Hohenberg (österreichisches Adelsgeschlecht)

Wappen der Herzöge und Fürsten von Hohenberg

Hohenberg ist der Name eines bis 1919 titularherzoglichen bzw. -fürstlichen Geschlechts, das aus einer morganatischen Ehe in väterlicher Linie vom kaiserlichen und königlichen Haus Österreich-Ungarn der Dynastie Habsburg-Lothringen abstammt, namentlich vom 1914 beim Attentat von Sarajevo ermordeten Thronfolgerpaar (siehe dazu auch die Stammliste des Hauses Habsburg-Lothringen).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Gattin Sophie. Ihre Kinder erhielten den fürstlichen Titel von Hohenberg.

Das herzoglich-fürstliche Geschlecht Hohenberg stellt zwar genealogisch eine agnatische Nachkommenlinie des Hauses Habsburg-Lothringen dar, stammt jedoch aus der morganatischen Ehe des kaiserlich und königlich österreich-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este mit Gräfin Sophie Chotek von Chotkow aus dem böhmischen alten Adelsgeschlecht der Chotek von Chotkow und Wognin, und gilt daher als ein eigenständiges Adelsgeschlecht, das auch gemäß dem Hofprotokoll nie zu den offiziellen Mitgliedern des kaiserlich-königlichen Hauses Habsburg-Lothringen zählte, daher in Österreich auch nicht thronfolgeberechtigt war und den regierenden und ehemals regierenden europäischen Dynastien als unebenbürtig galt. Die strengen erbrechtlichen Vorschriften galten anfangs nur für Österreich. In Böhmen und Ungarn hingegen hätte Herzogin Sophie von Hohenberg Königin und ihre Kinder Thronerben werden können. Im Hinblick auf die Einheit der Monarchie Österreich-Ungarn erfolgte aber ein vertraglicher Verzicht auf diese Ansprüche. Die drei Kinder des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este waren aber 1914, nach der Ermordung ihrer Eltern in Sarajevo Erben von dessen Privatbesitz, u.a. des Schlosses Konopischt (Konopiste) südlich von Prag in Böhmen und Schloss Greifenberg in Radmer in der Steiermark.[1]

Mit dem Namen Hohenberg wurde ein Name gewählt, der eine genealogische Verbindung zum Hause Habsburg-Lothringen nahelegt bzw. offenkundig macht, da er zurückgeht auf die Ahnfrau aller späteren Habsburger, auf Gertrud von Hohenberg († 1281), die aus dem Geschlecht der später erloschenenen Grafen von Hohenberg stammte und die Gemahlin des römisch-deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg war.

Wappen

Von Silber und Rot dreimal geteilt; zwei Helme mit rot-silbernen Decken, auf dem rechten ein naturfarbener Pfauenstoß (Helmzier von Österreich), auf dem linken zwei von Silber und Rot geteilte Büffelhörner mit verwechselten Beschlägen und Schnüren (Helmzier der erloschenen schwäbischen Grafen von Hohenberg). Herzogskrone und -mantel.[2] (Der Wappenschild bezieht sich wie die beiden Helmzieren gleichermaßen auf Österreich wie auf das erloschene Grafengeschlecht Hohenberg: einerseits ist es eine Minderung des österreichischen Balkenschildes: unter silbernem Schildhaupt, gleichzeitig aber auch eine Minderung des Hohenberger Stammwappens: eine Doppelung von dessen Teilung von Silber und Rot.)

Herzogin Sophie von Hohenberg hatte als Gemahlin des künftigen Kaisers ein persönliches Wappen, dem als Grundlage das Wappen diente, das der Kaiser 1745 ihrem väterlichen Geschlecht Chotek verlieh, als er es in den Reichsgrafenstand erhob: Hauptschild geviert; in Feld 1 und 4 in Gold ein schwarzer Doppeladler, jeder Kopf bekrönt (kaiserliches Gnadenzeichen anlässlich der Erhebung zu Reichsgrafen), in Feld 2 und 3 in Blau einwärts gekehrt ein goldener Bär (erloschenes Geschlecht der Charwat von Bärnstein). Das bei den Reichsgrafen Chotek als Herzschild dienende Stammwappen ist zugunsten des kaiserlich-königlichen Hauswappens der Habsburg-Lothringer, das nun in der Mitte der oberen Schildhälfte steht, in die Mitte der unteren Schildhälfte verschoben. Hauswappen Habsburg-Lothringen: zweimal gespalten; vorn in Gold ein blaugekrönter roter Löwe (Habsburg), mitten in Rot ein silberner Balken (Österreich), hinten in Gold ein roter Schrägbalken, der Richtung des Balkens nach belegt mit drei silbernen gestümmelten Adlern (Lothringen). Stammwappen Chotek: Geteilt; oben von Silber und Rot gespalten, unten in Rot ein unterhalbes Wagenrad, das an die Teilungslinie anstößt. Herzogskrone und -mantel.[3]

Standeserhebungen

  • Des kaiserlichen und königlichen Prinzen und Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich-Este (geboren 1863, ermordet 1914) morganatische Gemahlin, Gräfin Sophie Chotek von Chotkowa (geboren 1868, ermordet 1914), wurde mit ihrer Heirat am 1. Juli 1900 im böhmischen Reichstadt unter dem Namen Hohenberg mit dem Prädikat Fürstliche Gnaden in den österreichischen Fürstenstand (unbeschränkt) erhoben (Diplom vom 8. August 1900).
  • Österreichische Verleihung des Prädikats Durchlaucht (unbeschränkt) Wien 8. Juni 1905.
  • Österreichische Verleihung des Titels einer Herzogin von Hohenberg mit dem Prädikat Hoheit (persönlich für Ihre Durchlaucht, Fürstin Sophie von Hohenberg, geb. Gräfin Chotek von Chotkowa) Wien 4. Oktober 1909, Ministerialbestätigung Wien 17. Dezember 1909.
  • Österreichische Herzogswürde nach dem Rechte der männlichen Erstgeburt, vererblich als Herzog von Hohenberg mit dem Prädikat Hoheit Reichenau 31. August 1917 (Diplom vom 5. Oktober 1917).
  • Die Nachgeborenen führten bis 1919 den Namen Fürst bzw. Fürstin von Hohenberg mit dem Prädikat Durchlaucht.
  • Mit dem Adelsaufhebungsgesetz 1919 wurde der österreichische Adel aufgehoben und gingen alle Adelsbezeichnungen unter, wodurch seither die Nachgeborenen den Familiennamen Hohenberg tragen.

Weitere Namensträger

Einzelnachweise

  1. Friedrich Weissensteiner, Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher, Öst. Bundesverlag, Copyr. 1983, S. 114–138
  2. Ahnenwappentafel der Herzöge und Fürsten von Hohenberg
  3. Persönliches Wappen der ersten Herzogin von Hohenberg

Literatur

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Bd. V, Bd. 84 d. Gesamtreihe, Limburg a. d. Lahn 1984
  • ebenda, Fürstliche Häuser Bd. XV, Bd. 114 d. Gesamtreihe, Limburg a. d. Lahn 1997, S. 600–608

Weblinks