Ignaz Kirchner

Ignaz Kirchner eigentlich Hanns-Peter Kirchner-Wierichs (* 13. Juli 1946 in Wuppertal) ist ein deutscher Schauspieler.

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Bühnenkarriere

Zunächst absolvierte Kirchner eine Lehre als Buchhändler, ging anschließend an die Schauspielschule in Bochum, wo er dann seine Schauspielausbildung absolvierte. Seine erste Rolle erhielt er 1970 noch als Schauspielstudent. Er spielte in Alfred Kirchners Vitrac-Inszenierung Der Coup von Trafalgar. In den Jahren 1973 und 1974 wirkte er an der Freien Volksbühne Berlin in zwei Inszenierungen von Wilfried Minks mit. 1974 holte ihn Claus Peymann nach Stuttgart. Bis 1978 gehörte er zum Ensemble, dann wechselte er nach Bremen, wo er 1980 als Hamlet unter Regie von Jürgen Gosch und der Intendanz von Frank-Patrick Steckel seinen dortigen größten Erfolg feierte.

Zwischen 1982 bis 1986 war er Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele, wo er unter anderem mit Dieter Dorn, Ernst Wendt und Thomas Langhoff arbeitete. Hier lernte er auch George Tabori kennen, mit dem er später am Wiener Burgtheater eng zusammenarbeitete. In der Saison 1983/84 spielte er am Kölner Schauspielhaus, unter anderem Fürst in Marivaux Der Streit unter Regie von Benjamin Korn, als Lopachin in Tschechows Der Kirschgarten unter Regie von Jürgen Flimm und als Estragon in Becketts Warten auf Godot unter Regie von Gosch.

1987 wurde er unter der Intendanz von Claus Peymann zum ersten Mal Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Seine erste Rolle war Schlomo Herzl in R. George Taboris Uraufführung Mein Kampf. Weitere wichtige Rollen waren unter anderem 1988 die Titelrolle in Sophokles/Müllers Ödipus, Tyrann unter Regie von Matthias Langhoff, im gleichen Jahr als Antonio in Shakespeares Der Kaufmann von Venedig und 1990 als Doktor Lvov in Tschechows Ivanov mit Regisseur Peter Zadek. Ebenfalls 1990 spielte er den Jago in Shakespeares Othello wieder unter Tabori und 1992 Macduff in Shakespeares Macbeth mit Regisseur Claus Peymann. 1991 wurde er als Goldberg in Taboris Goldberg Variationen zusammen mit Gert Voss von der Zeitschrift Theater heute zum Schauspielerpaar des Jahres gewählt. Seine Soloprogramme wie Wilhelm Reichs Rede an den kleinen Mann und Robert Walser in Fortsetzungen wurden auch große Erfolge, seit 2010 liest er am Burgtheater von Fernando Pessoa aus dem „Buch der Unruhe“.

In der Saison 1992/93 wechselte er an das Deutsche Theater Berlin, wo er unter anderem 1992 unter Regie von Thomas Langhoff in Ostrowskis Der Wald und 1993 als Sosias in Kleists Amphitryon wieder unter Gosch mitwirkte. Anschließend kam er zum Hamburger Thalia Theater, wo er 1995 den Arzt in Schnitzlers Das weite Land unter Regie von Jürgen Flimm spielte und 1996 Zettel in Shakespeares Ein Mittsommernachtstraum mit dem Regisseur Jens-Daniel Herzog und die Titelrolle in Molières Tartuffe erneut unter Flimm spielte.

Seit 1997 ist Kirchner wieder Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Seine wichtigsten Rollen der letzten Jahre waren unter anderem 1998 Clov in Becketts Fin de Partie (Regie George Tabori, eingeladen zum Berliner Theatertreffen), 1999 Schigolch in Lulu von Wedekind (Regie Andreas Kriegenburg), 2000 Solange in Genets Die Zofen (Regisseure Ignaz Kirchner, Gert und Ursula Voss), ebenfalls 2000 Dr. Dorn in Tschechows Die Möwe mit Regisseur Luc Bondy. 2001 folgten der Sandperger in Schönherrs Glaube und Heimat (Regie Martin Kušej) und die Rolle eines Aufsehers und eines Polizisten in Koltès Roberto Zucco (Regie Klaus Michael Grüber). 2002 spielte er Uta-Napishti in der Uraufführung von Raoul Schrotts Gilgamesh (Regie Theu Boermans, 2002) und den Richard in der österreichischen Erstaufführung von Thomas Bernhards Elisabeth II. (Regie Thomas Langhoff). Er hatte auch wieder Soloprogramme wie Der Spaziergang von Robert Walser, die Thomas Bernhard-Lesung Der Stimmenimitator und Minetti. Vor allem seine Auftritte mit Gert Voss sind legendär. Seit 2005 spielt er in der Burgtheater-Produktion Der Anatom von Klaus Pohl im Anatomischen Saal der Bildenden Künste die Solorolle des Stückes. In Der Kirschgarten unter Regie von Andrea Breth als Diener Firs und als Hermann, der Fahrer in Lukas Bärfuss Der Bus – Das Zeug einer Heiligen war er anschließend zu sehen. Bei den Salzburger Festspielen brillierte er 2007 in der Rolle des "Samiel" in der "Freischütz"- Inszenierung von Falk Richter.

Kirchner trat am Wiener Burgtheater in zahlreichen Stücken als Komikerduo mit Gert Voss auf, etwa in der schwarzen Komödie von George Tabori "Goldberg-Variationen" (1991) oder in Neil Simons "Die Sunshine Boys" (2003), aber auch in Samuel BeckettsEndspiel“ und in Jean Genets „Die Zofen“. Begonnen hatte ihr gemeinsames Auftreten in klassischen Stücken wie ShakespearesDer Kaufmann von Venedig“ (Shylock/Antonio) und „Othello“ (Othello/Jago). „Wie Shylock und Antonio, wie Othello und Jago sind auch Mr. Jay und Goldberg ein sadomasochistisches Männerpaar – eine Kombination wie Herr und Knecht, Vater und Sohn, Laurel und Hardy.“ (Theater Heute, August 1991).

Momentan (2011) ist Kirchner am Burgtheater u.a.als Pozzo in "Warten auf Godot" ( Mathias Hartmann) zu sehen sowie als Fürst Bolkonskyi in "Krieg und Frieden", eine Dramatisierung des Tolstoi-Romans durch Mathias Hartmann. Für diese Rolle wurde er auch als Beste Hauptrolle für den Nestroy-Preis 2010 nominiert.

Filmographie

Auszeichnungen

Literatur

  • C.B. Sucher: Theaterzauberer. Schauspieler. 40 Portraits. München/Zürich 1988, ISBN 3-492-03125-0.
  • P. v. Becker: „Willst Du mich einen Virtuosen schimpfen“ Gert Voss und Ignaz Kirchner – ein freundschaftliches Streitgespräch über Kunst und Wahnsinn des Theaters. In: Theater heute. Jahrbuch 1992, S. 38-51.
  • K. Dermutz: Tragigkomiker: Ignaz Kirchner/Martin Schwab. Deuticke, Wien 2007.