Wiener Zeitung und der Zeitschrift Der Humorist von Moritz Gottlieb Saphir. Ab 1845[Anm. 2] lebte er als Redakteur des Feuilletons der Pester Zeitung[Anm. 2] in Pest und gab zwischen 1854 und 1855 das Pester Sonntagsblatt heraus[Anm. 3]. Ab März 1859 war er (nach dem Tode Saphirs) zeitweilig Redakteur der Zeitschrift Der Humorist. Im Jahr 1861 gründete Levitschnigg schließlich das eigene (bis 1889 bestehende) satirische Monatsblatt Der Zeitgeist.

Literarisches Werk

Seine ersten Veröffentlichungen, das romantisches Gedicht in vier Aufzügen Rustan (Stuttgart 1841) und die Gedichte (Wien 1842), zeigten ein schönes Talent, das sich aber in einem Labyrinth überschwänglicher und haltloser Metaphern verirrte, was bei den späteren Gedichten West – Oestlich (Wien 1846) noch mehr der Fall war. Als Feuilleton ist der offiziösen Pester Zeitung erlebte er 1848-49 die ungarische Revolution mit, der er nach ihrer Besiegung scharfe gegnerische Bilder im zweibändigen Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pest 1850) vorhielt. Den kaiserlichen Siegern widmete er seine »Soldatenfibel« (Wien, München, Pest 1852), und noch einmal zeigte er im Gedichtband Brennende Liebe (Wien 1852) den bereits charakterisierten Lyriker.

Danach schrieb er vorwiegend wenig anspruchsvolle Romane (u.a. Die Geheimnisse von Pest, Wien 1853). Zur Zeit, als Wagners Tannhäuser auftauchte, brachte er ein durch Ausstattung gehobenes gleichnamiges Schauspiel mit Tageserfolg zur Aufführung (mit der Musik Franz von Suppés).[2] Zuletzt sank er zu Rätselbüchern und dergleichen herab. Im Jahr 1860 erschien Wien, wie es war und ist. Federzeichnungen.

Mit Der Diebsfänger (1860) und anderen Geschichten gehört Levitschnigg zu den frühen deutschsprachigen Kriminalautoren.[3]

Schachschriftsteller

Levitschnigg nahm lebhaften Anteil an der Entwicklung des 1839 gegründeten Pester Schachklubs.[4] Ein Jahr vor seinem Tod gab er ein Schachbuch unter dem Titel Der Schachmeister. Handbuch zum Selbstunterricht im Schachspiele (Pest, Wien und Leipzig 1861) heraus, das später neu aufgelegt wurde. Eine von Johannes Minckwitz umgearbeitete und „mit einer Einführung in die Problemcomposition“ versehene dritte Auflage erschien 1886 unter dem veränderten Titel Der Schachmatador. Ein Leitfaden zum Selbstunterricht im Schachspiele.

Werke

  • Rustan. Romantisches Gedicht in vier Aufzügen. Stuttgart 1841.
  • Gedichte. Wien 1842. – Volltext.
  • West – Oestlich. Gedichte. Wien 1846.
  • Löwe und Rose. Trauerspiel in fünf Acten. Pest 1847. – Volltext in: Ludwig Foglár: Verworfene Schauspiele. Pest 1847, S. 1.
  • Ein Märchen. Pesth 1847. – Volltext.
  • Der steinerne Gast. Gedicht. Wien 1848.
  • Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn. Pesth 1850. – Volltext Band 1, Band 2/2.
  • Brennende Liebe. Zwei Sträuße Gedichte. Wien 1852.
  • —, Franz von Suppé: Der Tannhäuser. Dramatisches Gedicht mit Gesang und Tanz in 3 Akten. (Mit großem Beifall aufgeführt im k. k. priv. Theater an der Wien). Wien 1852. – Volltext.
  • Die Geheimnisse von Pest. Roman. 4 Bände. Wien 1853. – Volltext Band 1, Band 2, Band 3, Band 4/4.
  • Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei. Roman. Pest 1853. – Volltext.
  • Der Zeitungsjunge. Roman. Pest, Wien (u.a.) 1855. – Volltext Band 1, Band 2/2.
  • Der Diebsfänger. Roman. Wien 1860. – Volltext Band 1, Band 2/2.
  • Turandot. Nüsse zum Aufknacken für schöne, doch feste Zähne. Eine Sammlung von dreihundert neuen Räthsel, Charaden, Homonymen u.s.w. Pest, Wien 1860. – Volltext.
  • Wien, wie es war und ist. Federzeichnungen. Pest, Wien 1860. – Volltext.
  • Der Gang zum Giftbaum. Roman. Wien 1862.
  • Die Leiche im Koffer oder ein zweiter Blondin von Namur. Roman. Wien 1863.
  • Leier und Schwert. Eine Zukunftsnovelle. Wien 1864.
  • —, Thomas Loewe: Concini. Romantische Oper in vier Acten. Musik. von Thomas Loewe. Wien 1865. – Volltext.
  • Siehe auch Mikrofiche-Ausgaben, Saur, München (u.a.) 1990–94, ISBN 3-598-51666-5.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Levitschnigg, Levitschnigg v. Glomberg. In: Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 5: Kalb – Loewenthal. Voigt, Leipzig 1864, S. 497. – Text Internet Archive
  2. Der Tannhäuser. Dramatisches Gedicht mit Gesang und Tanz in drei Akten. Nach einer deutschen Volkssage. Musik von Franz v. Suppé. Prix, Wien 1857.
  3. Kurze Geschichte des österreichischen Krimis.
  4. Ludwig Bachmann: Aus vergangenen Zeiten. Bilder aus der Entwicklungsgeschichte des praktischen Schachspiels. 2 Bände. Berlin 1920–1922 (Band 2: S. 305)

Anmerkungen

  1. Diesen Kurznamen verwendete Levitschnigg bei seinen Veröffentlichungen.
  2. a b Von 1832 bis 1845 bestand in Pest die Vereinigte Ofner-Pester Zeitung; die Pester Zeitung erschien ab 1848 (bis 1849 und von 1853 bis 1860 als Pest-Ofner Zeitung).
  3. Das Pester Sonntagsblatt. Wochenschrift für Poesie Literatur, Kunst, Musik, Theater und Mode: mit monatlichen Original Pariser Modebildern bestand 1854 bis 1858 und nannte im erweiterten Titel Heinrich Ritter von Levitschnigg als Redacteur.

Weblinks

 Wikisource: Heinrich von Levitschnigg – Quellen und Volltexte
Meyers Konversationslexikons logo.svg Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn du den Artikel so weit überarbeitet hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt, dies mit Quellen belegt ist und er den heutigen sprachlichen Anforderungen genügt.