Jehuda Bacon

Jehuda Bacon 2008

Jehuda Bacon (auch Yehuda Bacon oder Jehuda Bakon geschrieben), (* 28. Juli 1929 in Ostrava, Tschechoslowakei) ist ein israelischer Künstler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bis 1945

Jehuda Bacon wurde als Sohn einer chassidischen Familie geboren. Im Herbst 1942 wurde er mit seiner Familie von Ostrava in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier wirkte er unter anderem an der Kinderoper Brundibár mit. Im Dezember 1943 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er mit anderen inhaftierten Kindern im sogenannten „Familienlager“ das Internationale Komitee vom Roten Kreuz blenden sollte. Tatsächlich wurden die „Birkenau Boys“ auch für Transportarbeiten im gesamten Komplex Auschwitz II-Birkenau eingesetzt. Im Juni 1944 sah Bacon seinen Vater in die Gaskammern gehen. Zu diesem Zeitpunkt wurden seine Mutter und seine Schwester Hanna in das Konzentrationslager Stutthof deportiert, wo sie wenige Wochen vor der Befreiung starben.

Am 18. Januar 1945 wurde Bacon auf den Todesmarsch gesetzt, der zunächst drei Tage dauerte und nach Mauthausen führte. Im März 1945 wurde Bacon auf einen weiteren Todesmarsch nach Gunskirchen, einem Nebenlager von Mauthausen mitten im Wald geschickt. Dort gab es, so berichtet er, weder Essen, Wasser noch Kleidung.

Am 5. Mai 1945 wurde Bacon in Gunskirchen befreit. Bevor die SS-Wachmannschaften das Lager verließen, hätten sie die restlichen Lebensmittel vergiftet. Viele Insassen seien an den Folgen zu hoher Lebensmittelzufuhr gestorben, die der Körper nicht mehr aufnehmen konnte. Bacon und sein Freund Wolfie Adler (der später in Israel Rabbiner wurde und ein Buch über seine Erlebnisse veröffentlicht hat) verließen das Lager und stießen auf US-amerikanische Soldaten, die ihnen halfen und in ein Krankenhaus nach Steyr brachten.

Nachdem Bacon sich in dem von katholischen Nonnen geführten Kloster mehr oder weniger erholt hatte, fuhr er zurück nach Prag. Er hoffte, dass seine Mutter und seine Schwester noch lebten und er sie dort wiedersehen könnte. Er lebte vorerst in einem im Schloss Štiřín bei Prag eingerichteten Kinderheim, das von dem tschechischen Pädagogen und Humanisten Přemysl Pitter geführt wurde. Durch ihn fand er einen Weg zum Leben nach der Befreiung, allerdings ohne seine Familie.

Nach der Auswanderung nach Israel

Nach der Befreiung beschloss Bacon Künstler zu werden – auch um seine Erlebnisse zu verarbeiten und zu beschreiben. Als Überlebender sah er sich in der Verantwortung, seine Geschichte zu erzählen und so künftige Generationen zu lehren und ihre Verantwortung gegenüber der Gegenwart und Zukunft bewusst zu machen. So gehörte er zu den ersten Überlebenden der Schoa, die wieder deutschen Boden betraten.

1946 wanderte Bacon mit Hilfe der Jugend-Alijah nach Palästina aus. Dort studierte er an der Bezalel-Kunstakademie Jerusalem, an die er nach mehreren Studienreisen, die ihn nach Europa (Paris und London) führten, 1959 als Professor für Grafik und Zeichnen berufen wurde.

Bacons Zeichnungen, die er noch als Jugendlicher kurz nach der Befreiung vom Konzentrationslager Auschwitz anfertigte, sowie seine Zeugenaussagen wurden in Prozessen gegen NS-Verbrecher (u.a. im Eichmann-Prozess und in den Frankfurter Auschwitzprozessen) als Beweismittel verwendet ebenso wie in Prozessen gegen den Holocaustleugner David Irving für die Existenz der Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Zudem wurden seine Erlebnisse und Kunstwerke in Büchern und Ausstellungen (unter anderem in Israel, Deutschland, den USA, Großbritannien) veröffentlicht. Seine Hoffnung ist, dass unter anderem durch seine Zeugnisse zukünftige Generationen lernen können.

Werke Bacons sind im Israel Museum Jerusalem, Yad Vashem, dem US Congress in Washington D.C., in London oder den Wohnungen von Roosevelt, Rockefeller, Buber und Weizmann zu sehen. Ausstellungen führten ihn auch nach Deutschland, die USA und Großbritannien. Er schuf ein Œuvre, welches sich in einem eigenwilligen Spannungsgeflecht entfaltet. Einerseits verarbeitete Bacon in seinen Werken die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend in den Konzentrationslagern, andererseits suchte er über die Kunst den Weg der Versöhnung. Bacon entschied sich für Vergebung und Völkerverständigung und engagierte sich im "jüdisch-christlichen Dialog".

„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“

„Das Problem des Bösen ist in jedem Menschen, fast jedem Menschen: Die Gefahr der Unmenschlichkeit …“

Jehuda Bacon lebt mit seiner Frau Leah in Jerusalem.

Ausstellungen und Sammlungen (Auswahl)

Sammlungen

  • Yad Vashem, Jerusalem
  • Lohamei HaGetaot Museum
  • Victoria und Albert Museum, London
  • British Museum, London
  • Imperial War Museum, London
  • Magnes Museum, Berkeley
  • Museum am Dom, Würzburg

Einzelausstellungen

  • Nora Gallery, Jerusalem (1954)
  • Whippmann Gallery, Johannesburg (1955)
  • Princeton University, Princeton (1973)
  • Evangelisches Bildungszentrum, München (1978)
  • Portland City Hall, Portland, Oregon (1988)
  • SOCA Gallery, Auckland (1995)
  • Studio Osmo Visuri, Helsinki (1999)
  • Galerie Spectrum, Frankfurt (2004)
  • Museum am Dom, Würzburg (2008)
  • Czech Center, Prag (2011)

Zwei-Personen-Ausstellungen

  • Henny Handler, London (1987) mit Naomi Blake
  • Paulskirche, Frankfurt (1999) mit Dan Richter-Levin

Gruppenausstellungen

  • Art Museum, Tel Aviv (1952) mit Isidor Aschheim, Naftali Bezem, Nahum Gutman, Aviva Uri, et al
  • 45e Exposition de la Maison des Intellectuels, Paris (1962)
  • National Museum of Modern Art, Tokyo (1962)
  • Pratt Grafic Art Centre, New York (1966)
  • Art Galeria, Sao Paulo, (1967) mit Mordechai Ardon, Moshe Castel, Jacob Pins, Anna Ticho, Yigael Tumarkin, et al
  • Moderna Galeria Rijeka, Ljublijana (1968)
  • Musée d'Art Moderne, Paris (1981)
  • Imperial War Museum, London (2001)
  • The Brooklyn Museum of Art, New York (2003)

Publikationen

von und mit Jehuda Bacon

  • Köhnlein, Manfred: Die Bergpredigt, Stuttgart 2005.
  • Kunstreferat der Diözese Würzburg: Ausstellung Jehuda Bacon. ...der mit dem Leben weiterwandert, 2008.
  • Präsenz Galerie: Das dunkle Wunder, 2003.

Weblinks

Online-Artikel

Online-Ausstellungen