Johann von Lupul

Johann von Lupul (auch: Iancu (Ioan)/Janko) (* 9. September 1836 in Wolczynetz (Volcineț), damals Bezirk Radautz (Rădăuți); † 1922 in Czernowitz (Cernăuți) war ein österreichisch-rumänischer Lyriker und Politiker, langjähriger Reichsratsabgeordneter und Landeshauptmanns des Herzogtums Bukowina.

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Politische Tätigkeit

Der studierte Jurist und Verwaltungsbeamte engagierte sich früh in der Politik; er wurde 1864 Gemeinde- und Stadtrat in Czernowitz (bis 1888). Zwei Jahre später erlangte er ein Mandat für die Fraktion des Großgrundbesitzes im Bukowiner Landtag und wurde Beisitzer im Landesausschuss.[1] Im März 1868 unterschrieb Johann von Lupul als Stadtrat von Czernowitz und Landtagsabgeordneter die von Freiherr Alexander Wassilko von Serecki ausgearbeitete und am 19. Juni des Jahres im Abgeordnetenhaus vorgebrachte Petition der griechisch-orthodoxen Glaubensgenossen der Bukowina um Ausführung der Autonomie ihrer Kirche.[2]

Von 1885–1894 vertrat er die rumänischen Interessen als Reichsratsabgeordneter und war von 1898–1900 zweiter Vizepräsident dieses Hauses.[3][4]

Nachdem durch die Affäre um den Landespräsidenten Anton Graf Pace von Friedensberg dieser im Mai 1892 von seinem Amt zurücktreten musste, aber auch der auf der Gegenseite stark involvierte Landeshauptmann Freiherr Alexander Wassilko von Serecki nicht mehr bereit war, sein Amt weiter auszuüben, erhielt Lupul gegenüber Anton Kochanowski von Stawczan die Stimmenmehrheit bei der Nominierung des neuen Landeshauptmanns.[5] Mit der Allerhöchsten Entschließung vom 27. August 1892 übernahm er zum 1. September des Jahres die Leitung des Landtags. Er sollte erst 1904 vom Georg Wassilko von Serecki, dem Sohn des ehemaligen Landeshauptmanns, abgelöst werden.[6]

Vorgänger Amt Nachfolger
Freiherr Alexander Wassilko von Serecki Landeshauptmann des Herzogtums Bukowina
1892–1904
Graf (1918) Georg Wassilko von Serecki

Schriftstellerische Tätigkeit

Janko von Lupul war Rumäne, schrieb und dichtete jedoch in Deutsch.[7] Obwohl er jahrelang Beiträge zum „Sonntagsblatt der Bukowina“ lieferte und auch mit dem Buch „Streiflichter Czernowitz 1902“ Prosa verfasste,[8][9] war er in erster Linie Lyriker. Er gilt stilistisch in der Nachfolge Heinrich Heines und Nikolaus Lenaus.[10]

Literatur

  • Biographisches Lexikon (ÖBL), Lupul, Janko (Iancu) (von) (1836–1922), Band 5
  • Mihai-Ştefan Ceauşu, Czernowitz, 1892. In: Wladimir Fischer (Hrsg.), Waltraud Heindl: Räume und Grenzen in Österreich-Ungarn 1867-1918: kulturwissenschaftliche Annäherungen. Francke Verlag, 2010, ISBN 3-772-08239-4
  • Natalia Shchyhlevska: Deutschsprachige Autoren aus der Bukowina. Band 55 von Studien zur Deutschen und Europäischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Verlag P. Lang, 2004

Einzelnachweise

  1. Hof- und Staats-Handbuch der österreichisch-ungarischen Monarchie, 1876
  2. Stenographische Protokolle über die Sitzungen des Hauses der Abgeordneten des Reichsrathes, Band 4, K. K. Hof- und Staatsdruckerei., Wien 1869, S. 4079 ff
  3. zeno.org, Meyers Großes Konversations-Lexikon: Lupul, Johann
  4. Meyers-1905-Bd-12 , Seite 863
  5. Mihai-Ştefan Ceauşu, Czernowitz, 1892. In: Wladimir Fischer (Hrsg.), Waltraud Heindl: Räume und Grenzen in Österreich-Ungarn 1867–1918: kulturwissenschaftliche Annäherungen. Francke Verlag, 2010, S. 409, hier S. 33 ff.
  6. Laibacher Zeitung vom 1. September 1892
  7. Karl Kurt Klein: Literaturgeschichte des Deutschtums im Ausland“, darin enthalten Band 4 von Friedrich Vogt: Geschichte der Deutschen Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Bibliographisches Institut, 1939, S. 221
  8. Isabel Röskau-Rydel: Galizien, Bukowina, Moldau – Deutsche Geschichte im Osten Europas, Verlag Siedler, 1999, S. 421 ff
  9. bmukk.gv.at, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur: Restitution Report 2002/2003, in englischer Sprache
  10. Biographisches Lexikon (ÖBL), Lupul, Janko (Iancu) (von) (1836-1922), Schriftsteller (Bd. 5 (Lfg. 24), S. 372)