Hieronymus von Erlach

Johann Rudolf Studer, Bildnis Hieronymus von Erlach, um 1740

Hieronymus von Erlach, seit 1711 Reichsgraf von Erlach (* 31. März 1667 in Bern; † 28. Februar 1748 in Hindelbank), war ein Schweizer in österreichischen Diensten, in denen er zum Feldmarschallleutnant aufstieg, später aber Ratsmitglied und schliesslich Schultheiss seiner Heimatstadt Bern wurde.

Hieronymus von Erlach trat als junger Mann in die französische Schweizergarde ein. Als Hauptmann in einem Berner Regiment in französischen Diensten heiratete er 1694 die französische adelige Françoise Trouette de Montrassier nach katholischem Ritus und schwor gleichzeitig dem evangelischen Glauben ab. 1695 verliess er seine Frau und eine inzwischen geborene Tochter. Die Ehe wurde nicht annulliert. Er kehrte 1695 nach Bern zurück und heiratete die reiche Patrizierin Anne-Margarete Willading. Bei Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges trat er in österreichische Dienste und befehligte als Oberst ein Regiment der Stadt Bern. Nun erinnerte sich Ludwig XIV. an die französische Ehe des kaiserlichen Obristen. Hieronymus von Erlach wurde 1702 vom französischen Botschafter in Bern vor die Wahl gestellt, Frankreich als "Beobachter" und "Informant" zu dienen oder durch Bekanntgabe seiner ersten Ehe und einen Bigamieprozess gesellschaftlich ruiniert zu werden. Von 1702 bis 1714 diente er während des Spanischen Erbfolgekrieges in der kaiserlichen Armee am Oberrhein und informierte unter dem Decknamen eines "Baron d'Elcin" die französischen Befehlshaber über Pläne und Absichten seiner Vorgesetzten. Seine Berichte liefen über die französischen Residenten in der Schweiz und trugen wesentlich zu den Erfolgen der Franzosen bei. Dieses "Doppelleben" wurde erst 1934 allgemein bekannt. Er war eng befreundet mit dem Prinzen Eugen von Savoyen und war Kommandant bei den Belagerungen von Haguenau und Landau in der Pfalz. Zweimal war er auch Gesandter seiner Heimat in Wien und erwarb in hohem Mass die Gunst der Kaiser Leopold I. und Joseph I. 1712 leistete er der Schweiz einen äusserst wichtigen Dienst. Denn es gelang ihm, den Kaiser von einer Einmischung in den Zweiten Villmergerkrieg abzuhalten. 1713 diente er erneut in der kaiserlichen Armee, doch wurde er 1715 Ratsmitglied seiner Heimatstadt und kehrte in diese zurück. 1721 wurde er als Schultheiss Oberhaupt der Stadtrepublik Bern und ihres Herrschaftsgebiets.

1713 bis 1715 liess Hieronymus von Erlach das Schloss Thunstetten erbauen, 1720 das Schloss Hindelbank und begann 1745 das Stadtpalais Erlacherhof in Bern.

Einer seiner Söhne, Reichsgraf Albrecht Friedrich von Erlach, stand als Offizier in österreichischen Diensten.

Literatur

Weblinks

 Commons: Hieronymus von Erlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Samuel Frisching (II.) Schultheiss von Bern
1721-1746
Christoph Steiger (II.)