Josef Lang (Henker)

Josef Lang (* 11. März 1855 in Simmering bei Wien; † 21. Februar 1925 ebenda) war Scharfrichter in Österreich. Er übte dieses Amt von 1900 bis zum Ende der Monarchie 1918 aus und vollstreckte in dieser Zeit 39 Todesurteile.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Ausbildung

Josef Lang wurde in Simmering geboren und erlernte das Tischlerhandwerk. Nach dem Militärdienst und einigen Jahren als Heizer bei der damals britischen Wiener Gasgesellschaft hatte er genug gespart, um sich in Simmering ein kleines Kaffeehaus kaufen zu können. Als Kaffeehausbesitzer war er bald eine bekannte Persönlichkeit in dem damals kleinen Vorort von Wien. Lang war zudem Mitglied der „Freiwilligen Simmeringer Turner-Feuerwehr“. Da er mehrmals als Lebensretter in Erscheinung trat, war Lang auch häufiger in den Zeitungen zu finden.

Der Weg zum Amt

Zu den Stammgästen in Langs Kaffeehaus gehörte auch der Wiener Scharfrichter Karl Sellinger (1862–1899), der vom Hauptberuf eigentlich Milchhändler gewesen war. Er überredete den kräftig gebauten Lang, ihm bei Hinrichtungen als Gehilfe zur Seite zu stehen. Lang assistierte in Folge bei mehreren Hinrichtungen, wie er selbst sagte „aus Sport, ohne Bezahlung“. Als Sellinger starb, war die Stelle des Wiener Scharfrichters nachzubesetzen. Da die von anderen Personen eingereichten Bewerbungen nicht die Zustimmung der Behörden fanden, erinnerte man sich des „athletischen Gehilfen“ von Sellinger und machte Lang durch polizeiliche Ermittlungsarbeit ausfindig. Lang hatte ursprünglich die Absicht gehabt, sich als Nachfolger zu bewerben, hatte es aber unterlassen, ein Bewerbungsschreiben zu schicken, da er mit 45 Jahren zu alt für den Eintritt in den Staatsdienst war (lt. Dienstpragmatik konnte in der k. u. k. Monarchie niemand Beamter werden, der älter als 40 Jahre war). Eine Ausnahmeregelung war aber in diesem speziellen Fall kein Problem und Lang wurde mit Dekret vom 27. Februar 1900 zum Henker von Wien ernannt. Mit der Ernennung musste er allerdings sein Kaffeehaus aufgeben und verlor damit seine bürgerliche Existenz, da es Beamten damals verboten war, privatwirtschaftliche Betriebe zu führen.

Tätigkeit als Scharfrichter

Josef Lang nach der Hinrichtung von Cesare Battisti am Würgegalgen

Als Scharfrichter von Wien war Lang zuständig für Hinrichtungen im ganzen damaligen Cisleithanien, mit Ausnahme des Königreichs Böhmen sowie der Okkupationsgebiete Bosnien und Herzegowina.

Einem Zeitungs-Nachruf der Wiener „Arbeiter-Zeitung“ zufolge hat Lang insgesamt 39 Menschen durch Erhängen hingerichtet. Hatte Lang von 1900 bis 1914 nicht viele Urteile zu vollstrecken – der greise Kaiser Franz Josef machte fast immer von seinem Gnadenrecht Gebrauch – so wurde Lang im Ersten Weltkrieg öfter eingesetzt, um Spione und Verräter hinzurichten. Dabei wurde er 1916 bei der Hinrichtung des Italieners Cesare Battisti hinter dem Richtpfahl photographiert. Das Bild[1] des „lachenden österreichischen Henkers“ ging um die Welt.

Alle 39 Hinrichtungen vollzog Lang nach der im Österreich zu dieser Zeit üblichen Methode der Strangulation am Würgegalgen; die angelsächsische Erhängungsmethode des Sturzes durch eine Falltür kannte und missbilligte er, weil sie seiner Meinung nach unnötig große und lang dauernde Qualen verursache. Eine Hinrichtungsdauer von mehr als einer Minute hielt er für eine „rohe Abschlachtung“ und war überzeugt, dass die Strangulation bei seiner Methode „nicht die mindesten Schmerzen“ bereite, ja vielmehr „angenehme Gefühle“ auslöse. Als Beweis führte er einen Strangulierungsversuch an, den er einmal durch seine Gehilfen an sich habe vornehmen lassen.

Im Ruhestand

Grab Josef Langs und seiner Familie auf dem Simmeringer Friedhof in Wien

Mit dem Ende der Monarchie in Österreich und der Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 1918 wurde Lang außer Dienst gestellt.

Er erhielt in den folgenden Jahren eine kleine Rente und arbeitete als Hausmeister in Wien in der Gottschalkgasse 1 (Simmering). Lang war bis zum Schluss selbstbewusst und überzeugt, als Henker gute Arbeit geleistet zu haben.

Als Lang 1925 starb, wurde er auf dem Simmeringer Friedhof in Wien beerdigt; dabei gaben ihm 10.000 Wiener das letzte Geleit. Die häufig verbreitete Geschichte, dass Lang Selbstmord beging, ist nicht wahr.

Nach der Wiedereinführung der Todesstrafe 8 Jahre nach Josef Langs Tod wurde sein Neffe Johann Lang ebenfalls zum Scharfrichter ernannt.

Rezeption

Status in der Gesellschaft

Lang genoss bei seinen Mitmenschen ein hohes gesellschaftliches Ansehen, und war – im Gegensatz z.B. zu den Henkern in Großbritannien – eine Person des öffentlichen Lebens. Wenn er in kleinen Provinzstädten der Monarchie seinem Gewerbe nachging, wurde er am Bahnhof oft wie ein Staatsgast empfangen und die gesamte Bevölkerung war auf den Beinen, um den Henker zu sehen. Die Zeitungen berichteten über ihn mit Foto und Lang wurde zu Abendgesellschaften eingeladen, bei denen er bereitwillig über seine Erlebnisse berichtete. Sein Erfolg bei der Damenwelt war „legendär“. Auch dem bekannten „rasenden Reporter“ Egon Erwin Kisch gab Lang ein Interview, in dem er ausführlich über seine Profession berichtete.

Einpersonenstück

Gerhard Dorfer und Anton Zettel dramatisierten Anfang der 70er Jahre das Leben und Wirken Langs als satirisches Einpersonenstück.[2] Es wurde am 18. April 1971 vom Autor Gerhard Dorfer in der Rolle des Josef Lang am Theater am Neumarkt in Zürich zur Uraufführung gebracht. Regie führte Peter Schweiger. Die österreichische Erstaufführung fand unter der Mitwirkung von Anton Zettel im November 1971 in Graz mit Fritz Holzer als Josef Lang statt. In Wien wurde das Stück im Oktober 1972 im Kellertheater der Josefstadt (Kleines Theater im Konzerthaus) mit Felix Dvorak in der Hauptrolle aufgeführt. Peter Lodynski inszenierte das „aus alten Quellen wahrheitsgemäss nacherzählte“ Monodrama um einen Henker, der nach Abschaffung der Todesstrafe „die Welt nicht mehr versteht“ (Zettel). Viele andere Theater von Bremerhaven bis zum Stadttheater Klagenfurt spielten das auch heute noch aufgeführte Stück nach. Von der Produktion des Theaters in der Josefstadt mit Felix Dvorak gibt es eine Schallplatte und eine Fernsehaufzeichnung des ORF. Nach der Funkfassung von Radio Wien ist eine CD mit Helmuth Qualtinger als Scharfrichter Lang bei Spray Records erschienen. (Funkregie Hans Krendlesberger) Das ZDF produzierte auf der Basis des Monodramas ein Fernsehspiel unter der Regie von Heinz Schirk, in dem Georg Corten als Josef Lang zu sehen war.

Literatur

  • Seyrl, Harald [Hg.]: Die Erinnerungen des österreichischen Scharfrichters. Erw., kommentierte u. ill. Neuaufl. d. 1920 ersch. Lebenserinnerungen des k.k. Scharfrichters Josef Lang, Wien 1996, ISBN 3-901697-02-0

Fußnoten

  1. [1]
  2. Josef Lang k. u. k. Scharfrichter: Historie von eines ehrsamen Bürgers Leben u. Wirken zwischen Schlachthaus u. Zentralfriedhof der weiland k. u. k. Haupt- u. Residenzstadt Wien aus alten Quellen wahrheitsgemäss nacherzählt von Gerhard Dorfer und Anton Zettel (1974)

Weblinks

 Commons: Josef Lang (Henker) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien