Herbert Andorfer

Herbert Andorfer (* 3. März 1911 in Linz; † 2007/2008 Österreich) war ein österreichischer SS-Obersturmführer, Lagerkommandant im Konzentrationslager Sajmište und Kommandant einer sogenannten Bandenbekämpfungseinheit in Norditalien.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Verbrechen im Zweiten Weltkrieg

Herbert Andorfer wurde, als uneheliches Kind, am 3. März 1911 in Linz geboren. Er wuchs bei seiner Mutter in Salzburg auf, wo er 1929 seine Matura machte und eine Berufsausbildung zum Hotelfachmann begann. Nach seiner Berufsausbildung arbeitete er zwei Sommer in Bad Ischl als Hotelsekretär und war, abgesehen von einem Pensum als Tür zu Tür Verkäufer, bis 1934 arbeitslos. In der Periode seiner Arbeitslosigkeit trat er im Oktober 1931 der damals illegalen NSDAP (Mitglieds-Nr. 610.869) sowie im September 1933 der ebenfalls illegalen SS (Mitglieds-Nr. 309.600) bei. 1934 wurde er (illegaler) Ortsgruppenleiter von Sölden. Zu dieser Zeit pflegte er seine SS Mitgliedschaft und schmuggelte Literatur der Partei aus Deutschland. Von 1934 bis 1938 arbeitete er in einem Hotel in Sölden als Hotelsekretär oder sogar Geschäftsführer. Im Mai 1938 ging er nach Innsbruck um hauptamtlich im SS-Stab, Abschnitt 36, zu arbeiten. Dann meldete er sich zum SD und wurde in der Abteilung III (Nachrichtendienst Inland) eingesetzt. Allerdings studierte Andorfer vier Semester Staatswissenschaften in Innsbruck, wofür er von seinem Dienst beim SD weitgehend freigestellt wurde. Im Frühjahr 1940 erfolgte seine Strafversetzung nach Salzburg, da er öffentlich behauptet hatte, dass der Tiroler Gauleiter Franz Hofer bei der Bevölkerung unbeliebt sei. In Salzburg war Andorfer dann im gehobenen Dienst als SD-Sachbearbeiter im Nachrichtendienst tätig.[1][2][3]

Nach dem deutschen Angriffskrieg gegen Jugoslawien gelangte er als Angehöriger des SS-Führungsstabes der Einsatzgruppe Agram nach Zagreb. Nach seinem Vorgehen gegen jugoslawische Partisanen in der Nähe von Marburg (Maribor) im Sommer 1941 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert. Am 29. Oktober wurde er zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) nach Belgrad versetzt. Bis Januar 1942 war er im Konzentrationslager Šabac eingesetzt. Von Januar 1942 bis 1943 war Andorfer Kommandant des KZ Sajmište, wo er 7.500 Juden in einem Gaswagen ermorden ließ. Andorfer hatte vorher den Inhaftierten die Fahrt in ein neues, besseres Lager vorgetäuscht.

Ab 1943 leitete Andorfer in Venetien (Norditalien) eine sogenannte Bandenbekämpfungseinheit, die sowohl tatsächlich gegen Partisanen als auch, Kriegsverbrechen begehend, gegen Zivilisten eingesetzt wurde. Das Kommando Andorfer leitete unter anderem die Operation Piave vom 20. bis 28. September 1943, in der 264 Partisanen am Monte Grappa getötet wurden. Andorfer befahl das Massaker von Bassano del Grappa, bei dem 31 Jugendliche an den Bäumen der Hauptstraße aufgehängt wurden.

Leben nach dem Krieg

Andorfer, der sich 1945 in einem Schweizer Lazarett befand, tauchte mit falschen Papieren, die auf den Namen "Hans Mayer" lauteten, 1946 in Venezuela unter und wurde in der Folge Staatsbürger Venezuelas. Als "Hans Mayer" kehrte er später nach Österreich zurück und arbeitete später als Hotelsekretär.

Am 30. Januar 1969 wurde Andorfer vor dem Landgericht Dortmund zu 30 Monaten Haft verurteilt. Verfahrensgegenstand war die Tötung von ungefähr 6000 jüdischen Häftlingen des KL Sajmište in Gaswagen.[4]

Andorfer lebte bis zu seinem Tod Ende 2007 oder Anfang 2008 in Österreich.

Literatur

  • Bundesarchiv Berlin R70 lt/20, S. 114ff.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-16048-8.
  • Walter Manoschek Serbien ist judenfrei, München : R. Oldenbourg Verlag 1993 ISBN 3-486-55974-5 [1]
  • Il massacro del Grappa. Vittime e carnefici del rastrellamento (21-27 settembre 1944), IstreVi-Cierre edizioni, 2007, Sonia Residori.
  • L'espresso, 31. Juli 2008, S. 40ff.

Einzelnachweise

  1. Christopher R. Browning - Fateful months: essays on the emergence of the final solution, 1985 Seite 75.
  2. Gabriele Anderl, Walter Manoschek - Gescheiterte Flucht: der jüdische "Kladovo-Transport" auf dem Weg nach Palästina. 1939-1942, 1993 Seite 243.
  3. Yad Vashem studies, Band 15, 1983 Seite 68
  4. Zusammenfassung des Urteils bei Justiz und NS-Verbrechen.