Johann von Reuschenberg

Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich, besser als Johann von Reuschenberg bekannt, (getauft am 29. März 1603 [1] in Setterich; † 31. März 1660[2] in Köln) war Obrist, Kriegsrat, sowie bayerischer und kaiserlicher Feldmarschall während des Dreißigjährigen Kriegs.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Freiherrliches Wappenschild von Reuschenberg zu Setterich 1639

Johannes Ernst von Reuschenberg stammte aus der Linie Setterich des Adelsgeschlechts von Reuschenberg und wurde als nachgeborener Sohn 1603 auf Burg Setterich geboren. Im Jahr 1625 wurde er in Alden Biesen zum Deutschordensritter aufgeschworen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde er erstmals 1632 als Obristlieutenant unter dem Befehl von Gottfried Huyn von Geleen erwähnt. Das Kommando über die Festungsstadt Wolfenbüttel übernahm Reuschenberg von Geleen im Jahr 1634. Im 31. Dezember 1635 wurde er vom bayerischen Kurfürsten Maximilian I. zum Obristen zu Fuß und zu Ross befördert. Seine Aufgabe war es, die Festung als einzigen namhaften Stützpunkt des Kaisers östlich der Weser zu sichern. [3]

Fast 10 Jahre lang konnte von Reuschenberg die Festung durch diplomatisches und militärisches Geschick, auch mit Unterstützung von Levin Zanner (genannt „Rittmeister Immernüchtern“) und dessen Reitertruppe, behaupten. Bei drei feindlichen Belagerungen in den Jahren 1632 bis 1634 und 1641 (als durch den sogenannten „Schwedendamm“ die Oker aufgestaut wurde, um Wolfenbüttel zu überfluten) verteidigte er die Festung. Seine Besatzungstruppe bestand zeitweise aus 1200 Fußsoldaten und 200 Reitern. Auf den Festungswällen war Platz für mindestens 90 großkalibrige Kanonen.[4]

Für seine Verdienste wurde er am 3. September 1639 vom Kaiser Ferdinand III. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Die Urkunde mit der vergoldeten kaiserlichen Siegelkapsel wird heute im Staatsarchiv Pilsen aufbewahrt.[5]

Im September 1641 wurde die Belagerung Wolfenbüttels aufgehoben. Von Reuschenberg, inzwischen zum Generalwachtmeister befördert, war danach noch zwei weitere Jahre Festungskommandant, ehe er Wolfenbüttel auf kaiserlichen Befehl im September 1643 verließ. Bis zum Westfälischen Frieden von 1648 war von Reuschenberg auf kaiserlicher Seite an weiteren Gefechten und diplomatischen Verhandlungen beteiligt. Unter anderem zeichnete er sich 1645 in der Schlacht bei Mergentheim aus. Er wurde zum Feldzeugmeister und schließlich zum Feldmarschall befördert. Den von ihm angestrebten Oberbefehl über die bayerische Armee erhielt er allerdings nicht.

Nach Kriegsende wirkte von Reuschenberg noch als kaiserlicher Hofskriegsrat, Feldmarschall und Kommandant von Graz und unterstützte 1651 den Pfalzgrafen von Neuburg bei einer Fehde gegen Kurbrandenburg.[6] 1660 starb er in Köln.

Bedeutung

Aus heutiger Sicht wird Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg als angesehener Heerführer im Dreißigjährigen Krieg charakterisiert, der vor allem als langjähriger, energischer und umsichtiger Festungskommandant der Wasserburg Wolfenbüttel Bedeutung erworben habe.[7]

Literatur

  • Reuschenberg, Bernd: „Jesus Maria und kein Quartier!“ Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich in den Reichsfreiherrenstand erhoben in: Jahrbuch Nr. 2 / 2011-12 des Geschichtsverein Baesweiler, 2012, S. 29 - 45.
  • Ehrenpreis, Stefan, Feldmarschall Johann von Reuschenberg auf Morsbroich. Ein adeliger Landsitz nach dem Dreißigiährigen Krieg, in: Niederwupper – Historische Beiträge, Bergisch Gladbach 1994, Bd. 14, S. 21-25.
  • Heilman, J.: Kriegsgeschichte von Bayern, Franken, Pfalz und Schwaben von 1506 bis 1651, Band 2, München 1868, S. 1115.
  • Dieter Lent: Reuschenberg, Johann von. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u.a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 8. bis 18. Jahrhundert. Appelhans, Braunschweig 2006, ISBN 3-937664-46-7, S.584f. (mit Porträtbild)

Der Beitrag von Bernhard von Poten: Reuschenberg, Johann von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 296–298. ist teilweise fehlerhaft und Bedarf einer Überarbeitung.

Einzelnachweise

  1. Kirchenbuch St. Andreas/Setterich, Archiv Geschichtsverein Baesweiler, Transkription Leo Grotenrath.
  2. Vgl. Schlager, Patricius P.: Zur Geschichte der Franziskanerobservanten und des Klosters "ad olivas" in Köln in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das Alte Erzbistum Köln, 82. Heft, Köln 1907, S. 65.
  3. Vgl. Reuschenberg, Bernd: „Jesus Maria und kein Quartier!“ Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich in den Reichsfreiherrenstand erhoben in: Jahrbuch Nr. 2 / 2011-12 des Geschichtsverein Baesweiler, 2012, S. 29 - 33. .
  4. Vgl. Dieter Lent: Reuschenberg, Johann von. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u.a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 8. bis 18. Jahrhundert. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, S.584 m.w.Nachw.
  5. Staatsarchiv Pilsen/Tschechien, Familienarchiv Coudenhove, L 243.
  6. Vgl.Bernhard von Poten: Reuschenberg, Johann von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 296–298.
  7. Vgl. Dieter Lent: Reuschenberg, Johann von. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u.a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 8. bis 18. Jahrhundert. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, S.584f.