Jürgen Wetzenstein-Ollenschläger

Jürgen Wetzenstein-Ollenschläger (* 1941) ist ein deutscher Jurist und ehemaliger Direktor des Stadtbezirksgerichts Berlin-Lichtenberg.

Leben und Wirken

Der gebürtige Österreicher machte in der DDR Karriere als Richter und stieg bis zum Direktor des Stadtbezirksgerichts Berlin-Lichtenberg auf.

Nach der Wende erhielt Wetzenstein-Ollenschläger auf der Grundlage der Verordnung über die Tätigkeit und die Zulassung von Rechtsanwälten mit eigener Praxis vom 22. Februar 1990 eine Zulassung als Rechtsanwalt und Notar. Er wurde als Kooperationspartner in die Sozietät Boesebeck Barz aufgenommen. In dieser Zeit erlangte Wetzenstein-Ollenschläger als Verteidiger von staatstragenden Persönlichkeiten der DDR öffentliche Aufmerksamkeit. Sein erster bedeutsamer Mandant war Manfred Seidel, Stellvertreter des KoKo-Chefs Alexander Schalck-Golodkowski. Die Zusammenarbeit mit Boesebeck Barz wurde wenig später beendet, nachdem Wetzenstein-Ollenschläger am Kriminalgericht Moabit das Mandat als Strafverteidiger des früheren Stasichefs Erich Mielke übernommen hatte.[1] Des Weiteren war Wetzenstein-Ollenschläger Prozessvertreter des KoKo-Mitarbeiters Günther Forgber im Feststellungsverfahren der Treuhandanstalt über die Firma Günther Forgber als Staatseigentum der DDR oder Privatunternehmen. Forgber, der ab 1990 zunächst in Ostberlin das neue Unternehmen Forgimpex gegründet hatte, welches er kurz darauf in Inhafo GmbH umfirmierte, errichtete 1991 mit Unterstützung Wetzenstein-Ollenschlägers ein neues Firmennetzwerk[2] zu dem u. a. die Export-Contact AG in Zürich, die Export-Import Handels AG in Zug und die Export-Contact Handelsgesellschaft in Wien gehörten, über die er mit KoKo-Geldern Immobilien in Frankfurt a. M. kaufte.

Während des Mielke-Prozesses wurde Wetzenstein-Ollenschläger am 10. Februar 1992 von Kornelia Voigt, die er 1977 als Richter wegen Teilnahme an einer Demonstration zu 16 Monaten Haft verurteilt hatte, im Treppenhaus des Moabiter Gerichts öffentlich geohrfeigt. Am 15. Februar 1992 erfolgte ein Einbruchdiebstahl in Wetzenstein-Ollenschlägers Grundstück, bei dem u. a. Kopien von Gerichtsakten gestohlen wurden. Nachdem im Jahre 1992 insgesamt 26 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung gegen Wetzenstein-Ollenschläger anhängig und zudem ein Haftbefehl wegen Beihilfe zur Untreue erlassen worden war, floh er ins Ausland.[3]

Am 23. März 2001 wurde Wetzenstein-Ollenschläger in Abwesenheit zur Rückgabe einer unter Ausnutzung einer Zwangslage angeeigneten Immobilie verurteilt. Er hatte 1983 ein Haus in Berlin-Mahlsdorf von einem Häftling gekauft, der im Gefängnis Lichtenberg einsaß, welches zu Wetzenstein-Ollenschlägers Zuständigkeitsbereich gehörte. Der Häftling durfte kurze Zeit darauf in die Bundesrepublik ausreisen.[4]

Der internationale Haftbefehl wurde im August 2001 wegen Verjährung der Straftaten aufgehoben.

Nach Forgbers tödlichem Unfall im Jahre 2006 gilt Wetzenstein-Ollenschläger als einzige über den Verbleib der Gelder der Unternehmensgruppe Forgber aussagefähige Person. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt, angeblich soll er seit 2003 in einem Vorort von Belgrad leben.

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Lovells, in: 200 Jahre Wirtschaftsanwälte in Deutschland, Reinhard Pöllath (Hrsg.) Ingo Saenger (Hrsg), Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4446-9200, digital
  2. Die Panne von Kitzbühel. In: Berliner Zeitung, 4. Januar 1996
  3. Kalte Höflichkeit - Der Mielke-Verteidiger Wetzenstein-Ollenschläger muß fürchten, selber vor Gericht gestellt zu werden. In: Der Spiegel, 9/1992
  4. Flüchtiger Mielke-Anwalt muss sein Haus in Mahlsdorf zurückgeben. In: Berliner Zeitung, 24.März 2001

Weblinks