Johann Philipp Högl

Doppelte Wendeltreppe als Meisterstück

Johann Philipp Högl (* 25. August 1755 in Wien; † 1805 ebenda) war Wiener Stadt-Steinmetzmeister, Grundrichter in der Roßau und 1797 Obervorsteher der Wiener Bauhütte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Johann Philipp war Sohn des Steinmetzmeisters Georg Andreas Högl und der Franziska, vormals Witwe nach dem Wiener Steinmetzmeister Michael Waltner mit dem Einzugsgebiet der Roßau. Der Vater stammte aus Eggenburg, dem bedeutendsten Steinmetzzentrum in Niederösterreich. Sein Großvater, der Steinmetzmeister Johann Gallus Högl war einst aus Gemünden am Main im Frankenland zur Viertellade der Eggenburger Bruderschaft gezogen. Die Erinnerung an ihn war verblasst, Meister Gallus starb 1719.

Kaisersteinbrucher Seitenaltar, im Steinboden Elias Hügels Epitaph

Tod des Seniors der Familie

Der um 17 Jahre jüngere Bruder Elias Högl, der letzte Vertreter einer längst vergangenen Zeit, hochberühmter Hof-Steinmetzmeister noch unter Kaiser Karl VI., war vor drei Tagen am 22. August 1755 im kaiserlichen Steinbruch am Leithaberg gestorben. So einen Kondukt hatte die Kaisersteinbrucher Bruderschaft in der dortigen Kirche noch nicht zelebriert.

Lehre beim Vater

Die Mutter starb am 19. August 1764. Der Vater hatte mehrere unmündige Kinder zu versorgen, er nahm Elisabeth Stricknerin aus Eggenburg am 28. Jänner 1766 zu seiner zweiten Gattin. Da war sein älterer Bruder Andreas Georg (* 1744) bereits vom Vater ausgebildeter Steinmetzgeselle, er wird sich eine Meisterstelle in Wien erheiraten.

Johann Philipp absolvierte seine Lehre zum Steinmetz beim Vater. Für sein weiteres Leben war es entscheidend, dass ihm sein Vater Herr Andreas Högl sein eigenes bürgerliches Steinmetz-Handwerk am 19. März 1779 übergab.

Meisterstück

Urkunde für Philipp Högl vom 10. Dezember 1779 ..

Von der Prüfungs-Commission wird hiemit verkündet, dass Philipp Högl, ein Steinmetzgeselle, von Wien gebürtig, die ihm zur Prüfung aufgegebenen und auf der Haupthütte allhier von ihme verfertigt

1. eine doppelte Schneckenstiege mit einem Loch in der Mitte und mit Architektur verzierten Profilen ..
2. ein Römisches Portal mit einem Bogen unter dem Gebälk, nebst Säulen ...

über obige Schneckenstiege, wie auch über andere zur Steinmetzkunst gehörigen Gegenstände unter heutigem dato examiniert worden und in denen – auf die gestellten Fragen – von ihme abgegebenen Beantwortungen, allerdings wohl bestanden, folglichen einer Steinmetz-Meisters-Stelle in der Stadt Wien rühmlich vorzustellen fähig sein. Worüber eingangs gedachten Philipp Högl gegenwärtige Legitimation hiemit ertheilt wird.

Stadtsteinmetzmeister in Wien

Urkunde für Herrn Philipp Högl vom 11. Januar 1780

Nachdem Herr Philipp Högl von der Prüfungs-Commission für einen Stadt-Steinmetzmeister in Wien für fähig erkennet worden, und ihme sein Vater Herr Andreas Högl seine bürgerliche Steinmetz-Gerechtigkeit mit Bewilligung eines löblichen Stadtrathes zufolge, so ist derselbe als Steinmetzmeister bei dem Handwerk auf und angenommen.

Heiratskontrakt

In der Schottenkirche am 9. Jänner 1781: Jungfrau Barbara Eckmayrin, des Mathias Eckmayr, bürgerlicher Wein-Gastgeb und Ehefrau Catharina, wohnhaft auf der Wieden beim Roten Apfel als Braut und

Herr Philipp Högl, bürgerlicher Steinmetzmeister, eines Steinmetzmeisters Sohn, wohnhaft in der Roßau Nr. 4, als Bräutigam. Einer der Zeugen war Franz Duschinger, bürgerlicher Baumeister.

Karmeliterkirche

Drei Söhne verblieben im Baugewerbe, Philipp Joseph, Johann und Carl.

Schätzmeister

Der Bürgermeister und Rat der Stadt Wien veröffentlichte am 23. Februar 1783 die von den bürgerlichen Bau-, Maurer- und Steinmetzmeistern vorgeschlagenen Beschau- und Schätzmeister. Als einer der Stellvertreter auch der junge Meister Philipp Högl.

Karmeliterkirche

Zurzeit ist Meister Högl bei folgender Arbeit dokumentiert. Er führte 1783 bei der Karmeliterkirche in der Leopoldstadt Steinmetzarbeiten durch.

Lehrmeister

Hier eine kleine Auswahl seiner Lehrlinge

Fastenquartal den 27. März 1791

Herr Philipp Högl, bürgerlicher Steinmetzmeister nimmt in die Lehre einen ausgelernten Steinhauer namens Anton Högl aus Warschau gebürtig und auf 2 Jahre nachzulernen. Dieser Anton Högl war mit ihm verwandt. Laut Mitteilung des Lehrmeisters ist es dazu dann doch nicht gekommen.

Für die Jahre 1795-1800 amtierte er als Roßauer Grundrichter.

Pfingstquartal den 5. Juni 1796

.. lasst seinen Sohn Philipp Joseph Högl, von Wien gebürtig, auf das Steinmetzhandwerk auf 5 Jahre aufdingen. Dessen Bürgen sind Herr Vater und Lehrmeister Haupt- und Adam Jungbauer Steinmetzgeselle Nebenbürge. Hat das Schulzeugnis eingelegt und die Gebühr gezahlt.

Ist den 16. März 1800 nach eingelegtem Christenlehr-Zeugnis freigesprochen worden.

Im Wiener Rathaus wählten die Maurer- und Steinmetzmeister Johann Philipp Högl für 1797 zum Obervorsteher der Wiener Bauhütte.

Pfingstquartal den 2. Juni 1797

.. lasst seinen Sohn Johann Högl, in Wien gebürtig, auf das Steinmetzhandwerk aufdingen. Dessen Bürgen sind die Herren Franz Jäger und Herr Vater, beide bürgerliche Steinmetzmeister. Hat die Gebühr erlegt und das Schulzeugnis eingelegt.

Ist den 14. Juni 1801 nach beygebrachtem Christenlehr-Zeugnis und bezahlter Gebühr von Herrn Franz Jäger als vorgesetztem Meister freygesprochen worden.

Witwenbetrieb

In der Handwerkssitzung der Wiener Maurer und Steinmetzen vom 12. Juli 1805 ist bereits die Anwesenheit der Barbara Högl, Witwe des Philipp Högl belegt. Nach des Vaters Tod führt Sohn Johann den Witwen-Steinmetzbetrieb über fünf Jahre erfolgreich weiter. Dies wird ihm als Teil seiner Meisterprüfung angerechnet werden.

Literatur

  • Wiener Stadt- und Landesarchiv: Steinmetzakten.
  • Schottenkirche Matrikelarchiv: Kirchenbücher
  • Stadtarchiv Eggenburg: Aufding- und Freysagebuch der Eggenburger Steinmetzinnung.
  • Helmuth Furch: In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch.
Meister Johann Gallus Hügel. Nr. 22, 1992.
Familie Hügel aus Gemünden am Main. Nr. 42, 1996.
  • Eintrag Högl Familie. In: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 3, 1994.
  • Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. 2 Bände. Museums- und Kulturverein, Kaisersteinbruch 2002–2004.