Johann Rudolf Czernin von und zu Chudenitz

Johann Rudolf Graf Czernin von und zu Chudenitz (* 9. Juni 1757 in Wien; † 23. April 1845 ebenda) war ein k. u. k. österreichischer Verwaltungsbeamter und Kunstsammler. Er entstammte dem böhmischen Uradelsgeschlecht Czernin von und zu Chudenitz. Sein Vater war Graf Prokop Adalbert Czernin, der Mozart Ende 1776 eine Jahresrente ausgesetzt hatte.

Leben

Czernin ging zur Schule in Salzburg, wo sein Onkel Hieronymus von Colloredo (1732–1812) Bischof war. Der junge Czernin und seine Schwester hatten Beziehungen mit Wolfgang Amadeus Mozart, der zur Übung ein Violinkonzert für ihm und das 8. Klavierkonzert für ihr schrieb.[1] 1778 gründete Czernin ein Orchester, das am Sonntagnachmittag Konzerte bei der Familie Lodron gab.[2] Leopold Mozart und Nannerl spielten mehrere Werke.[3] Leopold schrieb sein Sohn, der in Paris verweilte, über Czernin's beschränkte Leistungen als Geigespieler.[4]

1781 heiratete er Theresa Schönborn und reiste mit ihr nach Italien, in die Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland und England und interessierte sich für die neue Mode, den Englischen Stil im Entwurf von Parkanlagen. In den Jahren 1783 bis 1793 entstand südwestlich von Schloss Krásný Dvůr im Auftrag von Czernin ein großer Englischer Landschaftsgarten.[5] Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Jagdschloss Jemčina unter Johann Rudolf Czernin sehr berühmt. In Anwesenheit der Vertreter des böhmischen und österreichischen Adels fanden hier berühmte Hetzjagden statt, und Gelehrte und Wissenschaftler der Nationalen Wiedergeburts-Bewegung waren hier zu Gast.[6] [7]

1810 wurde Goethe auf dem Familienbesitz, Schloss Krásný Dvůr bei Podersam, eingeladen.[8] Um die Jahrhundertwende fing er an zu sammeln und hatte zwanzig Jahre später die wichtigste private Kunstsammlung der Monarchie: 1813 kaufte er sich Die Malkunst, ein Gemälde von Johannes Vermeer.[9] Von 1817 bis 1825 war František Tkadlík als Hofmaler der Adelsfamilie Czernin und Aufseher von deren Galerie in Wien tätig.

1823 wurde Czernin als Präsident der Akademie der bildenden Künste in Wien berufen. Dieses Amt hatte er bis 1827 inne. Bereits 1823 wurde er zum Oberst-Kämmerer ernannt. Mit diesem Amt war er mit der Leitung der kaiserlichen Sammlungen des Hofes betraut worden, aber auch das Burgtheater stand damit unter seiner Regie. Johann Ludwig Deinhardstein trat 1832 die Nachfolge Joseph Schreyvogels als Dramaturg und Vizedirektor des Hofburgtheaters an. Außerdem war er Mitbegründer der Gesellschaft des vaterländischen Museums in Böhmen.

Johann Rudolf Czernin, Graf von und zu Chudenitz starb im Alter von 88 Jahren. Seine private Kunstsammlung umfasste bei seinem Tod fast 2.000 Kupferstiche, welche den Grundstock der Czerninschen Kunstsammlung legten. Teile dieser Sammlung können heute noch in der Residenz-Galerie in Salzburg besichtigt werden.

Im Jahr 1882 wurden in Wien Leopoldstadt (2. Bezirk) die Czerningasse und der Czerninplatz nach ihm benannt; beide Straßennamen waren bereits ab 1813 nichtamtlich in Gebrauch.

Literatur

  • Brandhuber, Christoph: Johann Rudolph Graf Czernin von Chudenitz (1757 - 1845). Ein Leben für die Künste, in: Residenzgalerie Salzburg. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hg. v. Roswitha Juffinger. Salzburg 2010, S. 434-459.
  • Brandhuber, Christoph: Kunstverstand und Kennerblick: Johann Rudolph Graf Czernin von Chudenitz (1757 – 1845), in: Vermeer. Die Malkunst. Spurensicherung an einem Meisterwerk, hg. v. Sabine Haag, Elke Oberthaler u. Sabine Pénot. Wien 2010, S. 66-69.
  • Juffinger, Roswitha: Counts Czernin von Chudenitz and Lamberg-Sprinzenstein, Two Illustrious Viennese Collectors: Notes for New Research, in: La circulation des oeuvres d’art 1789–1848, hg. v. Roberta Panzanelli u. Monica Preti-Hamard. Rennes 2007, S. 117-123.
  • Juffinger, Roswitha: Die Grafen Czernin und deren Gemäldesammlungen in Prag und Wien, in: Sammeln als Institution. Von der fürstlichen Wunderkammer zum Mäzenatentum des Staates, hg. v. Barbara Marx u. Karl-Siegbert Rehberg. München/Berlin 2006, S. 163-172.
  • Juffinger, Roswitha: Ein Rembrandt für die Czernin'sche Gemäldesammlung. Die Ankäufe Johann Rudolph Czernins aus der Gemäldesammlung des Armand François Louis de Mestral de Saint Saphorin, in: Residenzgalerie Salzburg. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hg. v. dies. Salzburg 2010, S. 461-490.
  • Juffinger, Roswitha: "Schreibzimmer meines Vaters zu Wien 1835". Ein Aquarell mit der Wiedergabe des Schreibzimmers von Johann Rudolph Graf Czernin von Chudenitz, in: Residenzgalerie Salzburg. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hg. v. dies. Salzburg 2010, S. 491-536.

Noten

  1. Mozartforum [1]
  2. http://www.lodron.info/deutsch/page/oesterreich/o03.htm
  3. http://www.earlymusicworld.com/id27.html
  4. The Cambridge Mozart encyclopedia von Cliff Eisen, Simon P. Keefe [2]
  5. Czech, German, and Noble: Status and National Identity in Habsburg Bohemia von Rita Krueger [3]
  6. http://www.zamek-jindrichuvhradec.eu/die-stadt-und-die-sehenswurdigkeiten-in-der-umgebung/die-schlagzeilen-in-der-umgebung/
  7. http://www.czech.cz/de/Tschechien/geschichte/alles-uber-die-tschechische-geschichte/die-idee-der-tschechischen-nationalen-wiedergeburt?i=
  8. Goethe-Jahrbuch, Volume 122 von Goethe-Gesellschaft (Weimar, Germany) [4]
  9. http://www.residenzgalerie.at/Geschichte.12.0.html