Institut für Religiosität in Psychiatrie & Psychotherapie

Das Institut für Religiosität in Psychiatrie & Psychotherapie (RPP Institut) ist ein interdisziplinäres und interreligiöses Institut mit Sitz in Wien. Es kooperiert mit der Sigmund Freud Privatuniversität Wien und möchte Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie in einen wissenschaftlichen Dialog mit Philosophie, Theologie und Religionswissenschaft bringen.

Inhaltsverzeichnis

Tätigkeit

Gründer des Instituts sind der Psychiater Raphael M. Bonelli, der Psychotherapeut Walter Pieringer und der Theologe Bernd Oberndorfer. Das Institut widmet sich dem Phänomen Religiosität in Zusammenhang mit der menschlichen Psyche aus wissenschaftlicher Sicht, um einen Beitrag zu seiner Enttabuisierung in Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie zu leisten.[1] Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten, Philosophen und Religionswissenschaftler stehen bei diversen Veranstaltungen des Institutes im Dialog mit katholischen, evangelischen, orthodoxen und freikirchlichen Christen, Juden, Buddhisten, Muslimen, Bahai, Agnostikern und Naturreligionen. "Dabei stehen nicht theologische Inhalte und etwaige interreligiöse Differenzen im Fokus, sondern das allen gemeinsame psychologische Phänomen der Religiosität und deren Einbindung in die Psychotherapie."[2]

Bekannte Referenten

Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten: Raphael Bonelli, Andreas Conca, Heiko Ernst, Thomas Fuchs, Martin Grabe, Reinhard Haller, Hartmann Hinterhuber, Peter Hofmann, Karl Heinz Ladenhauf, Michael Linden, Manfred Lütz, Arnold Mettnitzer, Sebastian Murken, Michael Musalek, Rotraud Perner, Nossrat Peseschkian, Richard Picker, Walter Pieringer, Samuel Pfeifer, Alfred Pritz, Bernd Rieken, Kornelius Roth, Günter Schiepek, Gerti Senger, Michael Utsch, Jürg Willi und Hans Georg Zapotoczky.

Philosophen, Religionswissenschaftler und Theologen: Elsayed Elshahed, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Gregor Henckel-Donnersmarck, Larry Hogan, Tomislav Ivancic, Egon Kapellari, Kurt Kardinal Koch, Franz Lackner, Andreas Laun, Leo Maasburg, Hermann Miklas, Markus F. Peschl, Martin Rhonheimer, Sonja Rinofner-Kreidl, Fuat Sanac, Walter Schaupp, Eberhard Schockenhoff, Christoph Kardinal Schönborn, Clemens Sedmak, Karl Wallner, und Hans-Bernhard Wuermeling.

Kongress und Fachtagungen: RPP

Unter dem Namen RPP startete das Institut 2007 mit einem interdisziplinären Kongress und führt seit Herbst 2008 mindestens halbjährlich Fachtagungen durch.

Kongress RPP 2007 Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie

Der erste Kongress „RPP 2007“ unter dem interdisziplinären Motto „Psychiatrie, Psychologie, Psychotherapie im Dialog mit Religionswissenschaft, Philosophie & Theologie“ fand vom 11. bis 13. Oktober 2007 in Graz statt und hatte über 1200 Teilnehmer aus 11 Ländern.[3][4] Die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) übernahm die Patronanz.

Der Kongress umfasste 100 Beiträge von 140 Vortragenden. Der evangelische Superintendent Hermann Miklas konstatierte eine traditionelle Zurückhaltung vieler Gläubiger gegenüber der Psychotherapie und umgekehrt eine kritische Haltung psychotherapeutischer Strömungen gegenüber den Religionen. Therapeuten müssten gesunde Formen der Religiosität von kranken und krankmachenden unterscheiden können.[5] Öffentlich beachtet wurde der Workshop „Kirche und Pädophilie“, bei dem der katholische Weihbischof Andreas Laun mit dem Psychiater Peter Hofman diskutierte.[6][7] Weiter Beachtung fand eine Diskussion über die Praxis des Exorzismus: Der Psychiater Hartmann Hinterhuber,[8] der diese Praxis kritisiert, wurde dem Theologen und Exorzisten Larry Hogan[9] gegenübergestellt. Zusammenfassend stellte der Klinikleiter Hans-Peter Kapfhammer die Herausforderung für die psychiatrische Fachwissenschaft dar, in kirchlichen Zusammenhängen nicht selbst von Gottesbildern auszugehen, aber offen dafür zu sein, die Religiosität und damit die Gottesbilder in die Diskussion einzuholen. Bei einigen Themen wie dem Exorzismus müsse es jedoch aus der psychiatrischen Perspektive klare Grenzen geben.[10] Ein Thema bei diesem Kongress rief Skepsis von LGBT-Interessenvertretern hervor.[11][12] Markus Hoffmann, Leiter von Wuestenstrom, hätte einen einstündigen Workshop für 30 Teilnehmer mit dem Titel „Therapeutisches Arbeiten bei Ichdystoner Sexualorientierung“ halten sollen,[13] das er später absagte.[14][15] Die Veranstalter [16][17][18][19] und der ÖGPP [20] nahmen dazu Stellung.[21]

RPP Fachtagungen

Weblinks

Publikationen

  • R.M. Bonelli; W. Pieringer; H. Kapfhammer (Hrsg.): Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie. Pabst-Verlag 2007. ISBN 3899674235

Einzelnachweise

  1. Religiosität aus wissenschaftlicher Sicht, aufgerufen am 3. Februar 2010
  2. Informationen über das Institut Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie, aufgerufen am 4. August 2011
  3. Interdisziplinärer Kongress RPP 2007
  4. Zusammenfassung im RPP-Folder 2008, Seite 11
  5. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.die-tagespost.comDie Tagespost 16. Oktober 2007: Die Psychiatrie stellt sich ihrem letzten Tabu
  6. kath.net 15. Oktober 2007: Kirche und Pädophilie
  7. Kurier 13. Oktober 2007: Kirche und Pädophilie: ein Fall für die Psychotherapie
  8. Hartmann Hinterhuber
  9. Larry Hogan
  10. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.die-tagespost.comInterview mit Hans-Peter Kapfhammer
  11. Association of Gay an Lesbian Psychiatrists (AGLP): Protestaufruf
  12. Die Presse: „Religion ist ein Tabubruch wie einst Sexualität“ vom 19. September 2007.
  13. Workshop 4.6
  14. Absage Hoffmann
  15. Christian Stöcker, „Exorzisten und Schwulenheiler“ in Spiegel Online, 17. September 2007
  16. Klarstellung der Organisatoren, Veranstalter und Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats
  17. Kontroversen rund um den RPP 2007
  18. Stellungnahme des Veranstalters zum Konzept des Kongresses
  19. RPP 2007 Stellungnahme zur Kritik am Workshop 3.1 und 4.1
  20. Antwortschreiben von Michael Musalek (ÖGPP) an die AGLP
  21. Die Presse: „Religion und Psychiatrie: Homotherapie und Hagiotherapie?“