Heinz Gappmayr

Heinz Gappmayr (* 7. Oktober 1925 in Innsbruck; † 19. April 2010 ebenda) war ein österreichischer bildender Künstler. Er gilt als wichtiger Vertreter der Konkreten und Visuellen Poesie. [1][2]

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Ab den späten 1950er-Jahren entwickelte Heinz Gappmayr ein künstlerisches Konzept, in dessen Mittelpunkt die Sprache selbst als Kunstgegenstand steht. Bereits seine ersten Publikationen und Ausstellungen bezogen sich auf die Unterschiede zwischen Begriff, Wort und außersprachlichem Gegenstand: siehe zeichen 1962, 1964 erste Einzelausstellung, 1973 erste Raumtexte, 1979 erste Fototexte.[3] Gappmayr war auch ein wichtiger Anreger und Impulsgeber in der Zusammenarbeit mit Museen und Galerien und er stand als Gesprächspartner für jüngere Künstler in einem regen Austausch mit der zeitgenössischen Kunstszene weit über Innsbruck hinaus. Mit seiner Vortragstätigkeit hat er zur Vernetzung der Bereiche der Wissenschaft und der Kunstvermittlung beigetragen.

Werk und Rezeption

Das Werk von Heinz Gappmayr baut auf einer umfassenden sprachlich-bildnerischen Grundlagenarbeit auf und verknüpft Aspekte der Sprachforschung, der Bildtheorie und Philosophie. Der Ausgangspunkt war das Bestreben, den Verweischarakter der Sprache auf etwas außerhalb von sich selbst zu überwinden und Wörter und Zeichen auf einem Blatt Papier als eine konkrete gedankliche Realität zu behandeln. Die Materialität der sprachlichen Elemente wurde in der Folge auf die Medien Buch, Bildtafel, Wand und Raum und schließlich auf öffentliche Orte, Gebäude und Plätze erweitert. Entscheidend für das einzelne Werk ist dabei neben der Auswahl der Begriffe die Wahl und Anordnung der Wörter, Linien oder Zeichen. Durch ihre Verwendung als Kunstgegenstand entstehen so Denkbilder, in denen das Gedachte zugleich als bildliche und ideelle Realität anschaulich wird. Bilder verzichten hier auf jede Darstellung eines simulierten Inhalts aus der Lebenswelt, denn es handelt sich um Sinnbilder konkreter und allgemeingültiger Erfahrungen. Ein wichtiger Aspekt ist die aktivierende Rolle, die dabei dem Betrachter zukommt und der durch seine physische und geistige Präsenz den Sinngehalt eines Werkes erst hervorbringt. Das Gesamtwerk von Heinz Gappmayr umfasst neben den insgesamt mehr als 3.000 visuellen Textarbeiten eine Vielzahl von Publikationen, Grafikmappen, Fotoarbeiten, Arbeiten im öffentlichen Raum, von Aufsätzen und theoretischen Abhandlungen.

Publikationen, Auswahl

  • zeichen. Pinguin-Verlag, Innsbruck 1962
  • zeichen II. Pinguin-Verlag, Innsbruck 1964
  • zeichen III. visuelle Gedichte. Edition UND im Jürgen Willing-Verlag, München 1968
  • zeichen IV. visuelle Gedichte. Sema-Verlag, Karlsruhe 1970
  • zahlentexte. Edition UND, München 1975
  • raum. Edition UND, München 1977
  • reflex. Ottenhausen Verlag, Aachen 1978
  • textinstallationen. edition UND, München 1984
  • raumtexte. Herbstpresse, Wien 1990
  • Fläche und Raum. Museum-Galerie, Bozen 1991
  • alphabet. Edition NN Oslip, Wien 1993
  • modifikationen. Cantz Verlag, Ostfildern 1995
  • couleurs. Jean-Pierre Huguet editeur, Le Pré Battoire 1998
  • fotos. Folio Verlag, Wien-Bozen 2001
  • texte 1961-1968. Ritter Verlag, Klagenfurt 2002
  • texte strukturen, Galerie Lindner, Wien 2002
  • Opus. Heinz Gappmayr. Gesamtverzeichnis der visuellen und theoretischen Texte 1961 -1990. Van der Koelen Verlag, Mainz 1993. ISBN 3-926663-91-X
  • Opus. Heinz Gappmayr. Gesamtverzeichnis der visuellen und theoretischen Texte 1991 -1996. Chorus Verlag, Mainz 1997. ISBN 3-931876-15-2
  • Opus. Heinz Gappmayr. Gesamtverzeichnis der visuellen und theoretischen Texte 1997 - 2004. Hg. Chorus Verlag, Mainz 2005. ISBN 3-931876-56-X
  • Skizzen Entwürfe. Galerie Johann Widauer, Innsbruck 2005
  • auswahl. Mit einem Nachwort von Markus Klammer. Folio Verlag, Wien-Bozen 2009. ISBN 978-3-85256-488-3

Ausstellungen, Auswahl

  • 1963 Amsterdam, Stedelijk Museum, Schrift und Bild
  • 1964 München, Barerstraße 84, Zeichen II, erste Einzelausstellung
  • 1965 London, Institute of Contemporary Arts, Between Poetry and Painting
  • 1966 New York, The Something Else Gallery, The Arts in Fusion
  • 1969 Venedig, La Biennale, Mostra di poesia concreta
  • 1970 Wien, Galerie nächst St. Stephan
  • 1972 Bremerhaven, Kabinett für aktuelle Kunst
  • 1982 Frankfurter Kunstverein
  • 1985 Bern, Kunsthalle und Kunstmuseum
  • 1988 Kassel, Neue Galerie
  • 1989 Mainz, Galerie Dorothea van der Koelen
  • 1991 Bozen, Museum Galerie
  • 1991 München, Staatsgalerie moderner Kunst, Neue Pinakothek
  • 1993 Salzburg, Rupertinum
  • 1993 Wien, Galerie Lindner
  • 1996 Kunsthaus Zug
  • 1997 Kunstverein Jena
  • 1997 Kunsthalle Wien
  • 1997 Kunsthalle Budapest
  • 1997 Innsbruck, Galerie Johann Widauer
  • 2000 Innsbruck, Landesmuseum Ferdinandeum
  • 2004 Berlin, Mies van der Rohe-Haus
  • 2007 Rovereto, MaRT, La parola nell’arte
  • 2008 Kunsthalle Wien

Werke in öffentlichen Sammlungen, Auswahl

  • Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie, Kupferstichkabinett, Kunstbibliothek
  • Bozen, Museion, Museum für moderne Kunst
  • Bruxelles, Musée d’Art Moderne de Bruxelles
  • Chemnitz, Kunstsammlungen
  • Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Kupferstichkabinett
  • Göppingen, Kunsthalle
  • Ingolstadt, Museum für konkrete Kunst
  • Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
  • London, Victoria and Albert Museum
  • München, Neue Pinakothek
  • München, Lenbachhaus
  • New York, Museum of Modern Art, Library
  • Salzburg, Rupertinum
  • Stuttgart, Staatsgalerie
  • Wien, Albertina
  • Wien, Museum angewandter Kunst
  • Wien, Museum moderner Kunst
  • Würzburg, Museum im Kulturspeicher, Sammlung Peter C. Ruppert

Werke im öffentlichen Raum, Auswahl

  • Zug, Kunsthaus, ist wird, 1996
  • Bregenz, Rathausstraße, 0,0000000001, 1997
  • Graz, Universitätsbibliothek, zeit, 1997
  • Meran, Krankenhaus, blau hellblau weiß, 1999
  • Hünfeld, manche, 2001
  • Innsbruck, Rathaus, IST, SIND, 2002
  • Graz, Österreichischer Skulpturenpark, 2003
  • Wien, Hauptbücherei, Raumtexte, 2006
  • Krems, Donauuniversität, Licht-Installation, 2007
  • Innsbruck, Hypo-Bank, Zahlen, 2008
  • Innsbruck, Lodenareal, ZEIT, 2009

Literatur, Auswahl

  • Peter Weiermair (Hrsg.), von für über. Heinz Gappmayr. Innsbruck 1985. ISBN 3-922531-38-5
  • Dorothea van der Koelen, Das Werk Heinz Gappmayrs. Lit Verlag, Münster, 1994.
  • Ingrid Simon, Vom Aussehen der Gedanken. Heinz Gappmayr und die konzeptuelle Kunst. Ritter Verlag, Klagenfurt, 1995. ISBN 3-85415-137-3
  • Silvia Eiblmayr (Hrsg.), Text Farbe Raum. Folio Verlag Wien Bozen 2001. ISBN 3-85256-159-0
  • Siegfried J. Schmidt (Hrsg.), Zwischen Platon und Mondrian. Heinz Gappmayrs konzeptuelle Poetik. Ritter Verlag, Klagenfurt, 2005. ISBN 3-85415-381-3

Einzelnachweise

  1. Der Standard Anne Katrin Feßler: Heinz Gappmayr 1925–2010. Der Tiroler Künstler zählte zu den wichtigsten Vertretern visueller Poesie – Er starb im 85. Lebensjahr in Innsbruck. Der Standard/Printausgabe, 21. April 2010
  2. ORF Ö1 Patrizia Jilg: Heinz Gappmayr gestorben. Pionier der visuellen Poesie. Kulturjournal, 20. April 2010
  3. Eine vollständige Liste der Texte, Veröffentlichungen und Ausstellungen in: Opus. Heinz Gappmayr. Verlag Dorothea van der Koelen, Mainz und Chorus-Verlag, München.

Weblinks

 Commons: Heinz Gappmayr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien