Johann Siegmund Popowitsch

Johann Siegmund Popowitsch.

Johann Siegmund Valentin Popowitsch (slowenisch: Janez Žiga Valentin Popovič; * 9. Februar 1705 in Arzlin/Arclin bei Cilli/Celje in der Untersteiermark/Spodnja Štajerska (heute in Slowenien gelegen); † 21. November 1774 in Perchtoldsdorf, Niederösterreich) war ein österreichischer Sprach- und Naturforscher und durch sein Eintreten für die Oberdeutsche Schreibsprache einer der Pioniere der österreichischen Standardvarietät der deutschen Sprache.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Popowitsch, der Sohn eines Angestellten der gräflich Schrattenbachschen Herrschaft Salloch in Krain/Kranjska wuchs zweisprachig, deutsch und slowenisch, auf. Ersten Unterricht erhielt er durch einen Geistlichen, anschließend belegte er philosophische und theologische Studien am Jesuitenkollegium in Graz. Er brach seine Studien ohne akademischen Abschluss ab und verwarf auch die Möglichkeit einer Aufnahme in den Jesuitenorden, stattdessen unternahm er eine dreijährige Reise durch die südlichen Kronländer der Habsburgermonarchie, Italien, Sizilien und Malta, wobei er weite Strecken zu Fuß zurücklegte. Im Anschluss arbeitete er 15 Jahre lang bei verschiedenen Familien in Graz und in Wien als Hofmeister (Hauslehrer). Nach einer schweren Erkrankung im Jahr 1735 gab er diese Tätigkeit auf und lebte zeitweise in ärmlichen Verhältnissen als Privatgelehrter, von 1744 bis 1746 arbeitete er als Lehrer an der Ritterakademie des oberösterreichischen Stiftes Kremsmünster (über diese Zeit äußerte er sich später negativ). In den Jahren 1747 bis 1753 lebte er erst in Regensburg, dann in Leipzig, wo er sich wissenschaftlichen Studien widmete. Auf Vermittlung des Wiener Erzbischofs Johann Joseph Graf Trautson erhielt Popowitsch im Jahr 1753 die erstmals ausgeschriebene Professur für deutsche Sprache (offiziell: für „deutsche Wechselredenheit“) an der Wiener Universität, die er bis 1766 ausübte. In dieser Funktion veröffentlichte er in offiziellem Auftrag eine Einführung in die deutsche Sprache für den Gebrauch an österreichischen Schulen (1754), die 1763 nach der Gymnasialreform in den Schulen des damals bedeutenden Piaristenordens als Norm für den Deutschunterreicht eingeführt wurde.[1] Krankheitsbedingt in den Ruhestand versetzt, verbrachte er seine letzten Lebensjahre in der niederösterreichischen Marktgemeinde Perchtoldsdorf, wo er auch begraben liegt.

Popowitsch war ein Universalgelehrter, er lieferte Beiträge zu unterschiedlichen Wissensgebieten, wobei allerdings nur ein kleiner Teil seiner Forschungsergebnisse zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden. Sein Nachlass ist teilweise verloren, der Rest wird in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien verwahrt. Popowitschs wissenschaftlichen Hauptinteressen galten einerseits der Biologie, andererseits der Sprachwissenschaft. Er selbst sah darin eine notwendige wechselseitige Ergänzung.

Biologische Forschungen

Bereits in jungen Jahren legte Popowitsch ein umfangreiches Herbarium an, das er fortlaufend auf eigenen Forschungsreisen, u.a. – damals ungewöhnlich – ins Hochgebirge erweiterte. Spezielle Interessen galten überdies Schwämmen und Pilzen. 1750 veröffentlichte er anonym seine umfangreichen Untersuchungen vom Meere.

Linguistische Forschungen

Popowitschs sprachwissenschaftliche Arbeiten gelten heute als sein Hauptwerk. Auf Basis eines von ihm selbst in jahrzehntelanger Arbeit erstellen Archivs – in Form von Zettelkästen – von Begriffen und grammatikalischen Eigenschaften des in den österreichischen Ländern und Süddeutschland gesprochenen Deutsch trat er entschieden gegen Gottscheds und Adelungs Bemühungen auf, das Meißnische bzw. sächsische Varietäten des Deutschen als „hochdeutsche“ Standardsprache durchzusetzen, was ihm heftige Angriffe der Anhänger Gottscheds eintrug. Seine Bemühungen, österreichisch-süddeutsche Varietäten als normstiftend für eine deutsche Einheitssprache festzulegen, scheiterten zwar, übten jedoch einigen Einfluss auf die Anfänge der Entwicklung und Normierung einer österreichischen Standardvarietät der deutschen Sprache aus.

Zu seinen Lebzeiten konnte Popowitsch nur kleinere sprachwissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen, seine beiden Hauptwerke erschienen erst postum: Der Versuch einer Vereinigung der Mundarten von Teutschland wurde 1780 von dem ehemaligen Jesuiten Ignaz Lethmüller herausgegeben, sein umfangreiches Wörterbuch Vocabula Austriaca et Stiriaca, wurde – auf Basis einer Abschrift des größtenteils verloren gegangenen originalen Zettelkasten-Bestandes durch den Piaristenpater Anton Wasserthal – im Jahr 2004 im Rahmen eines von der Österreichischen Nationalbank finanzierten Forschungsprojekts vom Wiener Germanistikprofessor Richard Reutner herausgegeben.

Auffällig ist, dass in der germanistischen Forschung Österreichs in den letzten Jahren und Jahrzehnten das historische Interesse an Popowitschs sprachwissenschaftlichen Arbeiten zugenommen hat, was in Zusammenhang mit einem in Österreich zunehmenden Beharren auf Eigenheiten des österreichischen Deutsch zu sehen ist (eine Reaktion auf die anwachsende Dominanz des Binnendeutschen, insbesondere in den elektronischen Medien). In der sprachhistorisch orientierten germanistischen Forschung in Deutschland wird Popowitsch dagegen bis heute weitestgehend ignoriert.

Wenig beachtet wurden bislang Popowitschs Beiträge zur Slawistik, die allerdings von zweifelhafter Qualität sind: So vertrat er die Auffassung, dass die Slowenen eigentlich slawisierte Germanen seien und ihre zu dieser Zeit noch nicht sprachwissenschaftlich normierte Sprache auf das Plattdeutsche zurückgehe; eine wissenschaftlich unhaltbare Behauptung, die später – allerdings in der Regel ohne direkte Berufung auf Popowitsch – von kärntnerischen „Deutschnationalen“ adaptiert wurde (so genannte Windischentheorie).

Zitate

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“Vorzüglich aber wäre doch zu wünschen, daß man uns vor allen Dingen des fleissigen Mannes Wörterbuch der Österreichischen Mundart lieferte.“ Johann Christoph Adelung, 1782

“Ich schätze diesen Mann ungemein, und. wünschte nicht, daß seine Arbeiten verlohren gingen: denn Alterthums-, Sprach- und Naturkenntniße waren bei ihm mit einem sehr reifen Urtheil vereinigt. [...] meinem Sinn nach müßten auch seine kleinsten Aufsätze, Briefe u. so fort gerettet werden.“ Johann Gottfried Herder, 1798

“Der Wert dieser reichen Materialsammlungen liegt erstens in ihrem Alter: es wird durch sie eine große Menge mundartlicher und umgangssprachlicher Tatsachen für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts bezeugt; zweitens in der genauen Bestimmung der Bedeutungen und in den ausführlichen sachlichen Schilderungen: Popowitsch vereinigte den Naturforscher mit dem Sprachforscher.“ Paul Kretschmer, 1918.

Werke

Literatur

  • Kurt Faninger, Johann Siegmund Valentin Popowitsch. Ein österreichischer Grammatiker des 18. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 1996. ISBN 3-631-48869-6
  • Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Band 23, Wien 1872, S. 108 - 113 [in den Details fehlerhaft].
  • Arnold Luschin-Ebengreuth, Johann Sigismund Popowitsch, in: Franz Haussmann (Hg.), Südsteiermark. Ein Gedenkbuch, Graz 1925, S. 207-223.
  • Gustav Gugitz, Johann Siegmund Valentin Popowitsch und seine Beiträge zur oberösterreichischen Volkskunde, in: Heimatgaue 18 (1937), S. 97-114. (PDF-Datei; 1,51 MB)
  • Roswitha Kornhofer, Johann Siegmund Valentin Popowitsch : Ein Leben zwischen Sprachwissenschaft und Naturwissenschaft, in: Michael Benedikt u.a. (Hg.), Verdrängter Humanismus - verzögerte Aufklärung, Band 2: Österreichische Philosophie zur Zeit der Revolution und Restauration 1750-1820, Wien 1992, S. 503-521. ISBN 3-85132-020-4

Einzelnachweise

  1. Gerda Mraz: Das Josephinische Erzherzögliche A.B.C. oder Namenbüchlein; Dortmund 1980; ISBN 3-88379-167-9, Seite 84 (Nachwort)

Weblinks