Josef Ferrari

Josef Alexander Heinrich Ferrari (* 10. Juni 1907 in Bozen; † 16. April 1958 in Bozen) war Schulamtsleiter in Südtirol.

Leben

Ferrari stammte aus einer Arbeiterfamilie und wurde 1907 in Bozen geboren. Trotz des frühen Todes seines Vaters ermöglichte ihm seine Mutter den Besuch des Franziskanergymnasiums Bozen. 1926 erlangte er an diesem die Matura. Anschließend besuchte er das Priesterseminar in Trient, am 21. März 1931 wurde er zum Priester geweiht. In der Folge wirkte als Kooperator in St. Ulrich in Gröden, Neumarkt und Meran. Ab 1934 war er als Diözesanassistent der Katholischen Aktion tätig und verstand es in dieser Funktion, besonders die Jugend anzusprechen.[1]

Als Gegner der Südtiroler Option für die Auswanderung nach Deutschland kam er nach der deutschen Besetzung des Landes 1943 ins Gefängnis nach Innsbruck. Monate später wurde er auf Intervention von Freunden nach St. Josef am Kalterer See verbannt.[1]

Nach dem Krieg wurde Josef Ferrari Vizeschulamtsleiter für das Ressort deutsches Schulwesen in Südtirol, allerdings unter der Oberaufsicht eines italienischen Kollegen. Als solcher erwarb er sich große Verdienste beim Wiederaufbau der deutschen Schule im Lande nach der faschistischen Italianisierungspolitik. Er verstand es die Balance zwischen den zuständigen Stellen in Rom und der Südtiroler Volkspartei zu halten, der Vertretung der deutschsprachigen Bevölkerung im Lande. Er befürwortete gegen eine breite Opposition die Einführung der neuen Einheitsmittelschule, die auch der ländlichen Bevölkerung den Weg zu einer höheren Schulausbildung ebnen sollte.[2]

In der Öffentlichkeit trat Josef Ferrari verhältnismäßig wenig hervor. Mit Entschiedenheit, aber stets ruhig und sachlich, vertrat er bei den Behörden den Standpunkt der deutschen Schule. Durch seine Verhandlungsfähigkeit erreichte er trotz seiner außerordentlich schwierigen Position sehr viel und baute praktisch aus dem Nichts mit einigen Schulleuten das deutsche Schulsystem in Südtirol auf. Trotz einer bereits langjährigen Krankheit arbeitete er unermüdlich bis zu seinem Lebensende am 16. April 1958.[1]

In Meran ist das Pädagogische Gymnasium „Josef Ferrari“ nach ihm benannt,[3] in Bruneck gibt es eine Josef Ferrari Straße, die Caritas benannte in Caorle eine Kinderferiensiedlung nach ihm.[4]

Literatur

  •  Südtiroler Kulturinstitut (Hrsg.): Josef Ferrari: 1907–1958. Athesia, Bozen 1983.
  •  Hochw. Josef Ferrari 1907–1958: der Bahnbrecher und sein Erbe. In: Der Schlern. 82, 2008 (Aufsatzsammlung).

Einzelnachweise

  1. a b c Peter Kollmann: Zum 100. Geburtstag von Josef Ferrari, dem ersten Schulamtsleiter der deutschen Schule in Südtirol. Südtiroler Lehrerverbände. Abgerufen am 27. Juni 2011.
  2.  Leo Hillebrand: Mühsamer Neubeginn. Von den Deutschen Sprachkursen zur Nachkriegsschule. In: Gottfried Solderer (Hrsg.): Das 20. Jahrhundert in Südtirol. Totaler Krieg und Neubeginn. Band III: 1940-1959, Edition Raetia, Bozen 2002, ISBN 88-7283-152-0, S. 218–235.
  3. Josef Ferrari. Pädagogische Gymnasium „Josef Ferrari“ Meran. Abgerufen am 27. Juni 2011.
  4. Die Geschichte der Kinderferiensiedlung "Josef Ferrari". Caritas Bozen. Abgerufen am 27. Juni 2011.