Heinrich von Schullern zu Schrattenhofen

Heinrich von Schullern (1935)

Heinrich Anton Johann Wolfgang Paul Ritter von Schullern zu Schrattenhofen (Pseudonym Paul Ebenberg; * 17. April 1865 in Innsbruck; † 16. Dezember 1955 in Innsbruck) war ein österreichischer Schriftsteller und Militärarzt.

Sein dichterisches Gesamtwerk umspannte 70 Jahre und reichte vom Naturalismus der mondänen Gesellschaftsromane, romantische Lyrik und Novellen bis zu seinem monumentalen Hauptwerk, der tirolischen Roman-Trilogie „Das Land im Gebirge“.

Inhaltsverzeichnis

Leben und militärische Karriere

Geboren als zweiter Sohn des Schulinspektors und Journalisten Anton von Schullern (1832–1889), entstammt Heinrich einer Tiroler Adelsfamilie aus dem Zillertal, die von Kaiser Karl VI. 1734 in den Ritterstand erhoben worden war. Seine Mutter Paula (1840–1903), geb. von Finetti, war aus alten Görzer Adel. Sein älterer Bruder war der Nationalökonom Hermann von Schullern (1861–1931).

Nach der Matura 1884 studierte Heinrich Medizin in Innsbruck, Graz und München. Seine Promotion zum Doktor für die gesamte Heilkunde erfolgte 1890 in Innsbruck. Die ersten praktischen Erfahrungen sammelte er als Assistenzarzt an der Innsbrucker Frauenklinik und als Sekundararzt in der internen, dann in der chirurgischen Abteilung des Salzburger Landeskrankenhauses. Nach seiner Eheschließung mit Anna von Thurn (1868–1937) entschloss sich Schullern, als Gemeindearzt in Maxglan (Salzburg) tätig zu werden. Nach der Geburt seiner Tochter Edith (1892–1982) trat er als Reservearzt dem österreichischen Heer bei und wurde 1895 Oberarzt der Landwehr in Salzburg. Seit 1904 arbeitete er als Regimentsarzt und Sanitätschef des Landwehrinfanterieregiments Nr. 24 in Wien, 1911 wurde er als Stabsarzt des Ergänzungsbezirkskommando des 2. Tiroler Kaiserjägerregiments nach Bozen versetzt und 1912 nach Innsbruck. Im Ersten Weltkrieg war er zuerst als Divisions-Sanitätschef an der Ostfront tätig und Ende 1914 übernahm er die Leitung des kriegsärztlichen Dienstes in Innsbruck. Im März 1915 wurde Schullern als Kommandant der Divisionssanitätsanstalt Nr. 26 eingesetzt. Es folgten Fronteinsätze in Galizien und in den Karpaten. Als Oberststabsarzt beteiligte er sich am Vormarsch aus Ungarn über den Duklapass bis vor Przemyśl. Von Ende 1915 bis 1918 arbeitete er nach einer Verwundung als Chefarzt und Lehrer an der Militärakademie in Wien. Im April 1918 wurde er zum Sanitätschef der 106. Truppendivision in Lublin befohlen.

Heinrich von Schullern verstarb am 16. Dezember 1955. Seine Totenmaske wurde vom Bildhauer Franz Staud geformt. Seine letzte Ruhe fand Heinrich von Schullern am Innsbruck städtischen Westfriedhof.

Schriftstellerische Tätigkeit und politisches Engagement

Seine schriftstellerischen Interessen folgend schloss sich Schullern 1898 der Salzburger Literatur- und Kunstgesellschaft „Pan“ an und arbeitete neben seiner Dienstzeit als Militärarzt an der von Hugo Greinz in Linz herausgegebenen Zeitschrift Der Kyffhäuser (1899–1901) und des Scherer (1902–1905) in Innsbruck, mit. 1899 war er Mitherausgeber der Anthologie Jung-Tirol.

Als Oberstabsarzt in Ruhe lebte Schullern ab 1919 wieder in seiner Heimatstadt Innsbruck und widmete sich seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Diese umfasste sowohl Prosa als auch Lyrik und Drama. Als sein Hauptwerk wird die Romantrilogie Das Land im Gebirge bezeichnet, die, auf intensiven Archivstudien basierend, ihn fast ein Vierteljahrhundert beschäftigte und erst Ende der 1940er Jahre als Gesamtes veröffentlicht wurde.

Im Dritten Reich durfte der leidenschaftliche Vorkämpfer für Österreichs Selbständigkeit öffentlich nicht erwähnt werden. 1919 war er Begründer und Obmann des Andreas-Hofer-Bundes, der sich gegen die Abtrennung Südtirols stellte, und Vizepräsident der Tiroler Künstlerkammer.

Rezeption

Schullern wurde von mehreren Bildhauern und Malern porträtiert, so von Walter Lenk, Franz Santifaller, Albin Lanner, Lois Alton, Wolfgang Ögg u. a. Seine Gedichte wurden mehrfach vertont, u. a. von den Komponisten Ferdinand Rebay, Karl Senn, Albert Riester, Karl Maria Löbl, Anton Hugo Spiller.

Ehrungen, Auszeichnungen und Preise

  • Ritter des kaiserlich österreichischen Franz-Joseph-Ordens (1915).
  • Bauernfeld-Preis 1917 für den Roman: Ein Griff ins Feuer, 1916, der unter dem Titel Don Juan als Retter im Wiener Tagblatt erschienen ist.
  • In Anerkennung für die Leistungen der Brüder Heinrich (Arzt und Schriftsteller) und Hermann (Universitätsprofessor) sowie die des Vaters Anton v. Schullern (Schriftsteller, Lehrer, Journalist) widmet die Stadt Innsbruck diesen 1930 die „Schullernstraße“ (Burgenlandstraße/Ostfriedhof).
  • Ernennung durch den Bundespräsidenten zum Generalstabsarzt d. R., 1935.
  • Ehrenbürger von Natters und Inaugurierung des Heinrich-von-Schullern-Weges, 1935.
  • Goldener Ring der Stadt Innsbruck, 1936.
  • Ehrenmitglied der Universität Czernowitz (Rumänien), Oktober 1943.
  • Ehrenmitglied der Universität Innsbruck, April 1949.
  • Ehrenzeichen der 70-jährigen Zugehörigkeit zum Österreichischen Alpenverein.
  • Aufnahme (ad personam) bei der Tiroler Matrikelstiftung (ex Tiroler Adelsmatrikel), 1952.

Bücher

  • Helldunkel. Bilder und Lieder. Wien: Lesk und Schwidernoch [1892], 107 S.
  • Vampyre. Novelle. Salzburg: Alpenheim 1899, 18 S.
  • Im Vormärz der Liebe. Roman aus der Gegenwart. Linz: Österreichische Verlagsanstalt 1900, 293 S.
  • Die Trichine. Schwank in 3 Aufzügen. Salzburg: Alpenheim 1900, 40 S.
  • Neues Skizzenbuch. Wien, Linz, Leipzig: Österreichische Verlagsanstalt 1900, 139 S.
  • Die Aerzte. Roman. Linz, Wien, Leipzig: Österreichische Verlagsanstalt [1902], 410 S.
  • Katholiken. Roman. Wien: Konegen [1904], 264 S.
  • Genußmenschen. Drei Einakter. München, Leipzig: Georg Müller 1906, 127 S.
  • Der Weibernarr. Szene in einem Akt. Wien: Erste Wiener Vereins-Buchdruckerei [1907 ?] (Sonderdruck aus Dem "Wiener Deutschen Tagblatt"), 16 S.
  • Die Flucht. Schauspiel in einem Akt. Wien: Erste Wiener Vereins-Buchdruckerei 1907, 22 S.
  • Streiflichter. Novellen und Geschichten. Prachatitz: Pohls Volksbücherei 1908, 144 S.
  • Jung-Österreich. Roman eines Burschenschafters. 2 Bände. München, Leipzig: Georg Müller 1910, 430, 433 S.
  • Gedichte. Wien, Leipzig: J. Eisenstein & Co 1912, 79 S.
  • Vom Blühen und Verderben. Tragödie eines Schülers. München, Leipzig: Georg Müller 1912, 207 S.
  • Berggenossen und andere Erzählungen. Leipzig: Reclam [1914] (Reclam-Bibliothek 5650), 94 S.
  • Vom Garten des Glaubens. Kleine Geschichten aus Tirol. Innsbruck, Wien, München: Tyrolia [1919], 92 S.
  • Possen des Schicksals [Novellen]. Wien: Wiener Literarische Anstalt 1920 (Novellenreihe der Wila 1), 122 S.
  • In der Bergheimat. Neue Gedichte. Innsbruck: Heinrich Pohlschröder vormals Hofbuchhandlung Schwick 1925, 82 S.
  • Unverkäuflich Gut. (Die Symphonie). Ein Schauspiel in vier Akten. Wien, Leipzig: Österreichischer Bundesverlag 1926, 59 S.
  • Zwischen Welt und Bergesstille. Ausgewählte Dichtungen. Einl.: Hans Bator. Wien, Leipzig: Österreichischer Bundesverlag 1926, 181 S.
  • Kleinod Tirol. Roman aus dem sinkenden Mittelalter. Innsbruck, Wien, München: Tyrolia 1927, 551 S.
  • Aus Südtirols Vergangenheit. Geschichtliche Erzählungen. Wien, Leipzig: Österreichischer Bundesverlag 1928 (Deutsche Hausbücherei 186), 94 S.
  • Boccaccio auf Schloß Tirol. Ein Maultaschroman. Berlin-Friedenau: Concordia Deutsche Verlagsanstalt Engel und Toeche 1932, 310 S.
  • Die Welt der Träume. Novellen. Graz, Wien, Leipzig, Berlin: Das Bergland-Buch 1932, 159 S.
  • Erinnerungen eines Feldarztes aus dem Weltkrieg. Hall: Union-Verlag Ferd. Zelenka, Militärwissenschaftlicher Verlag Wien 3 1934, 248 S.
  • Erzählungen und Gedichte. (Zu seinem 70. Geburtstag). Ausgewählt und eingeleitet von Rudolf Fiedler. [Mit einem Vorwort von Bundeskanzler Schuschnigg]. Innsbruck: Kisadruck [1935]
  • Der Ruf der Heimat. Schilderungen und Erzählungen von Österreichs Volk und Land 1, Hg. von der Schriftleitung "Jung-Österreich" durch Rudolf Fiedler und Bruno Hibler, 78 S.
  • Der Herzog mit der leeren Tasche. Tiroler Roman. Innsbruck: Inn-Verlag [1948] (Das Land im Gebirge), 556 S.
  • Am Felsenquell. Ausgewählte Gedichte. Hg. Irmgard Webhofer. Innsbruck: Wagner [1955], 48 S.

Stücke

  • Genußmenschen. Einakterzyklus. Uraufführung: Die Sirene: Salzburger Stadttheater. 31. März 1906
  • Unverkäuflich Gut. Schauspiel in 4 Akten. Uraufführung: Innsbrucker Stadttheater. 8. Mai 1925

Sekundärliteratur (Auswahl)

  • Triebnigg-Birkhert, Ella: Heinrich von Schullern. Zu seinem 60. Geburtstag am 17. April 1925. In: Roseggers Heimgarten. Monatsschrift für Unterhaltung und Belehrung. Jg./Nr. 4, 04.1925, S. 248f
  • Kurzbiographie. In: Österreich 1918-1934. Wien 1935, S. 327
  • Witsch, Susanne: Heinrich von Schullern. Eine Monographie. Diss. Innsbruck [1936 ?]
  • Hutschenreiter, Ernst: Standesbuch österreichischer Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Wien: Augartenverlag Stephan Szabo [1937] , S. 128
  • Deutsch-Österreichische Literaturgeschichte. Bd. 4. Von 1890 bis 1918. Hg. Eduard Castle. Wien: Fromme 1937, S. 1147, 1171 f., 1189 f., 1302 f., 1310, 1318, 1367, 1531, 1948, 2177, 2186, 2199, 2235 f., 2241
  • Kleines Österreichisches Literaturlexikon. Hg. H. Giebisch, L. Pichler, K. Vancsa. Wien: Hollinek 1948 (Österreichische Heimat 8), S. 416
  • Paulin, Karl: Heinrich von Schullern und seine Zeit. Ein Lebensbild des österreichischen Dichters. Mit 6 Abbildungen. Innsbruck: Wagner 1960

Weblinks