Josef Gerl

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen österreichischen Baumeister und Architekten siehe Josef Gerl (Architekt)
Foto von Josef Gerl, mit Kommentaren nach seinem Tod
Todesanzeige

Josef Julius Gerl (* 13. Februar 1912 in Wien; † 24. Juli 1934 ebenda) war ein österreichischer Sozialist.

Biografie

Gerls Familie stammte aus Böhmen und kam noch während der Donaumonarchie nach Wien. Josef Gerl machte eine Lehre als Goldschmied; nach Abschluss der Lehre und der gesetzlichen Behaltefrist wurde er jedoch entlassen. Die Wirtschaftskrise entzog ihm jegliche Lebensgrundlage.

Josef Gerl war seit 1929 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und aktiv in der SAJ-Gruppe „Prater“ in Wien Leopoldstadt. Er beteiligte sich an den Kämpfen in Österreich im Februar 1934, floh danach in die Tschechoslowakei und kehrte bald darauf wieder nach Österreich zurück, um den Kampf gegen den Austrofaschismus aufzunehmen. Er erklärte später in der Gerichtsverhandlung, dass er „nicht mehr so fest im Rahmen der Sozialdemokratie“ sei, sondern mit den Nationalsozialisten sympathisiere.[1]. Dies war allerdings möglicherweise nur eine Schutzbehauptung, da der Anschlag – so Gerl im Verhör unmittelbar nach seiner Festnahme – zum Nutzen der Sozialdemokratie den Nationalsozialisten angelastet werden sollte.[2]

Am Abend des 20. Juli 1934 verübte er zusammen mit dem Hutmachergehilfen Rudolf Anzböck einen Sprengstoffanschlag auf eine Signalanlage der Donauuferbahn, der nur geringen Schaden verursachte. Anschließend wollten Gerl und Anzböck in die Tschechoslowakei fliehen, versäumten aber den letzten Zug um einige Minuten. So verbrachten beide die Nacht zum 21. Juli 1934 in einem nahe dem Ostbahnhof gelegenen Kaffeehaus und nach dessen Sperre im Freien. Gegen 4 Uhr früh wurde der patrouillierende Polizei-Oberwachmann Ferdinand Forstner in einer Parkanlage am Keplerplatz in Wien-Favoriten auf die beiden aufmerksam und kontrollierte ihre Ausweispapiere. Als Forstner schließlich noch eine Leibesvisitation vornehmen wollte, zog Gerl plötzlich eine Pistole, feuerte zweimal auf den Wachmann und verletzte ihn lebensgefährlich. Gerl und Anzböck konnten nach einer dramatischen Verfolgungsjagd festgenommen werden. Im anschließenden Polizeiverhör gestanden sie das Sprengstoffattentat, das ihnen ansonsten kaum nachzuweisen gewesen wäre.

Wegen der zumeist von illegalen Nationalsozialisten verübten Sprengstoffanschläge der vorangegangen Wochen und Monate hatte das Dollfuß-Regime am 12. Juli 1934 für die Durchführung von Sprengstoffattentaten und den bloßen illegalen Besitz von Sprengstoff die Verhängung der Todesstrafe im standrechtlichen Verfahren beschlossen. Aus diesem Grund verurteilte ein Standgericht Gerl und Anzböck am 24. Juli 1934 zum Tode. Rudolf Anzböck wurde vom Bundespräsident begnadigt, Josef Gerl hingegen am selben Tag am Würgegalgen gehängt. [3]

Das Grab Gerls befindet sich im Urnenhain der Feuerhalle Simmering (Abteilung 8, Ring 2, Gruppe 2, Nummer 23). Im Spanischen Bürgerkrieg erhielt eine aus Österreichern gebildete Kompanie der Internationalen Brigaden den Namen "Josef Gerl". [4] 1949 wurde der 1931 in der Stromstraße 39-45 im 20. Wiener Gemeindebezirk (Brigittenau) errichtete Gemeindebau nach Josef Gerl umbenannt.

Der 33-jährige Polizist Ferdinand Forstner erlag am 10. August 1934 den schweren Verletzungen, die Josef Gerl ihm zugefügt hatte. [5] Sein Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof bei der Gedenkstätte für die Opfer der Exekutive des Jahres 1934 (Gruppe 71F).

Einzelnachweise

  1. Das Kleine Blatt vom 25. Juli 1934.
  2. Widerstand aus Begeisterung für Hitler und Stalin? von Doron Rabinovici der standard vom 2. März 2010.
  3. Vgl. zu Tathergang und Prozessverlauf die Berichte in den Tageszeitungen vom 25. Juli 1934. [1]
  4. Vgl. Spanienarchiv des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Einleitender Text von Hans Landauer, S. 22. (PDF)
  5. Siehe Kleines Blatt, 11. August 1934, S. 6.

Weblinks