Hirtenberg

Dieser Artikel beschreibt die Marktgemeinde Hirtenberg in Österreich. Zu dem Berg bei Lonau im Harz siehe Hirtenberg (Harz)
Hirtenberg
Wappen von Hirtenberg
Hirtenberg (Österreich)
Hirtenberg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Baden
Kfz-Kennzeichen: BN
Fläche: 1,49 km²
Koordinaten: 47° 56′ N, 16° 11′ O47.931816.1755280Koordinaten: 47° 55′ 54″ N, 16° 10′ 32″ O
Höhe: 280 m ü. A.
Einwohner: 2.671 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 1.792,62 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2552
Vorwahl: 02256
Gemeindekennziffer: 3 06 15
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahngasse 1
2552 Hirtenberg
Website: www.hirtenberg.at
Politik
Bürgermeisterin: Gisela Strobl (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(21 Mitglieder)
9 SPÖ, 6 Liste Schabl, 4 FPÖ, 2 ÖVP
Lage der Marktgemeinde Hirtenberg im Bezirk Baden
Alland Altenmarkt an der Triesting Bad Vöslau Baden Berndorf Blumau-Neurißhof Ebreichsdorf Enzesfeld-Lindabrunn Furth an der Triesting Günselsdorf Heiligenkreuz Hernstein Hirtenberg Klausen-Leopoldsdorf Kottingbrunn Leobersdorf Mitterndorf an der Fischa Oberwaltersdorf Pfaffstätten Pottendorf Pottenstein Reisenberg Schönau an der Triesting Seibersdorf Sooß Tattendorf Teesdorf Traiskirchen Trumau Weissenbach an der Triesting NiederösterreichLage der Gemeinde Hirtenberg im Bezirk Baden (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Hirtenberg ist eine Marktgemeinde mit 2671 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Baden, Niederösterreich. Südlich des Orts fließt die Triesting.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Ort liegt am Talausgang des Triestingtals. Die aus dem Wienerwald kommende Triesting fließt hier ins Wiener Becken. Nachbargemeinden sind Leobersdorf, Enzesfeld-Lindabrunn und Berndorf (St. Veit).

Einwohnerentwicklung

Volkszählung Einwohner
2011 2605
2001 2270
1991 2088
1981 2147
1971 2164

Quelle: Bevölkerungsentwicklung der Statistik Austria

Geschichte

Der Name geht auf die Feste Huotto aus dem 13. Jahrhundert zurück, die sich früher auf einer Anhöhe namens Steinkamperl über dem Dorf erhob. Aber Siedlungsfunde gibt es bereits aus der Jungsteinzeit.

Seit im Jahre 1477 der Ungarnkönig Matthias Corvinus in Österreich eingefallen war und im ganzen Land Orte, Felder und Festungen verwüstet hatte, verzeichnete die Siedlung einen gewissen Niedergang. Während der Ersten Wiener Türkenbelagerung werden im Raum Leobersdorf-Enzesfeld-Hirtenberg am 19. September 1532 die letzten Truppen des osmanischen Befehlshaber Kasim Beys aufgerieben.

Hirtenberg wurde erst 1870 als eigene Gemeinde durch kaiserliche Entschließung aus Leobersdorf ausgemeindet. Sie hatte nur eine Fläche von 1,11 km².

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich der einst von Landwirtschaft und Weinbau geprägte Ort zum Gewerbestandort, insbesondere für die Rüstungsindustrie mit der bekannten Hirtenberger Patronenfabrik (siehe auch: Wöllersdorfer Werke sowie Fritz Mandl) entwickelt. Bei der Markterhebung und Wappenverleihung im Jahre 1929 wählte man als Motive für das Wappen eine Fabrik mit drei rauchenden Schornsteinen und einem Wasserturm. Am 8. Jänner 1933 enthüllte die Arbeiter-Zeitung die Hirtenberger Waffenaffäre. Mussolini lieferte Waffen an die österreichischen Heimwehren und nach Ungarn. Die Patronenfabrik diente als Zwischenlager.

Die Auftragslage des Munitionswerks in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg „war gut“: 3.800 Beschäftigte erzeugten pro Tag eine Million Patronen. Diese Leistung wurde von keiner ähnlichen Fabrik in Mitteleuropa erreicht.[1]

Um während des 2. Weltkriegs für die Patronenfabrik (damals Teil der Wilhelm-Gustloff-Stiftung) Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen, wurde im östlichen Teil des Ortes an der Grenze zu Leobersdorf ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen eingerichtet (Art des Lagers: Außenkommando, Frauenlager; Bestand: 28. September 1944 bis 15. April 1945; Arbeitseinsätze: Herstellung von Infanteriemunition; höchste Belegungsstärke: 459).[2]

Hirtenberg (oben rechts) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Ehemalige Textilfabrik Josef Keim und Sohn, von jenseits der Triesting-Brücke aus gesehen. — Kameraposition

Der Ort besitzt ein reiches Vereinsleben und das erst im Jahre 1999 renovierte Kulturhaus, das Platz für Veranstaltungen mit bis zu 600 Personen bietet.

Probleme verursacht zurzeit der relativ hohe Ausländeranteil (ca. 13-25 %, je nach Quelle); es wird seitens der Gemeinde jedoch versucht, dem mit einem Integrationsleitbild entgegenzuwirken.

Wappen

Blasonierung: "Im blauen Schild erhebt sich auf grünem Rasen ein silberfarbenes, vierschiffiges Fabrikgebäude, überragt von einem Wasserturm und drei rauchenden Schlöten. Roter Feuerschein leuchtet aus der Tür- und Fensteröffnungen."

Verkehr

Am Ort vorbei fährt die Südwestbahn von Leobersdorf kommend (und seit 2004 zwischen Weißenbach-Neuhaus und Hainfeld von einer Buslinie ersetzt) durch das Triestingtal und das Gölsental nach Sankt Pölten.

Die Haltestelle Hirtenberg, auf Enzesfelder Gemeindegebiet zwischen einem bewaldeten Abhang und dem Ufer der Triesting beengt gelegen, diente, lagebestimmt, stets nur dem Personenverkehr. Lokale Güter kamen (und kommen) über den Bahnhof Enzesfeld auf die Schiene. Für die in Hirtenberg sich befindenden Industriebetriebe wurden Schleppgleise Richtung bzw. zum Bahnhof Enzesfeld-Lindabrunn verlegt (1916: Fa. Fridolin Keller; 1917: Patronenfabrik; o.J.: zur Textilfabrik Josef Keim und Söhne[3] sowie Fa. KROMAG[4]), die jedoch sämtlich wieder entfernt wurden.

Parallel zur Bahn verläuft die Hainfelder Straße B18. Eine Buslinie fährt sowohl Richtung Berndorf als auch über Enzesfeld nach Leobersdorf.

Öffentliche Einrichtungen

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche
Soldatendenkmal, rechts vor der Kirche
  • Pfarrkirche Hirtenberg
  • Soldatendenkmal neben der Kirche:
    Ein acht Tonnen schwerer Gesteinsblock aus Merkenstein, der von einem flügelschwingenden Adler aus Bronze bekrönt wird, mit einer Marmortafel mit den Namen der Gefallenen und Vermissten aus dem Ersten (28 Opfer) und Zweiten Weltkrieg (118 Opfer). Die Enthüllung fand am 30. Oktober 1932 statt.[5]

Söhne und Töchter

Literatur

  • Andreas Huber: Das "öde Schloß" von Hirtenberg. Verl. d. Gymnasialvereines, Berndorf 1934.
  • Walter Rieck: Kulturgeographie des Triestingtales. Univ., Diss., Wien 1957.
  • Fritz Hanauska: Heimatbuch der Marktgemeinde Hirtenberg. Marktgemeinde Hirtenberg, Hirtenberg 1980.
  • Thomas Schweinschwaller: Hafterleben im Normalstrafvollzug. Analyse der drogenfreien Abteilung der Strafvollzugsanstalt Hirtenberg. Univ., Dipl.-Arb., Wien 1997.
  • Klaus-Dieter Mulley (Hrsg.): Geschoße - Skandale - Stacheldraht. Arbeiterschaft und Rüstungsindustrie in Wöllersdorf, Enzesfeld und Hirtenberg. Eigenverl. d. Gewerkschaft d. Eisenbahner, Ortsgruppe Ebenfurth Pottendorfer Linie, Ebenfurth 1999, ISBN 3-9500563-1-6 (formal falsche ISBN).
  • Michaela Holeczy: Neue Möglichkeiten der Verhaltensbeeinflussung am Beispiel der drogenfreien Zone der Justizanstalt Hirtenberg. Univ., Dipl.-Arb., Salzburg 2001.

Weblinks

 Commons: Hirtenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Fritz Hanauska: Heimatbuch der Marktgemeinde Hirtenberg. S. 214.
  2. KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Bundesministerium für Inneres: Die Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. [1]
  3. Correspondenzen. Hirtenberg. (Schleppbahn.) Badener Zeitung, 17. April 1897, S. 4, rechts oben[2]
  4. Fritz Hanauska: Heimatbuch der Marktgemeinde Hirtenberg. S. 244.
  5. Marktgemeinde Hirtenberg: Die Geschichte von Hirtenberg bis zum Jahr 1945; abgerufen am 4. Mai 2010