Herbert Seiter

Herbert Seiter (* 23. Mai 1921 in Wien; † 17. Februar 1996 ebenda) war ein österreichischer Pianist, Komponist und Kapellmeister.

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Leben

Herbert Seiter wurde als Sohn eines Bundesbahn-Pensionisten in Wien-Floridsdorf geboren. Als er sich als 5-jähriger zu Weihnachten ans Klavier setzte und auswendig „Stille Nacht“ spielte, erkannten seine Eltern seine musikalische Begabung. Nach Volks- und Hauptschule genoss er eine solide musikalische Ausbildung in Wien, u.a. bei Emil v. Sauer, Joseph Marx und in der Dirigentenklasse von Hans Swarowsky.

Als ausgebildeter Konzertpianist gastierte er in England und in Genf. Nach einer Kriegsverletzung wechselte Seiter noch während des 2. Weltkriegs notgedrungen zur Unterhaltungsmusik.

Als freischaffender Musiker und Programmgestalter engagierte ihn der ORF, Radio Wien (damals noch RAVAG genannt) im Jahre 1952, wo sich Seiter in Life-Sendungen als Pianist nicht nur einen Namen machte, sondern auch zum Publikums-Liebling avancierte. Zu nennen wären folgende Sendungen: „Was gibt es Neues?“ von und mit Heinz Conrads.[1] Seiter begleitete in dieser Sendung jeden Sonntagmorgen über 15 Jahre hinweg Heinz Conrads am Flügel vor voll besetztem Sendesaal im Wiener Funkhaus. Infrarotmessungen sprachen damals von einem Millionen-Publikum. Zweimal wöchentlich wurde aus dem immer voll besetzten Wiener AEZ-Saal ebenfalls während gut 10 Jahren die Sendung „Im Konzertcafe“ ausgestrahlt. Moderator war Wilhelm Hufnagl und es spielte das Kleine Wiener Rundfunkorchester, wo Seiter in wechselndem Turnus mit Heinz Sandauer als Pianist fungierte. Eine weitere life von Seiter betreute Sendung war „Verachtet mir die Meister nicht“ mit Walter Niesner, wo Seiters Combo zum Zug kam. Zusätzlicher Sendeplatz bei Radio Wien waren die „Klavierspielereien mit Herbert Seiter“. Radio Wien konnte die Fan-Post zu diesen Sendungen jeweils kaum bewältigen! Mit „Es spielt das Ensemble Herbert Seiter“ und „Komm und flieg mit uns“ schuf Radio Wien weitere Nischen für Seiter. Seiter war überdies ein sehr talentierter Chopin-Interpret und griff deshalb immer wieder etwa auf klassische Konzerte zurück. Aus diesem Grunde wurde er oft spasseshalber als Viel-Seiter bezeichnet. Auf Wunsch der Universität Wien wurde er mit der Komposition „Kastalienwalzer“ beauftragt, welche ihm 1968 auch den Titel eines Professors einbrachte. Seiter war übrigens der letzte musikalische Leiter des Kleinen Wiener Rundfunkorchesters, welches immerhin aus 25 Musikern bestand. Eine rege Beziehung pflegte er auch zum international bekannten Kärntner-Doppelsextett, welches immer wieder Kompositionen von ihm ins Programm nahm. In der Vereinigung der "Wiener Volkskunst", auch bekannt als "Der liebe Augustin" amtete er viele Jahre als Präsident. Auch nach seiner Pensionierung blieb Seiter aktiv. So betreute er regelmäßig die Nico-Dostal-Sommerkonzerte.

Komponist

Von den rund 700 Kompositionen, die er schuf (Wienerlieder, Schlager, Chansons, konzertante Orchesterwerke) war seine bekannteste Komposition das Lied „Alle Wasser der Erde fließen“ (Interpreten: Robert Benett, Walter Heider, Kärntner-Doppelsextett, und das Wiener Solistenorchester von Karl Grell). Es wurde auf zahlreichen Tonträgern verewigt, und auf seinem Grabstein in Wien-Hietzing sind Noten und Text dieser Komposition mit Gold-Lettern eingraviert.

Weitere Seiter-Titel sind: Du altes Riesenrad, Suite Frauen verschiedener Länder, Diese Welt ist schön, Der Marronibrater, Das ewige Meer, Vienna at Night, Im Stadtpark, Regula, Frieden für die ganze Welt, Ein Stern fällt hernieder, Verliebte Melodie, Piano in Love, Wenn mein Pferdchen nicht will, Eskapaden, Spät is wurd'n. Seiter schuf zusammen mit seinem Schweizer Kollegen Werner Schneebeli (Textautor) ein Dutzend Weihnachtslieder, die europaweit in Konzertsälen und in Schulen Einlass fanden. Zwei seiner flottesten Titel aus seiner Anfangszeit als Pianist „Crazy fingers“ und „Eccentric Boogie“ werden heute im Internet (MP 3) als Perlen der Jazz-Musik angeboten. Seiter schuf auch die Musik zum Film „Das grosse Wunschkonzert“, wo er zusammen mit den Wiener Philharmonikern zu sehen ist. Mehrere Weihnachtslieder von Seiter wurden durch die Chorvereinigung "Jung Wien" und den Wiener Männergesangsverein im grossen Saal des Wiener Musikvereins uraufgeführt. Immer wieder vertonte er gerne religiös-soziale Texte wie etwa: Bruder Baum / Der stumme Frühling / Hätten wir die Liebe nicht / Du darfst den Glauben nie verlieren / Wenn zwei Menschen eine Brücke baun / Wenn der Wind auch die Spur verweht / Wir teilen das Brot. Noch zwei Tage vor seinem Tod komponierte er die eindrückliche Ballade „Was am Karfreitag für uns ist geschehn“. Die meisten seiner Kompositionen sind bei Rubato/Weltmusik verlegt. Seine letzte Ruhestätte befindet sich am Hietzinger Friedhof in Wien Gr.69 / Reihe 2/ Nr.20

Auszeichnungen

  • 1978 Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst[1]

Einzelnachweise

  1. a b karlgrell.com Erinnerungen an Herbert Seiter Pianist, Komponist und Dirigent

Weblinks