Josef Mitterer

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Josef Mitterer (* 1948 in Westendorf) ist ein österreichischer Philosoph und Außerordentlicher Professor am Institut für Philosophie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Er studierte Psychologie und Soziologie in Innsbruck und Linz sowie Philosophie in Graz mit "Ausflügen" an die London School of Economics, nach Heidelberg und nach Dubrovnik. 1976 hielt sich Mitterer in Berkeley bei Paul Feyerabend auf und entwickelte dort die "nicht-dualisierende Redeweise". 1978 promovierte er an der Universität Graz bei Rudolf Haller. Danach war Mitterer im Tourismus als Reiseleiter in Europa, den USA und Asien tätig, seine Erfahrungen flossen später in den Aufsatz "Die Wirklichkeit auf Reisen" ein. Seit 1990 lehrt Mitterer Philosophie an der Universität Klagenfurt, er hatte Gastdozenturen in Innsbruck und Laibach inne. Wichtigste Veröffentlichungen: "Das Jenseits der Philosophie" (³2000); "Die Flucht aus der Beliebigkeit" (²2001); "Die Richtung des Denkens" (in Vorbereitung).

Mitterers Hauptwerk "Das Jenseits der Philosophie" wurde zwischen 1973 und 1978 geschrieben, aber erst 1992 in der "Edition Passagen" veröffentlicht.

In diesem auf seiner Dissertation basierenden Buch entwickelt Mitterer eine non-dualistische Erkenntnistheorie, die auf die kategoriale Unterscheidung von Sprache und sprachverschiedener Wirklichkeit verzichtet. In "Die Flucht aus der Beliebigkeit" (2001), seiner Habilitationsschrift, setzt er sich kritisch mit dem Erkenntnisziel der Wahrheit auseinander.

Zur Wirkung: In Österreich beschäftigt sich der Salzburger Medienwissenschaftler Stefan Weber seit mehreren Jahren mit Mitterers Philosophie (Habilitationsschrift "Non-dualistische Medientheorie", Universität Wien, 2005 sowie zahlreiche weitere Publikationen zum Thema). Die Philosophie Mitterers ist auch ein Thema im neueren distinktionstheoretischen Konstruktivismus von Siegfried J. Schmidt (Universität Münster). An der Universität Torun (Polen) setzen sich Krzysztof Abriszewski und Ewa Binczyk mit der "nicht-dualisierenden Redeweise" auseinander.

Non-Dualismus

Der Non-Dualismus bzw. die sogenannte "nicht-dualisierende Redeweise" versteht sich als Alternative zu drei Gemeinsamkeiten des Denkens, die Josef Mitterer zufolge in allen wesentlichen wissenschaftlichen Denktraditionen vorzufinden sind. Diese drei Grundkonsense sind:

  1. Eine kategoriale Unterscheidung zwischen Sprache und sprachverschiedener Wirklichkeit, zwischen Beschreibungen und beschreibungsverschiedenen Objekten, zwischen dem Reden über die Welt und der Welt selbst usw. – unabhängig davon, ob die Sprache die Wirklichkeit nun abbildet oder konstruiert, ob die Beziehung zwischen Zeichen und Referent arbiträr ist oder nicht usw.
  2. Die Orientierung unserer Erkenntnisanstrengungen auf eine Übereinstimmung zwischen diesen beiden Gliedern: zwischen Sprache und Wirklichkeit, zwischen Beschreibung und Objekt, zwischen Reden und Welt – unabhängig davon, ob die gelungene Übereinstimmung als 'wahre Erkenntnis' bezeichnet wird oder lediglich von einer 'Viabilität' der Erkenntnisse in der konstruierten Wirklichkeit gesprochen wird.
  3. Die Richtung unserer Erkenntnisanstrengungen auf das Objekt der Erkenntnis, auf die Welt: Philosophen denken über die Welt nach; beziehen sich auf Objekte, Dinge oder Gegenstände; sie reden über die Wirklichkeit.

(Zu den Punkten 1 bis 3 vgl. ausführlicher Mitterer 2001, S. 16 ff.)

Diese drei Gemeinsamkeiten finden sich Mitterer zufolge zumindest als 'Restgrößen' oder Minimal-Ontologien auch in poststrukturalistischen, relativistischen oder (radikal-)konstruktivistischen Erkenntnistheorien. Das folgende Schema ist somit der kleinste gemeinsame Nenner sowohl realistischer wie auch konstruktivistischer Theoriebildung:

Kategoriale Unterscheidung im Dualismus:

  • SPRACHE: Bezug als Abbildung oder Konstruktion auf...
  • WIRKLICHKEIT: Übereinstimmung beider Glieder als Wahrheit oder Viabilität.

Josef Mitterer hat in "Das Jenseits der Philosophie" eine Denkalternative entwickelt, die auf die kategoriale Unterscheidung von Sprache und Wirklichkeit verzichtet und bei der sich unsere Beschreibungen nicht auf Objekte beziehen, sondern von Objekten ausgehen. Dabei werden die Objekte (also die Wirklichkeit oder die Welt) lediglich als die Summe der bislang erfolgten Beschreibungen definiert, als Beschreibungen so far. Eine neue Beschreibung eines Objekts (also eine Beschreibung from now on) ändert das Objekt der Beschreibung (also die Summe der basiskonsensuellen Beschreibungen so far) um ebendiese Beschreibung. Beschreibungen so far scheitern somit nicht an Objekten (oder an einer unerkennbaren, aber widerständischen Realität), sondern an neuen Beschreibungen from now on. Ein Rekurs auf das Objekt zur Überprüfung einer in Frage stehenden Beschreibung ist somit nicht möglich. Unsere herkömmliche Denklogik wird damit 'um 180 Grad' umgedreht:

Einheit von Beschreibungen & Objekten im Non-Dualismus:

  • OBJEKTE: Summe der Beschreibungen so far wird Ausgangsbasis/Basiskonsens für...
  • BESCHREIBUNGEN: ...neue Beschreibungen from now on

Im Non-Dualismus ist die Behauptung der Priorität eines Objekts vor der Objektangabe erst nach der Objektangabe möglich. Behauptet die dualistische Philosophie, das Objekt sei schon vor der Objektangabe gegeben, wird das Objekt damit angegeben. Mitterer behauptet, dass in der bisherigen Philosophie dieser infinite Regress kaum bemerkt wurde, weil das sprachverschiedene Objekt in nahezu allen philosophischen Strömungen vorausgesetzt wurde.

Literatur

  • Mitterer, Josef (1992): Das Jenseits der Philosophie. Wider das dualistische Erkenntnisprinzip. Wien: Passagen Verlag.
  • Mitterer, Josef (2001): Die Flucht aus der Beliebigkeit. Frankfurt am Main: Fischer.
  • Weber, Stefan (2005): Non-dualistische Medientheorie. Eine philosophische Grundlegung. Konstanz: UVK.
  • Riegler, Alexander & Weber, Stefan (Hg.) (2008): The Non-dualizing Philosophy of Josef Mitterer. Special Issue of Constructivist Foundations 3 (3) [1].
  • Riegler, Alexander & Weber, Stefan (Hg.) (2010): Die Dritte Philosophie. Kritische Beiträge zu Josef Mitterers Non-Dualismus. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.

Weblinks