Irmgard Höfer von Feldsturm

Irmgard Höfer von Feldsturm um 1909

Irmgard Adelheid Rosa Höfer von Feldsturm (* 14. August 1865 in Košátky (Koschatek), Böhmen; † 1. Februar 1919 in Wien) war eine österreichische Schriftstellerin. Unter dem Namen Irma von Höfer veröffentlichte sie Feuilletons, Novellen und Romane aus dem Offiziersmilieu und aus der Biedermeierzeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Irmgard Höfer von Feldsturm wurde in Košátky (Koschatek) in der Pfarrei Dolni Slivno, im Bezirk Jungbunzlau in Böhmen geboren. Sie war eine Tochter des Johann Georg Sölch (1832–1873) aus Mühlessen (Milhostov) bei Eger in Westböhmen. Dieser war Ober-Ingenieur und selbständiger Unternehmer bei der Projektierung von Bahnlinien und später Grundbesitzer in Košátky. Ihre Mutter, Josefine Karnitschnig, stammte aus Friedau (Ormož) in der Untersteiermark, heute in Slowenien gelegen. Irmgard hatte einen sechs Jahre älteren Bruder, Hermann Sölch, der später Realitätenbesitzer in Friedau, Pettau (Ptuj) und Probezje war.

Irmgard Höfer von Feldsturm war die Ehefrau des österreich-ungarischen Feldmarschalleutnants Franz Ritter Höfer von Feldsturm (1861–1918).

Werk

Irma von Höfer ist eine Vertreterin des deutschsprachigen historischen Romans. Sie porträtiert in ihren nach 1900 herausgegebenen Romanen die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Die Biedermeierzeit wird in Fanny Elßler - Franz von Gentzens letzter Liebestraum beschrieben, vertreten durch historische Personen wie die Tänzerin Fanny Elßler und ihren 46 Jahre älteren Lebensgefährten Friedrich von Gentz, den Sekretär des wichtigsten Gestalters dieser Epoche, Fürst Metternich. Aber auch das Leben der bürgerlichen Gesellschaft dieser Zeit wird In der engen Gasse dargestellt.

Andere ihrer Romane beschäftigen sich mit dem Leben der k.u.k. Offiziere, einer Welt, in die sie als Gattin eines österreichisch-ungarischen Generals Einblick hat. Irma von Höfer wird damit zur Mitbegründerin eines Subgenres des historischen Romans, in der diese Welt des Kasernenlebens, oft fern der Familie, in den Grenzgarnisonen der Habsburgermonarchie, dargestellt wird. Die Offiziere sind oft melancholisch und von Zukunftsängsten geplagt. Entweder sie haben unstandesgemäße Liebschaften oder sie können ihre standesgemäße Geliebte aus Geldmangel nicht heiraten. Spielschulden und der Ehrenkodex, der immer wieder zu den damals schon verbotenen Duellen führt, sind weitere Elemente dieses Stoffs. Diese Beschreibungen finden in Joseph Roths Roman Radetzkymarsch und in Arthur Schnitzlers Novelle Leutnant Gustl ihre Höhepunkte.[1]

Irma von Höfers oft sentimentale Darstellungen waren populär, riefen aber Kritiker wie Karl Kraus auf den Plan. Besonders ihre Zeitungsfeuilletons, die sie im Ersten Weltkrieg zum Ruhm der k.u.k. Armee verfasste, während ihr Mann Franz Höfer von Feldsturm als Stellvertreter des Generalstabschefs Franz Conrad von Hötzendorf fungierte, waren für Karl Kraus ein Dorn im Auge. Sowohl in seinem Weltgericht als auch in Die letzten Tage der Menschheit wird Irma von Höfer namentlich erwähnt und scharfzüngig kritisiert.

Werke

  • Jugend, ein Roman, 1907
  • Frühlingssturm, ein Roman, 1908
  • Schuld, Geschichte einer Liebe, 1908
  • Am Lido, 1909.
  • Im Taumel, 1910
  • In der engen Gasse, ein Roman aus der Biedermeierzeit, 1911
  • Offizierstöchter, 1912
  • Schattentage, 1915
  • Die Erwartung, 1916
  • Familie Marhold, 1916
  • Marburger Frühling, Untersteirische Idyllen, Marburger Spätherbsttage, Schloß Wurmberg, Steirischer Schnee, Erzählungen, in: Franz Hausmann, Hrsg. Südsteirische Heimat, 1916
  • Fanny Elßler. Friedrich von Gentzens letzter Liebestraum, Roman, 1921, aus dem Nachlass herausgegeben.

Literatur

  • Wilhelm Kosch: Deutsches Literatur Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Band 2, 1953
  • Johann Nagl, Jakob Zeidler, Eduard Castle: Deutsch-österreichische Literaturgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Dichtung in Österreich-Ungarn. Band 4, 1937
  • Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, Band 3. Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV) 1700 – 1910, Band 62, Seite 370
  • Heribert Sturm (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum, München 1979, Seite 647.
  • Stammfolge Sölch aus Zettendorf, Kreis Eger in Böhmen. Deutsches Geschlechterbuch. Band 214, 58. Allgemeiner Band, C.A. Starke Verlag Limburg an der Lahn 2002, Seite 1020 und 1021
  • Wiener Zeitung (Abendpost) vom 1. Februar 1919[2]

Einzelnachweise

  1. Ian Foster: Josef Roth's Radetzkymarsch as a Historical Novel. In: Osman Durrani, Julian Preece: Reisende durch Zeit und Raum: der deutschsprachige historische Roman. Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik, Band 51 - 200, Amsterdam-New York 2001, S. 359
  2. Todesanzeige in der Wiener Abendpost vom 1. Februar 1919

Weblinks