Hohentwiel (Schiff)

Hohentwiel
Hohentwiel04.JPG
p1
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
OsterreichÖsterreich Österreich
Schiffstyp Raddampfer
Bauwerft Escher Wyss & Cie., Zürich
Stapellauf 11. Januar 1913
Indienststellung 1. Mai 1913
Außerdienststellung 1962
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
56,84 m (Lüa)
Breite 13 m
Tiefgang max. 1,43 m
Verdrängung 365 t
Maschine
Maschine 2-Zyl.-Verbundmaschine
Maschinen-
leistung
950 PS (699 kW)
Geschwindigkeit max. 16,7 kn (31 km/h)
Propeller 2 Seitenräder
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 850
Württembergisches Wappen an der Hohentwiel
Schaufelraddampfer Hohentwiel

Das österreichische Dampfschiff Hohentwiel ist ein Schaufelraddampfer und die ehemalige Staatsyacht des letzten Königs von Württemberg Wilhelm II. auf dem Bodensee. Dort ist es heute das einzige noch betriebene Dampfschiff und zugleich das älteste, immer noch verkehrende Passagierschiff auf dem Bodensee. Es verkehrt im Charterbetrieb auf dem Obersee und dem Überlinger See. Die Hohentwiel liegt im österreichischen Hard bei Bregenz. Benannt ist sie nach dem in der Nähe des Bodensees gelegenen Hausbergs der Stadt Singen im Hegau, dem Hohentwiel.

Die Hohentwiel lief 1913 in Friedrichshafen vom Stapel. 1962 wurde sie ausgemustert und zu einem Clubheim mit Restaurant umgebaut. Anfang der 1980er Jahre wurde sie vor der Verschrottung gerettet und 1988 war die Restaurierung beendet. Das Schiff hat aufgrund der recht erfolgreichen Renovierungsarbeiten eine Klassifikation des Germanischen Lloyds.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erste Inbetriebnahme

Ab 1911 konzipierte der Oberbaurat der K.W.St.E Eugen Kittel die Hohentwiel als Halbsalondampfer; sie wurde 1913 als letztes eigenes Dampfschiff der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn in Dienst gestellt.

Die Schweizer Werft Escher Wyss & Cie. baute die Hohentwiel wie einen Großteil der Bodenseedampfschiffe in Zürich.

Die Teile wurden dort gefertigt und dann per Bahn nach Friedrichshafen transportiert und auf der Werft zusammengebaut. Das neue Dampfschiff wurde bald nach seiner Indienststellung im Obersee-Längsverkehr zwischen Konstanz und Bregenz eingesetzt.

Der 1914 beginnende Erste Weltkrieg hatte kaum Einfluss auf die Deutsche Bodenseeschifffahrt. Der Kursverkehr wurde zwar ausgedünnt, aber bis Oktober 1919 aufrechterhalten. Ab April 1920 konnte der gesamte Oberseekurs wieder befahren werden. Im gleichen Jahr wurden die Schiffe der einstigen württembergischen, badischen und bayrischen Länderbahnen von der Deutschen Reichsbahn übernommen.

1920–1955

In den 1920er Jahren nahm der Personenverkehr rasch wieder zu und es kam zu einem Wandel weg von der Verkehrsflotte hin zur Vergnügungsflotte. Nicht mehr die Berufspendler, Schüler oder der Güterverkehr beherrschten die Schifffahrt, sondern der Ausflugsverkehr von Feriengästen und Wochenendbesuchern. Dazu wurden Fahrgastschiffe mit immer größeren Fahrgastkapazitäten benötigt. Im Winter 1932/1933 wurde die Hohentwiel in der Bodan-Werft Kressbronn am Bodensee umgebaut. Auf dem bisher für den Güterverkehr offenen Vorschiff wurde ein Salon aufgebaut. Auf dem Oberdeck entstand ein weiterer kleiner Salon und das Steuerhaus kam ein Deck höher, wo eine breite Kommandobrücke hinzukam. Diesem Umbau fiel die Original-Einrichtung aus dem Jahr 1913, die vom Stuttgarter Künstler Bernhard Pankok entworfen worden war, zum Opfer. Gleichzeitig wurden, wie bei anderen Dampfschiffen (z. B. Lindau, Stadt Meersburg), seitliche Stabilitätswulste zur Verbesserung des Auftriebs angebracht. Diese Umbauten hatten unter anderem (Verdrängung, Tiefgang) vor allem zur Folge, dass jetzt 850 Fahrgäste zugelassen wurden, d. h. 150 mehr.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Hohentwiel weiterhin uneingeschränkt im Kursverkehr eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie weiterhin auf den wenigen noch aufrechterhaltenen Schiffskursen ab Friedrichshafen eingesetzt. Die Bombennacht, bei der Friedrichshafen in Schutt und Asche versank, und mehrere Schiffe zerstört wurden, verschonte die Hohentwiel, weil sie rechtzeitig vor dem Auslaufen zur Kursfahrt nach Friedrichshafen in Konstanz zurückgehalten werden konnte.

Am Ende des Krieges gab es nur noch ein Dampfschiff in Friedrichshafen, die Hohentwiel. Später wurde ein weiteres Dampfschiff, die Lindau, nach Friedrichshafen verlegt. Zu Beginn der 1950er Jahre nahm die Hohentwiel an den legendären Wettfahrten um das Blaue Band des Bodensees teil. Dabei erreichte das Schiff in den Jahren 1950 und 1954 hinter den favorisierten Schiffen Austria und Stadt Überlingen jeweils den zweiten Platz.

Am Beispiel der Hohentwiel soll die in den 50er-Jahren übliche neunköpfige Schiffsbesatzung eines Bodensee-Dampfschiffs dargestellt werden. Deckspersonal: 1 Kapitän, 1 (Ober-) Steuermann, 3 Matrosen und Hilfsmatrosen, 1 Schiffskassierer. Maschinenpersonal: 1 (Ober-) Maschinist, 2 Schiffsheizer. Hinzu kam das Küchenpersonal, meistens 1 Koch, 1 Küchenhilfe, 2 Bedienungen. (Vgl. Schiffsbesatzung großer Motorschiffe MS Schwaben (1937) und kleinerer Motorschiffe MS Überlingen (1927) ex Höri).

Clubheim, erfolgreiche Renovierung

Dann begann das Dampfersterben im Bodensee, das auch vor der Hohentwiel nicht Halt machte.

Schaufelraddampfer Hohentwiel 2007
Ansaugstutzen am Sonnendeck
Speiseraum in der Hohentwiel

1960 noch als Ersatz für das ausgemusterte Schiff Stadt Meersburg nach Konstanz verlegt, wurde die Hohentwiel am 1. November 1962 ausgemustert, nachdem die neue München in Dienst gestellt worden war. Der Bregenzer Segelclub, der auf der Suche nach einem Clubheim war, kaufte die Hohentwiel und rettete sie so vor der drohenden Verschrottung. Als letztes Dampfschiff lag das Schiff 20 Jahre (1964–1984) als schwimmendes Clubheim im Segelhafen.

Im Jahr 1984 erwarb die Vereinigung Internationales Bodenseeschifffahrtsmuseum e.V. den in einem äußerst desolaten Zustand befindlichen Dampfer. Der Verein erreichte durch Spenden und den Einsatz zahlreicher Vereinsmitglieder und freiwilliger Helfer, die Hohentwiel wieder in den Zustand von 1913 zu versetzen, wobei modernste Technik und historisches Material vereint wurden.

Heutiger Betrieb

Seit dem 17. Mai 1990 ist das Dampfschiff Hohentwiel, vom neuen Heimathafen Hard (Österreich) aus, wieder im Einsatz auf dem Bodensee.

Eigner des Dampfschiffes Hohentwiel ist der Verein „Internationales Bodensee-Schifffahrtsmuseum e.V.“ mit Sitz in Bregenz/Österreich. Der Betrieb des Schiffes liegt in den Händen der „Hohentwiel Schiffahrtsgesellschaft mbH“ mit Sitz in Hard, kurz HSG.

Bei zahlreichen Rund- und Ausflugsfahrten ab verschiedenen Häfen kann man heute die Fahrt mit dem letzten Schaufelraddampfer des Bodensees erleben.

Trivia

Die Hohentwiel war Drehort des 22. James Bond mit Titel „Ein Quantum Trost“ (Originaltitel: „Quantum of Solace“). Laut Drehbuch war ursprünglich geplant, dass der Bond-Widersacher und Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric) mit dem Bodensee-Schaufelraddampfer an der Tosca–Bühne in Bregenz landet.[1]

Im Jahr 2010 drehte der Regisseur David Cronenberg einige Szenen für den Kinofilm Eine dunkle Begierde (Originaltitel: "A Dangerous Method"), ein Drama um die beiden Väter der Psychoanalyse Sigmund Freud und C.G. Jung, auf dem Schiff.

Fotos

Siehe auch

Literatur

  • Reinhard E. Kloser, Karl F. Fritz: Das Dampfschiff Hohentwiel... wieder in Fahrt auf dem Bodensee. Verlag Stadler, Konstanz 1992, ISBN 3-7977-0244-2 - Über die Renovierung von 198 - 200
  • Reinhard E. Kloser, Gisela Auchter: Hohentwiel - Das königlich württembergische Dampfschiff. Verlag Stadler, Konstanz 1996, ISBN 3-79770-345-7
  • Hans G. Brunner-Schwer, Karl F. Fritz: Bodenseemagazin - Spezial - Die Geschichte der großen Bodensee-Schiffe. Bodensee Magazin Verlag GmbH, Labhard Verlag, Konstanz 2000, ISBN 3-935169-00-0
  • Klaus v. Rudloff u. Claude Jeanmaire: Schiffahrt auf dem Bodensee, Bd.2: Die Blütezeit der Dampfschiffahrt, Verlag Eisenbahn Villigen AG, 1981, ISBN 3-85649-071-X.
  • Karl F. Fritz: Abenteuer Dampfschiffahrt auf dem Bodensee, MultiMediaVerlag, Meersburg 1990, ISBN 3-927484-00-8.
  • Walter Widmann: Was weißt du vom Bodensee?, Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1953, Verlagsnummer 2677

Weblinks

 Commons: Hohentwiel (Schiff) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. „DS Hohentwiel“ ist Location für James Bond. In: Bodensee-Woche vom 2. Mai 2008