Johann Schober

Dieser Artikel befasst sich mit dem Politiker Johann Schober. Zu anderen Personen siehe Johannes Schober.
Johann Schober
Johannes Schober auf Staatsbesuch in Berlin, 1931
Johannes Schober bei der Tagung des Europa-Comités in Genf, Mai 1931

Johann Schober (* 14. November 1874 in Perg, Oberösterreich; † 19. August 1932 in Baden bei Wien, Niederösterreich) war ein österreichischer Beamter, Politiker, Außenminister und Bundeskanzler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Johann Schober wurde als zehntes Kind des Ehepaares Franz und Klara Schober geboren. 1894 begann er in Wien das Studium der Rechtswissenschaft und gehörte dort dem Akademischen Gesangsverein (AGV) an (heute: fakultativ schlagende Universitäts-Sängerschaft Barden zu Wien).

1898 trat er seinen Dienst als Polizeibeamter in Wien an. Als Polizeirat war er u. a. einer der führenden Ermittler in der 1913 enthüllten Spionageaffäre um den Leiter des Evidenzbüros, Alfred Redl, und trug maßgeblich zur Aufklärung bei.

Schober war, mit Unterbrechungen aufgrund seiner Amtszeiten als Bundeskanzler bzw. Vizekanzler, vom 11. Juni 1918 bis zu seinem Tod Leiter der Bundespolizeidirektion Wien, seit 30. November 1918 als Polizeipräsident. Noch von der k.k. Regierung mit der Leitung der k.k. Polizeidirektion betraut, hatte er fünf Monate später den Übergang zum neu gegründeten Staat Deutschösterreich zu begleiten, dessen Staatsrat (mit Staatskanzler Karl Renner) ihn definitiv zum Polizeipräsidenten bestellte. In dieser Funktion war er für die blutige Niederschlagung der Julirevolte 1927 verantwortlich, die von der Regierung Seipel als unvermeidlich und von Gegnern wie Karl Kraus (Plakattext: Ich fordere Sie auf abzutreten.) als unverzeihlich betrachtet wurde.

Am 21. Juni 1921 wurde er österreichischer Bundeskanzler und bildete eine Regierung, in der mehrheitlich Beamte vertreten waren, die von der Christlichsozialen und Großdeutschen Partei unterstützt wurde.

Schober war gleichzeitig Außenminister. Am 13. Oktober 1921 unterzeichnete er das „Protokoll von Venedig“, mit dem die Durchführung einer Volksabstimmung über die Zugehörigkeit von Ödenburg (ungarisch Sopron) vereinbart wurde. Am 16. Dezember 1921 schloss er auf Schloss Lány bei Prag mit der Tschechoslowakei einen Vertrag über die gegenseitige Anerkennung der Grenzen. Weil Schober damit auf das Selbstbestimmungsrecht der Sudetendeutschen verzichtet hatte, verließen die großdeutschen Minister die Regierung und Schober trat am 26. Januar 1922 zurück.

Von 26. bis 27. Januar 1922 leitete einen Tag lang Walter Breisky als Bundeskanzler das Kanzleramt. Bereits am 27. Januar 1922 jedoch konnte Schober seine neue Regierung vorstellen, die wieder aus Beamten und drei Ministern der Christlichsozialen Partei bestand. Schober wurde gleichzeitig Innenminister. Da Sozialdemokraten und Großdeutsche im Parlament einen Zusatzkredit ablehnten, trat Schober am 24. Mai 1922 mit seiner Regierung zurück. Anschließend wurde er der erste Präsident der am 10. September 1923 gegründeten Interpol.

Am 26. September 1929 wurde Schober zum dritten Mal Bundeskanzler und bildete eine Regierung aus parteilosen Ministern und Vertretern der Christlichsozialen, Großdeutschen Partei und des Landbundes. Am 7. Dezember 1929 wurde vom Parlament einstimmig eine Verfassungsreform beschlossen, durch die der Bundespräsident mehr Rechte erhielt. Am 20. Januar 1930 erreichte Schober die Abschaffung der Reparationszahlungen, die wegen der Niederlage im Ersten Weltkrieg verhängt worden waren. Dadurch wurden die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise 1929 abgeschwächt. Am 6. Februar 1930 unterzeichnete er einen Freundschaftsvertrag zwischen Österreich und Italien und schloss ein Handelsabkommen mit Deutschland. Er scheiterte beim Versuch, die Wehrverbände Schutzbund und Heimwehr zu entwaffnen. Die Heimwehr reagierte am 18. Mai 1930 im Korneuburger Eid mit einer Absage an den demokratischen Parlamentarismus. Die Ausweisung des deutschen Staatsbürgers und Heimwehrführers Waldemar Pabst am 15. Juni 1930 führte zum endgültigen Bruch mit der Heimwehrbewegung. Der Rücktritt des christlichsozialen Vizekanzlers Carl Vaugoin zwang Schober am 25. September 1930, mit seiner Regierung zurückzutreten.

Bei der Nationalratswahl am 9. November 1930 war er Listenführer des Wahlbündnissen aus Nationalem Wirtschaftsblock und Landbund („Schober-Block“) und erreichte 19 Mandate. Vom 4. Dezember 1930 bis zum 16. Juni 1931 war er Vizekanzler und Außenminister in der Regierung Ender. Er führte im März 1931 mit dem deutschen Außenminister Julius Curtius geheime Verhandlungen über eine Zollunion. Der Vertrag wurde am 19. März unterzeichnet, durch eine Indiskretion wurden die Pläne in der Presse bekannt gemacht. Frankreich, Italien und die Tschechoslowakei legten Proteste dagegen ein und am 3. Oktober 1931 erklärte Schober vor dem Völkerbund in Genf, dass die Zollunion nicht mehr weiter verfolgt würde.

Am 20. Juni 1931 wurde er wieder Vizekanzler und Außenminister in der Regierung Buresch. Da die Angriffe der Christlichsozialen Partei auf ihn immer stärker wurde, trat er am 27. Januar 1932 mit der Großdeutschen Volkspartei aus der Koalitionsregierung aus. Bei den Landtagswahlen am 24. April 1932 in Wien, Niederösterreich und Salzburg verlor die Großdeutsche Volkspartei fast alle Stimmen an die Nationalsozialisten. Als Engelbert Dollfuß am 10. Mai 1932 mit einer Regierungsbildung beauftragt wurde, lehnte Schober eine Koalition ab.

Wenige Tage nach dem Ableben von Ignaz Seipel (2. August) starb Johann Schober am 19. August 1932 überraschend im Alter von 57 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Perg. Am Tag seines Begräbnisses, dem 24. August 1932, wurde in Perg mit einstimmigen Gemeindebeschluss die frühere Badgasse in Dr.-Johannes-Schober-Straße umbenannt und im selben Jahr auch eine Straße in Wien Hietzing nach ihm benannt.

Siehe auch

Literatur

  • Jacques Hannak: Johannes Schober. Mittelweg in die Katastrophe. Porträt eines Repräsentanten der verlorenen Mitte. Europa, Wien u. a. 1966
  • Rainer Hubert: Schober. "Arbeitermörder" und "Hort der Republik". Biographie eines Gestrigen. Böhlau, Wien u. a. 1990. ISBN 3-205-05341-9
  • Wilhelm F. Kroupa (Hrsg.): Festschrift zum 50. Todestag von DDDr. h. c. Johannes Schober. Freiheitliches Bildungswerk, Wien 1982
  • A. Wandruszka: Johann Schober. In: Friedrich Weissensteiner (Hrsg.): Die österreichischen Bundeskanzler. Österreichischer Bundesverl., Wien 1983
  • Michael Gehler: Schober, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, S. 347 f. (Digitalisat).
  • G. Enderle-Burcel: Schober Johannes. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 10, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1994, ISBN 3-7001-2186-5, S. 423–425 (Direktlinks auf S. 423, S. 424, S. 425).

Weblinks