Innsbrucker Riesenrundgemälde

Die Rotunde, Standort des Riesenrundgemäldes bis 2010

Das Riesenrundgemälde ist eine Panoramadarstellung in Innsbruck und kann im Tirol Panorama besichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Den Auftrag zur Anfertigung des Riesenrundgemäldes erhielt Michael Zeno Diemer (1867–1939). Unterstützt wurde seine Arbeit durch Franz von Defregger (1835–1921), Franz Burger (1857–1940), W. Flaucher, Anton Niedermaier und A. Pätzold.

Das Riesenrundgemälde ist eines von weltweit 28 noch existierenden Panoramen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Es gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten von Innsbruck. Es gehörte bis zu seiner Translozierung im Jahre 2010 mit drei anderen Panoramen (Mesdag, Waterloo und Altötting) weltweit zu den letzten nahezu unverändert in ihrer Originalrotunde erhaltenen Panoramen.

Auf mehr als 1000 Quadratmetern werden im Riesenrundgemälde die Ereignisse der dritten Schlacht am Bergisel vom 13. August 1809 dargestellt: 15.000 bayerische, sächsische und französische Soldaten unter der Führung des französischen Marschalls Lefèbvre standen einem ebenso großen Tiroler Schützenaufgebot unter Andreas Hofer gegenüber.

Geschichte

Die schöpferische Idee zum Riesenpanorama hatte der Tiroler Schriftsteller Josef Calasanz Platter (1858–1905).[1] 1896 wurde das Rundgemälde eröffnet, von der Öffentlichkeit enthusiastisch gefeiert. Es befand sich in einem extra dafür errichteten Gebäude zwischen Claudia- und Ing.-Etzel-Straße im Stadtteil Saggen.[2]

1906 wurde das Riesenrundgemälde nach London gebracht und dort in der Imperial-Royal Austrian Exhibition[3] präsentiert. Während dieser Zeit brannte das Gebäude des Gemäldes in Innsbruck ab. Daher wurde nach der Rückkehr des Bildes aus London ein neues Haus, eine Rotunde, direkt an der Kettenbrücke, nahe der später erbauten Talstation der ehemaligen Hungerburgbahn (47° 16′ 46″ N, 11° 24′ 12″ O47.2793911.40347), errichtet, und das Bild dort ausgestellt.

Im Ersten Weltkrieg wurde es zu Propagandazwecken nach Wien überstellt, im Zweiten Weltkrieg weigerten sich die Besitzer, das Panorama in Luftschutzverschickung zu geben, obwohl das Gebäude am Rennweg sich neben dem strategischen Ziel der Kettenbrücke über den Inn befand. Das Riesenrundgemälde überstand den Krieg unversehrt.

Das Panoramagemälde sollte im Herbst 2008 in das „Haus am Bergisel“ übersiedelt werden. Neben tourismusstrategischen wurden hierfür auch bauliche und konservatorische Gründe angegeben.[4] Eine Bürgerinitiative versuchte mittels einer Petition, dies zu verhindern und die Einheit von Gemälde und Gebäude zu erhalten.[5] Außerdem sprachen sich verschiedene nationale und internationale Fach- und Denkmalpflegeorganisationen, wie etwa der International Panorama Council IPC, ICOMOS, Europa Nostra, TICCIH Austria und zahlreiche weitere mehr gegen eine Verlegung aus.[6]

Eine im November 2010 im Auftrag der Tiroler Landesmuseen durchgeführte repräsentative Umfrage des Management Center Innsbruck (MCI) unter 500 Tirolern zum neuen Haus am Bergisel kam zum Ergebnis, dass die Mehrheit der Bevölkerung der Übersiedlung des Riesenrundgemäldes positiv gegenüber stand bzw. steht. 62,8 Prozent waren der Meinung, dass sich das Gemälde im Tirol Panorama jetzt am richtigen Ort befinde. Diese Umfrage wurde jedoch wegen des Zeitpunktes und der Ausarbeitung der Fragen durch die Betreibergesellschaft Tiroler Landesmuseen als unseriös und tendenziös kritisiert.[7]

Anfang November 2008 verweigerte das Bundesdenkmalamt seine Zustimmung zu einer solchen Übersiedlung. Das Land Tirol hat gegen diesen Bescheid Berufung eingelegt. Der Entscheid in zweiter Instanz stand der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur zu.[8] Am 11. Januar 2009 fasste die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur Claudia Schmied (SP) den Beschluss, die Übersiedlung des Riesenrundgemäldes vom Rennweg in Innsbruck in ein neues Ausstellungsgebäude auf dem Bergisel zu bewilligen.[9] Von den Grünen und dem Verein „Für unser Panorama“ wurden dagegen noch Petitionen gestartet, die aber erfolglos blieben.[10][11]

Am 11. September 2010 wurde das Riesenrundgemälde an seinen neuen Standort, das Tirol Panorama am Bergisel übersiedelt. Für die Translozierung des Riesenrundgemäldes musste das Gemälde an einer Naht geöffnet werden, anschließend wurde es mit der Farbschicht nach außen auf einen Transportrahmen gespannt. Mit einem Kran wurde das Riesenrundgemälde an seinen neuen Bestimmungsort durch eine Öffnung im Dach des neuen Tirol Panoramas platziert. Zur Eröffnung des Tirol Panoramas am 12. März 2011 kamen 6.000 Besucher. Die Erstbilanz für das Tirol Panorama bzw. für die Translozierung fiel positiv aus: In nur 2,5 Monaten konnten schon 50.000 Besucher verzeichnet werden.[12]

Literatur

  • Panorama der Schlacht am Berg Isel bei Innsbruck am 13. August 1809. Kolossal-Rudgemälde von Michael Zeno Diemer. Wagner, Innsbruck 1895. [13]
  • Michael Zeno Diemer: Die Schlacht am Berge Isel 13. August 1809. Rundgemälde von M. Zeno Diemer. Franz Hanfstängl Leporello-Album, München 1896. [14]
  • Gedeon Maretich von Riv-Alpon, Michael Zeno Diemer (Ill.): Panorama der Schlacht am Berg Isel bei Innsbruck am 13. August 1809. Kolossal-Rundgemälde von Michael Zeno Diemer. Lampe, Innsbruck 1911. [15]
  • Kerstin Pfeiffer: Franz Burger. Leben und Werk. Exkurs über das Innsbrucker Rundgemälde „Die Schlacht am Berg Isel, 13 Aug. 1809“. Dissertation. Universität Innsbruck, Innsbruck 1987. [16]
  • Susanne Gurschler: Panorama der „Schlacht am Bergisel“ – die Geschichte des Innsbrucker Riesenrundgemäldes. Studien Verlag, Innsbruck 2011, ISBN 978-3-7065-5042-0.
  • Brandauer, Isabelle u. a.: Das Tirol Panorama, Rund um den Mythos Tirol, Hrsg. Edition Alpina, Innsbruck 2011, ISBN 978-3-900122-05-8

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Das Panorama der Berg-Isel-Schlacht in Innsbruck. In: Der Alpenfreund, Heft 15/1896, (VI. Jahrgang), S. 168–170. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/daf
  2. Franz Caramelle: Das Innsbrucker Riesenrundgemälde. Der Tiroler Freiheitskampf auf 1000 m² Leinwand. In: riesenrundgemaelde.at, abgerufen am 18. März 2011.
  3. Imperial-Royal Austrian exhibition 1906. Gale & Polden, London 1906, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  4. Das Panorama-Riesenrundgemälde „Die Schlacht am Bergisel“ kann unter strengen Auflagen auf den Bergisel übersiedeln. Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, 12. Jänner 2009, abgerufen am 11. Dezember 2010.
  5. http://www.innsbruck-panorama.eu (Offline)
  6. http://www.innsbruck-panorama.eu (Offline)
  7. Horst Christoph: Unrundgemälde. In: profil, 42. Jahrgang, Nr. 10, 7. März 2011, S. 106–107. — Volltext (PDF). In: listefritz.at, abgerufen am 21. März 2011.
  8. Tiroler Tageszeitung vom 12. November 2008
  9. Tiroler Tageszeitung vom 12. Januar 2009
  10. [http://www.bergiselmuseum.info „Dürfen heißt nicht Müssen / Bergiselmuseum – Plan B“ (Offline)]
  11. http://www.innsbruck-panorama.eu/index.php?option=com_content&task=view&id=26&Itemid=57&lang=german (Offline)
  12. ORF-TV-Bericht: positive Erstbilanz - 50000ster Besucher nach nur 2,5 Monaten
  13. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  14. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  15. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  16. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.

47.25027777777811.401666666667Koordinaten: 47° 15′ 1″ N, 11° 24′ 6″ O