Heinrich von Mattoni

Heinrich von Mattoni
Werbung von Mattoni (1873)
Tafel im Mattonihof in Wien

Heinrich Edler von Mattoni (* 11. August 1830 in Karlsbad, Böhmen; † 14. Mai 1910 ebenda) war ein böhmischer-österreichischer Industrieller, Namensgeber des Karlsbader Mineralwassers Mattoni.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Sein Vater Karl Mattoni war Gemeinderat von Karlsbad. Heinrich Mattoni wuchs in privilegierten Verhältnissen auf und genoss eine sehr gute Schulbildung. Nach seiner Schulzeit arbeitete er mehrere Jahre im Comptoir beziehungsweise als reisender Kaufmann größerer Exportgeschäfte in Wien und Hamburg. Nach zwölf Lehr- und Wanderjahren kehrte er in seine Heimatstadt zurück.

Hier pachtete er 1856 von der Stadtgemeinschaft die Versendung des städtischen Mineralwassers und erreichte durch ein weitverzweigtes Niederlagensystem bald reißenden Absatz. Bereits 1867 hatte er die Versendung des Heilwassers aus der Otto-Quelle im benachbarten Gießhübl-Sauerbrunn gepachtet, dem er sich nun ganz zuwenden konnte. 1868 fing er an das Wasser in Glasflaschen zu füllen, bis dato waren eher Tonbehälter üblich. Die Glasflaschen ließ er mit Papieretiketten versehen, die den roten Adler, sein Familienemblem, zeigten. Durch den Erwerb der Mineralmoorlager bei Franzensbad schuf er auch eine blühende Industrie zur Verwertung von Quellnebenprodukten, wie Moor- und Eisenlauge und Moorsalz. Aufgrund seines Erfolges und der hervorragenden Qualität seiner Produkte und Dienste wurde er 1870 zum "k.k. Mineralwasser-Hoflieferant" und 1898 sogar zum k. u. k. Kammer-Lieferanten des Kaisers[1] ernannt. In Wien hatte er Geschäfte an den Tuchlauben 12 und der Maximilianstraße 5 im 1. Bezirk.

Nach siebenjähriger Pacht hatte er 1873 den ganzen Ort einschließlich der Kaiserin-Elisabeth-Quelle vom Grafen Czernin käuflich erworben. Das unter dem Namen Gießhübler Sauerbrunn abgefüllte Wasser wurde durch moderne quellentechnische Einrichtungen abgefertigt und durch ihn weltbekannt. Auch die Bitterquellen und das Elisabethbad Ofen gingen in seinen Besitz über.

Für den Versand ließ Mattoni 1890 eine Eisenbahnstrecke nach Wickwitz errichten. Im Vergleich war 1872 der Absatz 670.000 Flaschen, 1897 bereits 7.854.727 Flaschen. In seinem Todesjahr betrug die Zahl der versandten Flaschen 10 Millionen.

Heinrich Mattoni nahm bis zu seiner Übersiedlung nach Wien 1878 in regionalen, kommunal- und gewerbepolitischen Organisationen ein: 1862 als Stadtverordneter, 1874 Präsident der Handels- und Gewerbekammer von Eger, 1876 erster Stadtrat von Karlsbad und war bei der Sparkasse von Karlsbad aktiv. Als Mitglied zahlreicher Vereine, insbesondere beim Schützenkorps, spielte er eine große Rolle im städtischen Leben.

1878 wurde er zum kaiserlichen Rat ernannt, 1889 in den erblichen Adelsstand erhoben.[2] Er erhielt hohe Auszeichnungen und wurde Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Die Trauerfeier für den Verstorbenen am 17. Mai 1910 war laut zeitgenössischer Berichte eine der großartigsten, die Karlsbad je gesehen hatte. Die Stadt widmete ihm ein Denkmal, das noch heute steht.[3] In Wien existiert noch heute der Mattonihof, ein repräsentatives Gründerzeitgebäude an der Adresse Tuchlauben 12.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Vermischtes. Auszeichnung.. In: Badener Zeitung, 21. Jänner 1899, S. 7, links oben (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt
  2. Heinrich Mattoni AG. In: Kaiser-Festnummer Österreichs Illustrierte Zeitung. Verlag Jacques Philipp, Wien, 2. Dezember 1908, S. 150/XI, abgerufen am 23. Juli 2009.
  3. Historie Kyselky v datech. Obec Kyselka, 11. Mai 2009, abgerufen am 11. Mai 2009 (tschechisch, Geschichte von Gießhübl mit Abbildung des Mattoni-Denkmals).

Weblinks

 Commons: Heinrich von Mattoni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Company history. Karlovarské Minerální Vody, a.s., 11. Mai 2005, abgerufen am 11. Mai 2009 (englisch, Unternehmensgeschichte).