Herrschaft Schwarzenberg (Klettgau)

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Herrschaft Schwarzenberg (Klettgau)
Wappen
House of Schwarzenberg arms.gif
Karte
Karte Klettgau 1806.PNG
Alternativnamen gefürstete Landgrafschaft Klettgau
Entstanden aus Landgrafschaft Klettgau
Herrschaftsform Monarchie
Herrscher/Regierung Fürst
Heutige Region/en DE-BW
Reichstag 1 Kuriatsstimme auf der schwäbischen Grafenbank
Reichsmatrikel 60 Gulden
Reichskreis Schwäbischer Reichskreis
Kreistag 1 Virilstimme auf der Fürstenbank
Hauptstädte/Residenzen Tiengen
Dynastien Schwarzenberg (Adelsgeschlecht)
Konfession/Religionen römisch-katholisch
Sprache/n deutsch
Fläche 4 Quadratmeilen oder ca. 220 km² (1804)[1]
Einwohner 8 682 (1804)
Aufgegangen in Mediatisierung 1806;

Grossherzogtum Baden

Siehe auch Landgrafschaft Klettgau

Unter der Herrschaft Schwarzenberg (auch als gefürstete Landgrafschaft Klettgau bezeichnet) versteht man die vom Haus Schwarzenberg 1687 von den Grafen von Sulz geerbte Landgrafschaft Klettgau, die 1694 von Kaiser Leopold zur gefürsteten Landgrafschaft erhoben wurde. Die Landesherrschaft der Fürsten zu Schwarzenberg endete 1806 mit der Mediatisierung; die Grundherrschaft derer von Schwarzenberg endete 1812 mit dem Verkauf der standes- und grundherrlichen Rechte an das Großherzogtum Baden. Sitz der Herrschaft war das Schloss Tiengen

Inhaltsverzeichnis

Reichsrechtliche Stellung

Die gefürstete Landgrafschaft hatte keinen direkten Sitz im Reichsfürstenrat, sondern einen auf der schwäbischen Grafenbank im Reichsfürstenkollegium, d.h. der jeweilige Fürst konnte nur indirekt über die Grafenbank Einfluss nehmen – er hatte eine Kuriatsstimme. Die vom Kaiser empfohlene Aufnahme in das Reichsfürstenkollegium mit eigenem Sitz und eigener Stimme (Virilstimme) erfolgte nicht. Im schwäbischen Reichskreis hingegen erhielt Schwarzenberg wegen Klettgau eine Virilstimme auf der Fürstenbank, wofür man jedoch eine Erhöhung des Kreisanschlags akzeptieren – also mehr Geld für die Aufgaben des Reichskreises bezahlen - musste. In den zeitgenössischen Publikationen wird die Stimme meist „Schwarzenberg wegen Klettgau“ benannt.

Das Haus Schwarzenberg hatte unabhängig vom Klettgau seit 1674 die 91. Stimme (Virilstimme) im Reichsfürstenrat und eine Kuriatsstimme im fränkischen Grafenkollegium wegen der Herrschaft Seinsheim.[2]

Wappen

Das Wappen der Freiherren von Seinsheim (später Schwarzenberg benannt) bestand Ursprünglich aus einem silberner Schild mit blauen Streifen. 1599 ergänzte Graf Adolf von Schwarzenberg sein Wappen um einen Türkenkopf dem ein Rabe die Augen aushackt.[3] 1688 erhielten die Fürsten von Schwarzenberg[4] nach der sulzischen Erbschaft das Recht deren Titel zu führen und das Wappen um die drei roten Spitzen aus dem Wappen der Grafen von Sulz zu ergänzen. Die brennende Fackel repräsentiert die Herrschaft Brandis; das Herzschild zeigt einen Turm auf einem schwarzen Berg und drei goldene Garben – das Wappen des eigentlichen Fürstentums Schwarzenberg.

Der Wahlspruch des Hauses Schwarzenberg lautete "Nil Nisi Rectum", was sinngemäß "Entweder richtig oder gar nicht" bedeutet.

Das Ende der schwarzenbergischen Herrschaft im Klettgau

Während die napoleonische Neuordnung des deutschen Südwestens bereits begonnen hatte und die Landgrafen von Klettgau ihre Hoheitsrechte über die zu Zürich und Schaffhausen gehörigen Orte des Klettgaus 1801/03 bereits verloren hatten, handelten die Schwarzenberg mit den Fürstenberger Nachbarn 1806 noch einen Vertrag über die Ablösung fürstenbergische Rechte im Raum Tiengen aus. Die Rheinbundakte hatte 1806 die Mediatisierung der Herrschaft Schwarzenberg zur Folge, die Landeshoheit über das gesamte Gebiet fiel an das Grossherzogtum Baden. 1812 verkaufte Fürst Joseph von Schwarzenberg auch die standes- und grundherrlichen Rechte an das Großherzogtum Baden.

Wirtschaft

Ackerbau, Viehzucht und Forstwirtschaft bildeten die wirtschaftliche Grundlage – Manufakturen gab es keine. In der Stadt Tiengen wurde in geringem Umfang Handel getrieben.

Die Fürsten

Die Landesherren führten den Titel „Fürst zu Schwarzenberg, gefürsteter Graf im Klettgau, Graf zu Sulz, des heiligen-römischen Reichs Erbhofrichter zu Rottweil“[5]

Name (Lebensdaten) Regierungszeit Anmerkungen
Schwarzenberg1696.jpg Ferdinand von Schwarzenberg
(* 23. Mai 1652; † 22. Oktober 1703)
1687-1703 heiratete 1674 Maria Anna Gräfin von Sulz und konnte so die Landgrafschaft von diesem im männlichen Stamm ausgestorbenen Geschlecht erben
Adam von Schwarzenberg Adam von Schwarzenberg


(* 25. September 1680; † 11. Juni 1732)

1703-1732
Joseph I. von Schwarzenberg Joseph I. von Schwarzenberg


(* 15. Dezember 1722; † 17. Februar 1782)

1732-1782 erließ 1766 "Erbordnung und Recht der gefürsteten Landgrafschaft Klettgau sammt zugewandten Herrschaften"
Johann I. von Schwarzenberg


(* 3. Juli 1742; † 5. November 1789)

1782-1789
Schwarzenberg, Joseph II Johann; 1789-1833.jpg Joseph II. von Schwarzenberg


(* 27. Junil 1769; † 19. Dezember 1833)

1789-1806

Das Gebiet der Herrschaft

Die Landgrafschaft Klettgau grenzte im Norden an das Fürstentum Fürstenberg (Landgrafschaft Stühlingen) und den Kanton Schaffhausen; im Osten an den Kanton Zürich; im Süden an das Hochstift Konstanz (Kaiserstuhl, Rötteln, Zurzach) und im Westen an die vorderösterreichische Grafschaft Hauenstein.[6]

Sie umfasste die nachfolgend aufgeführten grösseren Ortschaften. Insgesamt umfasste das Gebiet um 1800 neben der Stadt Tiengen 11 Pfarrdörfer und 30 weitere kleine Dörfer mit einer Bevölkerung von gesamthaft ca. 9 000 Einwohnern.

Gemeinde Jahr des Erwerbs Anmerkungen[7] Wappen
Tiengen 1687 von den Grafen von Sulz geerbt; siehe auch Schloss Tiengen, Residenz und Sitz des fürstlich schwarzenbergischen Oberamtes; um 1800 ca. 1300 Einwohner Wappen Tiengen.png
Jestetten mit dem heutigen Ortsteil Altenburg; um 1800 ein Pfarrdorf mit ca. 700 Einwohnern Wappen Jestetten.png
Wutöschingen mit dem Marktflecken Degernau, Horheim und dem Pfarrdorf Schwerzen (Schwörzen); (Ofteringen gehörte zum Fürstentum Fürstenberg) Wappen Wutoeschingen-alt.png
Oberlauchringen Unterlauchringen gehörte zur fürstenbergischen Landgrafschaft Stühlingen; die niedere Gerichtsbarkeit gehörte jedoch zur Landgrafschaft Klettgau Wappen Oberlauchringen.png
Lottstetten Pfarrdorf mit ca. 600 Einwohnern um 1800; die heutigen Ortsteile Balm und Nack gehörten ebenfalls zur Herrschaft Schwarzenberg Wappen Lottstetten.png
Erzingen Pfarrdorf mit ca. 850 Einwohnern um 1800 Wappen Klettgau-Erzingen.png
Griessen Pfarrdorf mit ca. 1050 Einwohnern um 1800; Wappen Griessen.png
Bechtersbohl bildet heute zusammen mit Dangstetten, Kadelburg mit Ettikon (auch Kadolzburg; die Herrschaft Schwarzenberg hatte hier nur die hohe Gerichtsbarkeit), Küßnach, Reckingen und Rheinheim (Pfarrdorf mit ca. 900 Einwohnern um 1800) die 1975 neu gegründete Gemeinde Küssaberg; siehe auch Küssaburg Wappen Bechtersbohl.png
Stetten mit Günzgen; Hohentengen selbst gehörte dem Hochstift Konstanz Wappen Hohentengen-Stetten.png

Literatur

  • Dieter Stievermann: Herrschaft Schwarzenberg. In: Meinrad Schwab, Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im alten Reich. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg herausgegeben. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-608-91371-8, S. 423-428
  • Phillip Ludwig Hermann Röder: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Schwaben, Band 1, Ulm 1800, Spalte 1139-1143
  • Fürst Joseph von Schwarzenberg. In: Neuer Nekrolog der Deutschen Band 11 (1833), 2. Teil, Weimar 1835, S. 820f.

Einzelnachweise/Anmerkungen

  1. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen Europäischen Staaten, Erster Theil, Braunschweig 1805; S. 136
  2. s. Carl Wilhelm von Lancizolle: Übersicht der deutschen Reichsstandschafts- und Territorial-Verhältnisse, Berlin 1830
  3. Adolf hatte 1598 als kaiserlicher General den Türken die Festung Raab (Györ) weggenommen und wurde dafür von Kaiser Rudolf in den Reichsgrafenstand erhoben und erhielt das Recht zur Ergänzung seines Wappens
  4. 1670 in den Fürstenstand erhoben
  5. s. Röder Spalte 1142
  6. s. Röder Spalte 1139 f.
  7. die Anmerkungen basieren auf beiden Bänden von Röders Lexikon von Schwaben und den Homepages der Gemeinden

Weblinks