Josef Ahrer

Josef „Sepp“ Ahrer (* 30. August 1908 in St. Ulrich[1]; † 17. Februar 1934 in Steyr[1]) war ein österreichischer Sozialdemokrat und Revolutionär, der als einziger Beteiligter der Februarkämpfe in Steyr zum Tod verurteilt und hingerichtet wurde.

Ahrers erlernter Beruf war Bauschlosser, doch war er zur Zeit der Februarkämpfe arbeitslos. Er war wohnhaft in Steyr und ledig.[1] Im Rahmen des Aufstandes vom 12. Februar 1934 war es auch in Steyr zu Aufruhr und Gewalttaten gekommen, darunter die Erschießung des Direktors der Steyr-Werke Dr. Herbst im fahrenden Auto und der Mord an Johann Zehetner und Josefine Nagelseder. Für letztere Tat wurde der junge Sozialdemokrat Ahrer am 17. Februar 1934 durch ein rasch einberufenes Standgericht in Steyr gestellt, für schuldig befunden und zum Tod durch den Strang verurteilt.[2]

In der Niederschrift des Prozesses heißt es “... über den Antrag des Staatsanwaltes auf Bestrafung des Beschuldigten wegen der Verbrechen des Aufrührens nach Paragraph 72, 74 StG und des Mordes nach Paragraph 134, 135 StG zu Recht erkannt ... er wird gemäß Paragraph 136 StG Abs. 1 StPO zur Strafe des Todes durch den Strang und gemäß Paragraph 369 StPO zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt ... das Verbrechen des Aufrührens nach Paragraph 73 StG begangen zu haben, gemäß Paragraph 259 2.3 StPO freigesprochen.”[1]

Die Hinrichtung im Schloss Lamberg[3] wurde am späten Abend des gleichen Tages durch den Scharfrichter Franz Wurm am Würgegalgen vollzogen.[1] Aus dem Protokoll des Standgerichtes, verfasst am 17. Februar 1934 um 23 Uhr 46 Minuten geht hervor, dass “der wegen Verbrechen des Mordes verurteilte Ahrer um 23 Uhr 23 Minuten durch den Scharfrichter Franz Wurm durch den Strang hingerichtet wurde. Der Eintritt des Todes wurde durch den Gerichtsarzt Dr. Anton Hain um 23 Uhr 45 Minuten festgestellt. Dem bei der Hinrichtung von Ahrer Josef am 17. Februar 1934 anwesenden Sachverständigen Gerichtsarzt Dr. Anton Hain wurde eine Gebühr von Schilling 20 zugesprochen. Derselbe hatte auf Rücksicht auf die Nachtzeit (23 Uhr 23 bis 23 Uhr 45) einen Betrag von 30 Schilling angesprochen. Auf Beschluss des Kreisgerichtes Steyr wurde Dr. Anton Hain ein Betrag von 32.40 Schilling zuerkannt.”[1]

Nach der Hinrichtung Ahrers wurde seine Leiche den Verwandten zur Bestattung übergeben. Sein noch heute bestehendes Grab befindet sich am Urnenfriedhof am Tabor in Steyr.[4]

Am gleichen Tag wie Josef Ahrer in Steyr wurde, ebenfalls im Zusammenhang mit den Februarkämpfen, in Graz der Schutzbundführer und Metallgewerkschafter Josef Stanek zum Tod verurteilt und hingerichtet;[5] als Scharfrichter dürfte hier Johann Lang fungiert haben. In Oberösterreich wurden nach den Februarkämpfen insgesamt vier Todesurteile verhängt, von denen zwei vollstreckt wurden. Das zweite betraf den Schutzbündler Anton Bulgari, der am 22. Februar 1934 durch ein Standgericht in Linz verurteilt und hingerichtet wurde. Ein trauriges Kapitel sind in diesem Zusammenhang die Begründungen, mit denen Justizminister Kurt Schuschnigg eine Begnadigung verweigerte, nämlich die Notwendigkeit, ein Exempel zu statuieren, obwohl die beiden keinesfalls zweifelsfrei als Haupttäter überführt waren.[2]

Das Verfahren gegen Ahrer wird heute als recht willkürlich geführt[2] bewertet, die Tat selbst als wohl privat motiviert[2], und die Verurteilung erfolgte aufgrund einer erwiesenermaßen falschen Zeugenaussage[4] seines Nachbarn. Insgesamt ist unklar, ob und in welchem Umfang Ahrer an der ihm zur Last gelegten Tat überhaupt involviert war. Ahrers Beteiligung an den Februarkämpfen auf der Seite der Sozialdemokraten ist hingegen unumstritten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sepp-Ahrer-Straße in Steyr nach ihm benannt. Sie verläuft in Münichholz westlich der Punzerstraße.[3]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f http://ooe.kpoe.at/news/article.php/20080211115405898 Josef Ahrer auf ooe.kpoe.at
  2. a b c d http://www.ooegeschichte.at/index.php?id=1663&print=1&no_cache=1 Im Schatten des Bürgerkriegs von 1934
  3. a b http://www.ris.at/homes/magsteyr/strassen/A.htm Die Strassennamen in Steyr
  4. a b http://steyrerpioniere.wordpress.com/2011/10/09/josef-ahrer/ Josef Ahrer
  5. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Stanek_Josef_1883_1934.xml Josef Stanek (1883-1934)