Henneberg (Adelsgeschlecht)

Dieser Artikel erläutert das Grafengeschlecht, ihre Dienstleute bildeten die Familie Truchseß von Henneberg.
Stammwappen nach dem Scheibler'schen Wappenbuch

Die Grafen von Henneberg waren ein fränkisches Adelsgeschlecht. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts, zirka 200 Jahre nach der fränkischen Ostkolonialisierung, dehnten sie im Zuge des Zerfalls der fränkischen Grafschaftsverfassung und dem Verschwinden des fränkischen Reichsguts im Gebiet zwischen Thüringer Wald und Main ihr Herrschaftsgebiet aus und gründeten die gleichnamige Grafschaft Henneberg. Erstmals wurden die vermutlich dem Geschlecht der Popponen entstammenden Grafen im Jahre 1078 chronikalisch und 1096 urkundlich erwähnt. Das Haus erlosch im Mannesstamm 1583.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung des Hauses

Kloster Veßra: Rekonstruiertes Eingangswappen
Kloster Veßra Eingangswappen

Ursprung

Stammburg der Henneberger Grafen war die Henneburg auf dem Henneberg bei dem gleichnamigen Dorf im heutigen thüringischen Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Das Geschlecht derer „von Henneberg“ ist erstmals 1096 mit dem Würzburger Burggrafen Godebold II. fassbar, dessen Abstammung auf die Popponen zurückgeführt wird. Die Henneberger waren wohl schon ab 1057 Burggrafen in Würzburg; diese Position ging dann im Machtkampf mit den Würzburger Bischöfen bis 1354 verloren.

Teilungen in Erblinien

1190 teilte sich das Geschlecht in die Linien Henneberg, Botenlauben und Strauf. 1274 erfolgte eine erneute Teilung in die Linien Henneberg-Schleusingen, Henneberg-Aschach-Römhild und Henneberg-Hartenberg. Die mächtigste Linie war Henneberg-Schleusingen mit Sitz auf Schloss Bertholdsburg, die auch den längsten Bestand hatte. Im Jahre 1310 wurde Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen, der 1274 die Henneburg erhalten hatte, in den Fürstenstand erhoben. Zeitweise war er Bevollmächtigter Kurbrandenburgs und Kursachsens, Verwalter Böhmens und Vormund des Wittelsbacher Kaisersohns Ludwig von Bayern.

Nach dem Aussterben der Herzöge von Andechs-Meranien im Jahr 1248 fielen deren Besitzungen um Coburg an die Grafen von Henneberg-Strauf. Zwischen beiden Häusern bestanden auf Grund der Ehe von Poppo VI., dem Vater von Otto von Botenlauben, mit Sophie von Istrien verwandtschaftliche Beziehungen. Graf Hermann I. von Henneberg-Coburg (1224–1290) erhielt nach dem Aussterben der Ludowinger 1249 von seinem Stiefbruder, dem Markgrafen Heinrich III. von Meißen ein Gebiet um Schmalkalden und formte aus dem Straufschen und dem Botenlaubener Erbe, dem Coburger Umland und weiteren Zugewinnen die „Neue Herrschaft“. Diese ging mit dem Tod seines Sohnes Poppo VIII. 1291 als Erbe Hermanns Tochter Jutta durch deren Ehe mit dem askanischen Mitregenten Markgraf Otto den Langen von Brandenburg zu Salzwedel unter der Bezeichnung Pflege Coburg an das Kurfürstentum Brandenburg verloren. Durch die Vermählung von Juttas Enkelin Jutta von Brandenburg mit dem Sohn des Fürstgrafen Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen, Heinrich VIII., gelangte die Pflege Coburg 1312 als Mitgift wieder an die inzwischen gefürstete Grafschaft Henneberg, die damit ihre größte territoriale Ausdehnung erreichte.

Die bedeutendsten Städte der Grafschaft waren nun Schmalkalden, Coburg und Suhl. 1542 kam Meiningen zu Henneberg und wurde zu einem weiteren Zentrum der Grafschaft. Suhl bildete mit umfänglichem Bergbau und der Waffenfabrikation das wirtschaftliche Zentrum, in Meiningen war das Textil- und Metallhandwerk sowie der Handel stark vertreten, während die anderen Städte als Residenzen und Zentren von Kultur und Kunst dienten. Geistliches Zentrum der Grafschaft war das von den Hennebergern im Jahre 1131 gegründete Prämonstratenserkloster Veßra (jetzt Hennebergisches Museum Kloster Veßra), das fast allen Generationen als Grablege diente.

Gebietsverluste durch Vererbungen

Als Fürstgraf Heinrich VIII. 1347 starb, wurde der Besitz des Hauses Henneberg-Schleusingen zwischen seiner Witwe und Heinrichs jüngerem Bruder Johann aufgeteilt, wobei Jutta erneut die Neue Herrschaft zugesprochen bekam. Mit Juttas Tod 1353 wurde die Neue Herrschaft unter drei ihrer Töchter, Elisabeth, Katharina und Sophie, als Erbe aufgeteilt. Die vierte Tochter Anna führte als Äbtissin das Zisterzienserinnenkloster Sonnefeld zu einer unverhofften Blüte.

Ein bedeutender Teil der Grafschaft, der südöstliche Teil der Neuen Herrschaft um Coburg und Sonneberg, ging als Erbe der zweitältesten Tochter Katharina († 1397) bei ihrer Hochzeit mit dem Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen Friedrich dem Strengen (III.) 1347 an das Haus Wettin. Der aus dieser Ehe hervorgegangene Friedrich IV. war der erste Kurfürst aus dem Haus Wettin. Durch die Ehe des Bruders Friedrichs III., Balthasar, mit Margaretha, der Tochter der Sophie von Henneberg und des Burggrafen Albrecht des Schönen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern, gelangte Hildburghausen mit dem Heldburger Unterland und den Ländereien um Eisfeld 1374 ebenfalls an die Wettiner. Damit war die Pflege Coburg der südlichste Teil des Kurfürstentums Sachsen geworden.

Der Gemahl der ältesten Tochter Elisabeth, Graf Eberhard II. von Württemberg, verkaufte einen Großteil der unterfränkischen Güter für 90.000 Gulden an das Hochstift Würzburg. Nach und nach gingen auch die meisten restlichen Besitzungen an Würzburg verloren. Über die Herrschaft Schmalkalden schlossen Landgraf Heinrich II. von Hessen und Elisabeth von Leuchtenberg, die Witwe des Fürstgrafen Johann I. von Henneberg-Schleusingen, 1360 einen gegenseitigen Erbvertrag, nachdem beide gemeinsam das Territorium vom Burggrafen Albrecht von Nürnberg, dem Gemahl der Sophie von Henneberg, erworben hatten. Mit dem Aussterben der Henneberger endete die Doppelherrschaft, und die Herrschaft Schmalkalden fiel an das Haus Hessen.

Erlöschen

Trotz dieser Gebietsverluste waren die Henneberger zeitweilig die größte weltliche Macht im Fränkischen Reichskreis. Die Grafschaft Henneberg befand sich von jeher im Reibungsbereich mittel- und süddeutscher Mächte. Dies zwang Wilhelm IV. von Henneberg-Schleusingen zur Durchsetzung der Reformation im 16. Jahrhundert. Geldmangel führte zu einer Schuldverschreibung mit dem wettinischen Haus, da im sonst katholischen Franken kein Partner gefunden werden konnte. Am 1. September 1554 wurde im Rathaus zu Kahla zwischen den Ernestiner Herzögen Johann Friedrich II., Johann Wilhelm I. und Johann Friedrich III. dem Jüngeren einerseits und den Fürstgrafen Wilhelm, Georg Ernst und Poppo von Henneberg andererseits die ernestinisch-hennebergische Erbverbrüderung beschlossen. Dieser sogenannte „Kahlaer Vertrag“ mit den Wettinern sah die Übernahme Hennebergs durch Sachsen bei Ableben der Henneberger Linie vor. Dieser Fall trat 1583 mit dem Tod des letzten Fürstgrafen Georg Ernst ein. Den Ernestinern (Weimar/Gotha) standen sieben, den Albertinern (Dresden) fünf Zwölftel der Erbmasse zu. Durch Wettiner Teilungen kam es bald zu einer weiteren Zersplitterung des hennebergischen Erbes, erst 1660 haben sich die Linien des Wettiner Hauses auf eine Aufteilung der Grafschaft Henneberg einigen können.

Stammliste

Stammtafel derer von Henneberg

Von Poppo I. bis Heinrich I. (11. Jh. bis 1262)

  1. Poppo I. († 1078), Graf von Henneberg
    1. Gotebold II. († 1144)
      1. Poppo IV. († 1156) ∞ Irmgard aus dem Hause der Udonen
        1. Berthold I. († 1159)
          1. Poppo VI. († 1190), ∞ Sophie von Istrien
            1. Berthold II. († 1212)
              1. Berthold III. († um 1218)
            2. Poppo VII. von Strauf († 1245) ∞ Jutta von Thüringen
              1. Hermann I. von Henneberg-Coburg († 1290) ∞ Margarete von Holland, Schwester Wilhelms von Holland
                1. Poppo d. J. von Henneberg-Coburg († 1291), 1290–1291 Graf von Henneberg-Coburg
                2. Jutta von Henneberg-Coburg, ∞ Otto von Brandenburg
              2. Heinrich I. von Henneberg-Schleusingen († 1262) (weiter siehe unten)
              3. Berthold I. von Henneberg, Bischof von Würzburg 1267–1274, Weihbischof in Mainz 1307–1312
            3. Otto I. von Botenlauben (1177–1245), Minnesänger, Kreuzfahrer und Klostergründer ∞ Beatrix von Courtenay
              1. Otto II. von Botenlauben, Provisor des Zisterzienserinnenklosters Frauenroth
                1. Albert von Botenlauben
              2. Heinrich von Botenlauben
          2. Irmingard von Henneberg († 1197), ∞ mit dem ersten Pfalzgrafen bei Rhein Konrad dem Staufer
      2. Gebhard von Henneberg († 17. März 1159), 1150–1159 Bischof von Würzburg
      3. Günther von Henneberg († 16. August 1161), 1146–1161 Bischof von Speyer
      4. Otto II. von Henneberg, 1190–1200 Bischof von Speyer
  2. Gotebold I. († 1091)
    1. Poppo II. († 1118) → Nebenlinie (Frankensteiner, bis 1354?)

Von Heinrich I. an (1262 bis 1583)

  1. Heinrich I. von Henneberg-Schleusingen († 1262), verheiratet mit Sophia, einer Tochter seiner Stiefmutter Jutta von Thüringen
    1. Heinrich II. von Henneberg-Hartenberg († 1317), 1262–1317 Graf von Henneberg-Hartenberg, verkauft sein Drittel von Würzburg
      1. Poppo X. von Henneberg-Hartenberg († 1348), 1317–1348 Graf von Henneberg-Hartenberg
        1. Berthold († 1378), 1348–1378 Graf von Henneberg-Hartenberg, verkauft Hartenberg 1371 an Hermann III. von Henneberg-Aschach
    2. Hermann II. von Henneberg-Aschach († 1292), Graf von Henneberg-Aschach 1262–1292
      1. Hermann von Henneberg-Aschach, Graf 1292–1306 mit seinem Bruder Heinrich
      2. Heinrich III. von Henneberg-Aschach, († um 1355), Graf von Henneberg-Aschach 1292–1352
        1. Hermann III. († 1403), Graf von Henneberg-Aschach 1352–1403, verkauft Aschach 1390, kauft Hartenberg 1371
          1. Friedrich I. († 1422), Graf von Henneberg-Aschach 1403–1422
            1. Georg († 1465), Graf von Henneberg-Aschach 1422–1465
              1. Friedrich II. († 1488), Graf von Henneberg-Aschach 1465–1488
                1. Hermann IV. († 1535), Graf von Henneberg-Aschach 1488–1535
                  1. Berthold († 1549), verkauft Römhild 1548 an Mansfeld, dies 1555 an Sachsen
                  2. Albrecht († 1549), ∞ Katharina Gräfin von Stolberg, sie erbt Schwarza, das dann durch Testament an Stolberg fällt
              2. Otto († 1502)
              3. Philipp von Henneberg-Aschach, Bischof von Bamberg 1475–1487
              4. Berthold von Henneberg-Aschach, Erzbischof von Kurmainz 1484–1504
    3. Berthold III. von Henneberg-Schleusingen († 1284)
      1. Berthold IV./VII. († 1340), 1310 in den Fürstenstand erhoben
        1. Heinrich IV./VIII. († 1347) ∞ Jutta von Brandenburg, Enkelin der Jutta von Henneberg-Coburg
          1. Elisabeth von Henneberg-Schleusingen, Erbin von Irmelshausen ∞ Graf Eberhard von Württemberg
          2. Katharina von Henneberg, Erbin von Coburg ∞ Friedrich der Strenge von Meißen
          3. Sophie von Henneberg, Erbin von Hildburghausen und Schmalkalden († 1372) ∞ Albrecht der Schöne († 1361), Burggraf von Nürnberg
          4. Anna von Henneberg († um 1363), Äbtissin im Kloster Sonnefeld
        2. Johann I. († 1347) ∞ Elisabeth von Leuchtenberg
          1. Heinrich V. († 1405)
            1. Wilhelm I. († 1426)
              1. Wilhelm II. († 1444)
                1. Wilhelm III. († 1480)
                  1. Wilhelm IV. († 1559), ∞ Anastasia von Brandenburg, Tochter von Kurfürst Albrecht Achilles
                    1. Johann III., Fürstabt von Fulda 1521/1529–1541
                    2. Georg Ernst († 1583)[1]. , ∞ I. 1543 Elisabeth von Braunschweig, ∞ II. Elisabeth von Württemberg
                  2. Johann II. von Henneberg-Schleusingen, Fürstabt von Fulda 1472–1507
        3. Elisabeth († 1377 ) ∞ Johann II. Burggraf von Nürnberg

Mitglieder des Grafenhauses

Georg Ernst Fürst zu Henneberg
Graf Wilhelm der IV. von Henneberg Schleusingen
Apollonia von Henneberg († 1548)

Linie Henneberg–Schleusingen

Linie Henneberg–Aschach–Römhild

Edle von Henneberg

Seit 1738 gibt es auch eine briefadelige Familie von Henneberg, die den erbländisch-österreichischen Adelsstand mit "Edler von Henneberg" erhielt [3]

Siehe auch

Literatur

  • Johannes Mötsch: Regesten des Archivs der Grafen von Henneberg-Römhild. Teilbände 1 und 2. Böhlau, Köln etc. 2006, ISBN 978-3-412-35905-8
  • Heinrich Wagner: Zur Abstammung der Grafen von Henneberg von den Putelndorfern, Entwurf einer Genealogie der Grafen von Henneberg, in: Jahrbuch 1996 des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins, Veßra 1996
  • Henneberg. In: Zedlers Universal-Lexicon. Band 12, Leipzig 1735, Spalte 1381–1399.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Unterzeichnete die Konkordienformel von 1577 und das Konkordienbuch von 1580; vgl. BSLK, S. 16 und S. 764.
  2. Das Datum des Todestages weicht in den verschiedenen Quellen leicht ab und wird zwischen dem 7. und 9. Januar angegeben
  3. siehe Adelslexikon Bd. 5/1984