Hermann Senkowsky

Senkowsky ca. 1945

Hermann Robert Josef Senkowsky (* 31. Juli 1897 in Scheibbs, Niederösterreich; † 5. April 1965 in Innsbruck) war ein österreichischer Zollbeamter und SS-Führer. Zudem bekleidete er den Posten des Finanzpräsidenten im Generalgouvernement, war also de facto Finanzminister des deutsch besetzten Polen im Zweiten Weltkrieg. Bekannt wurde er in Österreich auch durch seine 1928 herausgegebene Zollwachvorschrift für Österreich, die abgeändert bis heute noch gültig ist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Senkowsky besuchte die Volksschule in Scheibbs und in Pöggstall und machte die Matura 1915 am Gymnasium in St. Pölten. Danach war er Kriegsfreiwilliger in der Ersatzbatterie des k.u.k. Feldkanonen-Regiments 5, Brünn. Er kam zum aktiven Regiment ins Feld nach Wolhynien und avancierte im Dienst als Zugskommandant und Aufklärungsoffizier bei der 4. Batterie des Feldkanonen-Regiments 5. Am 12. November 1918 wurde er, inzwischen Batteriekommandant, in Wien aus dem Heeresdienst entlassen. Ab 1919 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Innsbruck und Wien. Er wurde Angehöriger der Corps Athesia (1919) und Cheruscia Wien (1929).[1] Er wurde Mitglied der Großdeutschen Volkspartei. Nach seiner 1922 abgelegten Promotion in Innsbruck trat er in die Finanzlandesdirektion Wien als Beamtenanwärter für den höheren Verwaltungsdienst und der Zollverwaltung ein. 1928 publizierte man seine Zollwachvorschrift, die mit Änderungen bis heute in Österreich gültig ist. Er avancierte ein Jahr später zur Lehrkraft für Zollrecht an der Hochschule für Welthandel in Wien und wurde im Januar 1930 Ministerialsekretär.

Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 1.089.376) war Senkowsky seit dem 20. Mai 1932. Am 9. November 1934 war Senkowsky in Österreich der SS (Mitgliedsnr. 310.369) beigetreten. Senkowsky wurde 1934 wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP aus dem Dienst entlassen und Mitte November 1934 wegen Teilnahme am Juliputsch festgenommen. Ende November 1934 wurde Senkowsky wegen Beweismangels aus der Haft entlassen und stand danach als Stabsleiter dem Amt für Wirtschaft in der Landesleitung vor. Ende Mai 1935 wurde Senkowsky wegen Betätigung für die NSDAP festgenommen und erst im März 1936 wieder aus der Haft entlassen. Senkowsky flüchtete Ende März 1936 ins Deutsche Reich, um einer erneuten Verhaftung wegen seiner illegalen Tätigkeit als Nationalsozialist zu entgehen. Er erwarb im Mai 1936 die reichsdeutsche Staatsangehörigkeit und war vom 24. August 1936 bis März 1937 vom Reichsfinanzminister zur Dienstleistung bei der Dienststelle SS-Gruppenführer Wilhelm Keppler (Reichsleitung der NSDAP) abgeordnet.[2]

Nach dem Anschluss wurde er im Juni 1938 Finanzpräsident (Zoll) beim Oberfinanzpräsidenten Oberdonau. Kurz danach wurde er Oberfinanzpräsident in Linz und bereits im Dezember 1938 in Wien.[2]

Nach verschiedenen Posten im Reichsfinanzministerium wurde er nach der Besetzung Polens ins Generalgouvernement versetzt, wo er als Finanzpräsident und später auch als Generaldirektor der Monopole amtierte. Damit hatte er die Oberaufsicht über das Finanzwesen in Polen. Vom 1. Januar 1942 bis Januar 1945 war Senkowsky als SS-Oberführer Präsident der Hauptabteilung Finanzen in der Regierung des Generalgouvernements. Seine Amtseinführung war am 15. Januar 1942.

Nach Kriegsende wurde er von den Alliierten verhaftet, aber nach zwei Jahren wieder entlassen, nachdem Polen keinen Auslieferungsantrag wegen Kriegsverbrechen gestellt hatte. Danach war er selbstständiger Im- und Exporteur und leitete bis zu seinem Tod (Herzanfall) in Innsbruck die Tiroler Zollfreizone.

Auszeichnungen

Senkowskys SS-Ränge[2]
Datum Rang
Januar 1940 SS-Sturmbannführer
November 1940 SS-Obersturmbannführer
April 1941 SS-Standartenführer
November 1944 SS-Oberführer


Werk

  • Die Dienstpragmatik: Gesetz vom 25.1. 1914, RGBl. Nr. 15, unter Berücksichtigung der bis 1.12. 1928 eingetretenen Veränderungen mit den Durchführungsvorschriften, Herausgeber Hermann Senkowsky, Verlag Manz, 1929
  • Die österreichische Zollwachvorschrift samt den einschlägigen Gesetzen, Verordnungen und Erlässen, Autor Hermann Senkowsky, Verlag Manz, 1928

Literatur

  • Höchste Nazi-Beamte im General-Gouvernement in Polen in den Kriegsjahren 1939-45, von Towiah Friedman, Verlag Institute of Documentation in Israel, 2002.[3]
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Fischer, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-16048-8. (Aktualisierte 2. Auflage)
  • Werner Präg / Wolfgang Jacobmeyer (Hrsg.): Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen 1939–1945. Veröffentlichungen des Instituts für Zeitgeschichte, Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte Band 20, Stuttgart 1975, ISBN 3-421-01700-X.

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1996, 6, 305; 27, 49
  2. a b c Werner Präg / Wolfgang Jacobmeyer (Hrsg.): Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen 1939–1945, Stuttgart 1975, S. 953
  3. Google Booksearch