Joseph Keul

Joseph Keul 1999

Joseph Keul (* 21. August 1932 in Euskirchen; † 22. Juli 2000 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Arzt, Internist, Sportmediziner und Hochschullehrer.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Keul war Ordinarius für Innere Medizin und Sportmedizin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 1960 war er betreuender Arzt der deutschen Olympiamannschaften, ab 1980 deren Chefarzt. Außerdem betreute er bis zu seinem Tod das deutsche Tennis-Davis-Cup-Team und war Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee (NOK). 1998 wurde er zum Präsidenten des Deutschen Sportärztebundes gewählt, im Jahr 2000 zum Ehrenpräsidenten.

Keul war als Sportarzt immer wieder in der Kritik, da ihm vorgeworfen wurde, unerlaubte Dopingmanipulationen nicht nur erforscht, sondern auch gefördert zu haben.[1] 1977 warf Werner Franke Keul vor, die Nebenwirkungen von Anabolika zu verharmlosen.[2] 1991 zitierte Der Spiegel Keul zum Dopingmittel Erythropoietin (EPO), es sei „bei richtiger Anwendung ungefährlich“ und könne „das Höhentraining durchaus ersetzen“. Im selben Jahr ersuchten Manfred von Richthofen und Harm Beyer, die in einer Kommission des Deutschen Sportbundes die Dopingpraktiken des vereinten Deutschland aufzuklären hatten, NOK-Präsident Willi Daume ohne Erfolg, Keul wegen dessen offensichtlicher Verstrickung als Olympia-Arzt abzulösen.[3][4]

1994 ging aus Berichten, die der Chef des DDR-Dopingprogramms Manfred Höppner als IM Technik dem Ministerium für Staatssicherheit übermittelt hatte, hervor, dass Keul ihm 1974 mitgeteilt habe, dass „in der BRD generell die Anwendung von Anabolen erfolgt“. Nicht nur habe Keul „im Prinzip nichts dagegen einzuwenden“, er sei außerdem „nicht geneigt“, auf die „Verabreichung von Anabolen zu verzichten“.[5] Des Weiteren habe Keul in einer Ärztekommission der IAAF die Einführung von strengeren Doping-Richtlinien hintertrieben, eine Darstellung, die vom österreichischen Sportarzt Ludwig Prokop bestätigt wurde.[6]

Die anlässlich der Doping-Affäre Team Telekom eingerichtete Freiburger Dopingkommission kam in ihrem Abschlussbericht, in dem die Beteiligung von Ärzten des Universitätsklinikums Freiburg am organisierten Doping im Team Telekom untersuchte wurde, zum Schluss, dass keine Beweise für eine aktive Beteiligung von Keul an den Dopingaktivitäten der Ärzte Professor Schmid und Dr. Heinrich sowie Dr. Huber vorlägen. Keul habe diese jedoch durch seine Grundeinstellung und die fehlende Kontrolle der Abläufe in der von ihm geleiteten Abteilung begünstigt. Stets sei Keul zur Stelle gewesen, wenn „es galt, den Einsatz sowie die Wirkungen und Nebenwirkungen von Dopingmitteln zu bestreiten oder zu verharmlosen“.[7]

Wenige Wochen vor seinem Ableben erhielt Keul das Ehrendoktorat der Naturwissenschaften der Universität Wien.[8] Joseph Keul starb an Krebs.[9]

Literatur

  • Aloys Berg & Hans-Hermann Dickhuth: Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h.c. Joseph Keul. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Jahrgang 51, Nr. 7+8 (2000), S. 280 (PDF)

Weblinks

Fußnoten

  1. Anno Hecker: Die westdeutsche Vergangenheit: Doper, vereint Euch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Februar 2009
  2. Werner Franke: Anabolika im Sport – Der Arzt als Erfüllungsgehilfe des Sportfunktionärs. Leichtfertige Verniedlichung von Nebenwirkungen. In Medical Tribune. Ausgabe Österreich. Jahrgang 9, Nr. 16, 22. April 1977, auf cycling4fans.de
  3.  In ganz kurzer Zeit tot. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1992, S. 246 (online).
  4. Daniel Drepper: Doping in Deutschland: „Es ist verharmlost und vertuscht worden“. In: Die Zeit. 20. Februar 2009 (Interview mit Manfred von Richthofen)
  5.  Anwendung erfolgt. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1994, S. 192 (online).
  6. Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung, 21. März 1994; zitiert in Cycling4Fans: Deutsche Ärzte und Doping: Joseph Keul. Februar 2009, letzte Ergänzung 24. September 2010
  7. Hans-Joachim Schäfer, Wilhelm Schänzer & Ulrich Schwabe: Abschlussbericht der Expertenkommission zur Aufklärung von Dopingvorwürfen gegenüber Ärzten der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. 23. März 2009/12. Mai 2009, S. 41 (PDF; 342 KB)
  8. http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Inhalt/images/heft0600/personalia_0600.pdf
  9. Klaus Blume: Umstritten, streitbar, aber unbestritten eine Institution. In: Die Welt. 26. Juli 2000