Ignaz Rojacher

Ignaz Rojacher

Ignaz Rojacher (* 23. April 1844 im Gaißbachtal bei Rauris; † 4. Jänner 1891) war Bergwerksbesitzer und Erbauer des Sonnblickobservatoriums auf dem Hohen Sonnblick im Raurisertal in den Hohen Tauern.

Leben

Ignaz Rojacher stammte aus einer Bergmannsfamilie und wurde als Sohn des Bergzimmermannes Jörgl sowie der Mutter Anna Rojacher im Gaißbachtal geboren. Von 1856 an war er bereits mit 12 Jahren als Truhenläufer im Goldbergwerk tätig, wo er sogenannte Grubenhunte mit Erz beladen schieben musste. Er erlernte das Zimmerhandwerk und wurde Werkzimmermann im Goldbergbau. Als Zimmermann war er für die Erhaltung der Stollen, Schächte und des Schrägaufzuges zuständig.

1870 wurde er zum Waschhutmann im Goldbergwerk in Kolm Saigurn befördert, wo er als Aufseher der Erzaufbereitung tätig war. Im Jahre 1872 wurde er für vier Wochen auf die Bergakademie in Příbram (Böhmen) geschickt, um seine Bergbaukenntnisse zu vertiefen. 1876 wurde er Pächter der Bergbauanlagen in Kolm-Saigurn. Mit 25 bis 30 Mann wurden 1876/77 aus 472 Tonnen Erz 15,378 Kilogramm Gold sowie 38,175 kg Silber gewonnen.

Im Jahr 1880 kaufte Rojacher schließlich um 4.500 Gulden (ca. 330.000 Euro) den Goldbergbaubetrieb in Kolm-Saigurn. Er führte durch technische Verbesserungen den Goldbergbau noch einmal kurz zu einer bescheidenen Blüte. So errichtete er im Jahr 1880 die Rollbahn vom Radhaus zum Knappenhaus. Außerdem installierte er eine Telefonverbindung von Kolm-Saigurn zum Knappenhaus. Rojacher besuchte auch die Weltausstellung in Paris (Frankreich) und brachte von dort einen der ersten Stromgeneratoren Europas mit nach Salzburg. Zur Beleuchtung des von ihm errichteten neuen Gasthauses in Kolm-Saigurn produzierte er mit Wasserkraft Strom für 15-Watt-Glühbirnen.

1885 folgte gemeinsam mit seinem Freund und Gönner Wilhelm Ritter von Arlt eine Studienreise nach Falun (Schweden), wo er eine neue Extraktionsmethode kennenlernte. Im Zuge dieser Reise stießen Arlt und Rojacher außerdem das erste Mal auf Skier, die sie mit zurück nach Rauris brachten, wo Arlt als einer der Ersten Österreichische Skigeschichte schrieb.

1879 trafen sich in Rom (Italien) Meteorologen aus aller Welt, um die Frage nach der Beschaffenheit der Erdatmosphäre in höheren Luftschichten zu klären. Da Rojacher auch ein hervorragender Wetterbeobachter war und da der Wiener Meteorologe Julius Hann, Direktor der Centralanstalt für Meteorologie (heute ZAMG), von diesem fasziniert war, entstand die Idee, auf dem Gipfel des Hohen Sonnblicks eine Wetterstation zu errichten. So errichtete Rojacher 1886 das Sonnblickobservatorium, eines der bedeutendsten Wetter-, Klima- und Umweltobservatorien in den Alpen. Es wurde auch von Beginn an eine Telefonverbindung vom Hohen Sonnblick zur Centralanstalt installiert. Für die Erbauung dieser hochalpinen Wetterstation wird er durch den Kaiser Franz Joseph I. mit dem Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet.

Im Jahr 1888 folgte der Erwerb der Postmeisterstelle Rauris, und so ermöglichte er eine tägliche Verbindung von Taxenbach nach Kolm-Saigurn. 1889 verkaufte Ignaz Rojacher den Bergbaubetrieb an eine belgische Spekulationsfirma, die den Abbau auch sofort einstellen musste.

In den Jahren 1886/87 existierte bereits eine Sektion Rauris des Alpenvereins unter der Leitung Rojachers. Ignaz Rojacher verstarb 1891 im Alter von nur 46 Jahren. Wilhelm Ritter von Arlt ließ im Jahre 1897 zu Ehren des Pioniers für den Deutschen und Österreichischen Alpenverein Sektion Rauris die Rojacher Hütte errichten.

Literatur

  • Ignaz Rojacher. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 9, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, ISBN 3-7001-1483-4, S. 217.
  •  Gerhard Feitzinger, Naturfreunde Ortsgruppe Rauris (Hrsg.): Tauerngold-Erlebnisweg. 2002.
  •  Karl Gg. Kreiter, Railroad Computing (Hrsg.): Was uns die Namen dieser Schutzhütten im Alpenraum sagen. 1998.
  •  ÖAV Sektion Rauris, Sektion Rauris ÖAV (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Alpenverein Sektion Rauris. 1997.
  •  Harald Maier, Rauris.net (Hrsg.): Ignaz Rojacher. 2006 ([1], abgerufen am 9. August 2011).
  •  Österreichischer Alpenverein - Sektion Rauris, ÖAV (Hrsg.): das Leben von Ignaz Rojacher, vulgo "Kolm Naz". ([2], abgerufen am 9. August 2011).