Heumilch

Heumilch ist eine Bezeichnung für eine über eine genau festgelegte Fütterung von Kühen erzeugte Milch. In Österreich liegt der Heumilchanteil an der Gesamtproduktion bei 15 Prozent, in Europa bei lediglich drei Prozent.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung

Heumilch stammt von Tieren (v.a. Kühen), die ausschließlich mit frischem Grünlandfutter, Heu und Getreide gefüttert werden. Man verzichtet bewusst auf die Fütterung von Silage und anderen gärenden Futtermitteln, da diese einige Milcheigenschaften negativ beeinflussen. Früher wurde diese Milch auch silofreie oder hartkäsetaugliche Milch genannt. Die Bezeichnung wurde von der ARGE Heumilch, einer Vereinigung von österreichischen Bauern, Milchverarbeitern und Vermarktern, im Jahre 2004 eingeführt. Es wurde genau definiert, unter welchen Bedingungen die Erzeugung durchzuführen ist und im sogenannten Heumilch-Regulativ zusammengefasst. Die Einhaltung dieses Heumilch-Regulativs wird von unabhängigen, staatlich akkreditierten Stellen kontrolliert.

ARGE Heumilch

Die ARGE Heumilch Österreich wurde 2004 ins Leben gerufen und vereinigt mehr als 8.000 Heumilch-Bauern sowie rund 60 Hersteller in den Hauptproduktionsgebieten der Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Steiermark. Eines der wichtigsten Ziele der ARGE ist die flächendeckende Erhaltung der Heumilchwirtschaft. Als Obmann der ARGE fungiert der Salzburger Heumilchbauer Karl Neuhofer. Im Mittelpunkt der operativen Tätigkeiten der ARGE stehen Marketingaktivitäten in Österreich und internationalen Märkten wie Deutschland. Diese umfassen Maßnahmen im TV-, Print- und Online-Bereich ebenso wie Außenwerbung.

Ende 2010 wurden die Marketingaktivitäten der ARGE Heumilch von der International Dairy Federation IDF in Auckland (Neuseeland) zur weltweit besten Milchwerbekampagne des Jahres 2010 gekürt. 2011 wurde die Kommunikation der ARGE Heumilch zum Staatspreis für Marketing nominiert und ausgezeichnet, außerdem gewann die Heumilch für ihre Informationsoffensive im Rahmen des Staatspreises für PR in der Kategorie „Produkt- & Service-PR“.

Heumilch-Regulativ

Die österreichischen Heumilchbauern arbeiten nach dem strengen Heumilch-Regulativ, das bereits im Jahr 2004 von den Mitgliedern der ARGE Heumilch Österreich beschlossen wurde und dessen Einhaltung von unabhängigen Stellen kontrolliert wird. Produkte mit dem Heumilch-Logo „Die reinste Milch“ erfüllen diese Bestimmungen.

Heumilch-Bauern aus Österreich verpflichten sich dabei, die Kriterien der ÖPUL-Maßnahme „Silageverzicht“ einzuhalten. Hinter dem Kürzel ÖPUL[1] steckt ein umfassendes Argrar-Umweltprogramm des österreichischen Lebensministeriums. Im Heumilch-Regulativ wird aufgelistet, welche Futtermittel in der Heumilch-Wirtschaft erlaubt und welche verboten sind: So darf weder Silofutter noch Feuchtheu oder Gärheu verfüttert werden. Auch die Verfütterung von Futtermitteln tierischen Ursprungs sowie von bedenklichen, industriellen Nebenprodukten ist verboten.

Weiters gibt es klar festgelegte Düngebegrenzungen. Weder Klärschlamm noch Kompost aus kommunalen Aufbereitungsanlagen darf auf die Felder und Wiesen gebracht werden. Zwischen der Ausbringung des Düngers und der Nutzung der Futterflächen müssen mindestens drei Wochen vergehen. Darüber hinaus wird u. a auch die Zahl des Viehbesatzes geregelt, der Erhalt von Grünlandflächen sowie die Bewirtschaftung von Biodiversitätsflächen vorgeschrieben, um die Artenvielfalt der Pflanzen auf den landwirtschaftlichen Flächen zu fördern.

Ein weiterer Eckpfeiler des Regulativs ist die Gentechnikfreiheit: Sämtliche Produkte der ARGE-Heumilch-Betriebe müssen kontrolliert gentechnikfrei hergestellt werden.

Besonderheiten der Heumilch

Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur haben Heumilchprodukte einen rund doppelt so hohen Wert an Omega-3-Fettsäuren und konjugierten Linolsäuren (CLA) wie normale, herkömmliche Milchprodukte. Omega-3-Fettsäuren zählen zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die unser Körper nicht selbst produzieren kann. Da sie lebensnotwendig sind, müssen sie mit der Nahrung zugeführt werden. Außerdem ist geringerer Gehalt an unerwünschten Clostridiensporen (siehe Buttersäuregärung) vorhanden. Dadurch entsteht eine bessere Verträglichkeit bei Kleinkindern und gute Eignung zur Käseherstellung. Einige Studien ermittelten, dass Geschmacksfehler bei dieser Milch seltener auftreten.

Produkte aus Heumilch

Neben Trinkmilch werden aus Heumilch verschiedene Käsesorten, Joghurt, Quark und Butter hergestellt. Das Käseangebot aus Heumilch[2] umfasst Hart-, Schnitt-, Weich- und Sauerkäse sowie Ziegen- und Schafmilchkäse. Vier österreichische Käse-Produkte, die aus Heumilch hergestellt werden müssen, tragen die EU-Herkunftsbezeichnung geschützter Ursprung - g.U.:

  • Tiroler Bergkäse g.U.
  • Vorarlberger Bergkäse g.U.
  • Tiroler Almkäse / Tiroler Alpkäse g.U.
  • Vorarlberger Alpkäse g.U.

Heumilch in der Käseproduktion

Aufgrund ihrer Zusammensetzung wird Heumilch bevorzugt zur Käseherstellung eingesetzt. Beim Käsen müssen aufgrund der Beschaffenheit der Heumilch keine Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel eingesetzt werden. Bestimmte Käsesorten wie österreichischer Emmentaler oder Berg- und Alpkäse dürfen laut Österreichischem Lebensmittelkodex ausschließlich aus Heumilch hergestellt werden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Österreichisches Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft. Siehe Agrar-Umweltprogramm ÖPUL. Lebensministerium (Hrsg.): landnet.at
  2. über Heumilchkäse