Herwig Strobl

Herwig Strobl (* 24. Dezember 1940 in Reichenau) ist ein österreichischer Komponist, Schriftsteller und Straßenmusikant.

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Leben

Herwig Strobl wurde als Sohn eines NS-Ortsgruppenleiters in Reichenau (Mühlviertel) geboren. Eine Tante von ihm fiel dem NS-Euthanasieprogramm zum Opfer; sie wurde in Schloss Hartheim ermordet. Er absolvierte eine klassische Ausbildung an der Violine.

Wie sein gleichaltriger Musikerkollege Klaus der Geiger praktizierte er eine Zeitlang klassische Musik in Barock-Ensembles, um später zur Straßenmusik zu finden. Von 1960 bis 1980 arbeitete er als Lehrer und begann 1981 – zuerst in Wels, dann in Schärding, Oberösterreich – , sein Geld mit Straßenmusik zu verdienen. Im Sommer 1982 nahm er mit einem Cellisten und einem Flötisten am Straßenmusik-Festival in Bremen teil. Seitdem spielte er bei zahlreichen Auftritten in 14 Ländern. Sich selbst bezeichnete er als „König der Straßenmusikanten“.[1]

Herwig Strobl gründete die Ensembles 10 Saiten 1 Bogen und Angels Company. Er spielte traditionelle keltische und schwedische Volksmusik, beschäftigt sich aber seit vielen Jahren vor allem mit jüdischer Musik und Klezmer. Auf der Braccioline d'amore nahm er auf Anregung Bernard Offens im Januar 1996 Solo-Improvisationen zu Melodien von Mordechaj Gebirtig in der 1995 restaurierten Izaaka auf, der Isaak-Synagoge in Krakau[2], deren Akustik sich durch sieben Sekunden Nachhall auszeichnet.

Mit Michael Korth realisierte er 2007 ein Programm mit Liedern von Carl Michael Bellmann.

Er ist Mitglied der oberösterreichischen Grünen und wohnt in Linz.

Werke

  • Zeitzentrifuge. Zeitkritische Texte. Grafik: Gottfried Alexander Nowak. Eigenverlag, Linz 1977
  • Auf dem Weg. Musikantische Reminiszenzen in diesen Zeiten. Steinmaßl, Grünbach 2001 (Edition Sandkorn), ISBN 3-900943-81-8
  • Linz und zurück. Fünfzehn wanderbare Wege. Mit 152 Fotos v. Christian Herzenerger. Trauner, Linz 2003, ISBN 3-85487-536-3
  • Über Leben. Thema in Variationen. 43 1/2 Beiträge. Denkmayr, Linz 2003, ISBN 978-3-902709-22-6
  • Linz grotesk. 49 + 2 LinzerInnen erzählen ihre Geschichten. Denkmayr, Linz 2008, ISBN 978-3-902598-43-1

Bühnenmusik

Die Pyramiden von Hartheim. Szenisches Oratorium von Walter Kohl. UA: 4. Juni 1998 Atelierbühne Alkoven im Schloss Hartheim.

Tonträger

  • Solo:
    • Music in the Izaak Synagogue, Cracow: Bayit Chadash. CD, Extraplatte (1996)
  • mit Angels Company:
    • Land of my youth. CD (1989)
  • mit 10 Saiten 1 Bogen:
    • Im Schtetl. LP 1988
    • Schpil ess noch amol! Jiddische Lieder & Chassidische Tänze. CD (1992)
    • Samowar. Jiddische Lieder, Klesmermusik.. CD (1999)
    • Beitrag zu ohne euch nicht. Festival des politischen Liedes 1997 - Europacamp am Attersee gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. CD (1997)
  • mit Geduldig und Thimann:
    • A Shtetl is Amerike. CD (1986)
  • mit Ensemble Levante:

Einzelnachweise

  1. Vgl. Kai Engelke: Das Straßenmusikbuch. Mit vielen Tips, Berichten, Erfahrungen, juristischen Hinweisen, Forderungen, Interviews, Statements, Fotos, Zeichnungen, Gedichten & Liedern zu Straßenmusik und Straßentheater. Gauke, Hannover 1984, S. 28 f.
  2. Vgl. den Briefwechsel mit Offen in: Die Isaak-Synagoge & das Village-Projekt auf haGalil.

Weblinks