Joseph von Hormayr

Josef Freiherr von Hormayr, Lithographie von Ignaz Fertig um 1850

Josef Freiherr von Hormayr (* 20. Januar 1782 in Innsbruck; † 5. November 1848 in München) war ein österreichischer Historiker, Schriftsteller, Politiker und Freiheitskämpfer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hormayr entstammte einer altadeligen Tiroler Familie. Sein Großvater Joseph von Hormayr (1705–1779) war Tiroler Kanzler und Rechtsgelehrter, der schon 1724 als einer der ersten in Regensburg öffentlich für die Abschaffung der Folter, gegen den Hexenglauben und gegen die Güterkonfiskation eingetreten war. Nach dem Vorbild seines Großvaters studierte er die Rechte (in Innsbruck). Er galt als Wunderkind. 1796 vollendete er sein juristisches Studium im Alter von nur 15 Jahren und trat als „Konzeptspraktikant“ in den Gerichtsdienst beim Stadt- und Landgericht in Innsbruck ein.[1] Von 1799 bis 1801 leistete er den Militärdienst in der Tiroler Landwehr ab. 1801 lernte Hormayr den schon zu seiner Zeit berühmten Historiker Johannes von Müller kennen. Auf dessen Rat ging er im selben Jahr nach Wien und erhielt einen Posten im Außenministerium. Zuerst arbeitete er als „Hofconcipist“, ab 1802 als Hofsekretär in der Staatskanzlei, im April 1808 wurde er „wirklicher Director des geheimen Staats- Hof- und Hausarchivs“, 1809 „wirklicher Hofrath“, und im August 1816 „Historiograph des kaiserlichen Hauses“.[2] 1805 begleitete er den Fürsten Johann I. Josef von Liechtenstein auf den Friedenskongreß zu Preßburg.

In Wien gab er ab 1807 den „Österreichischen Plutarch“ heraus, worin er in 20 Bänden Leben und Bildnisse aller Regenten des österreichischen Kaiserstaats beschrieb.

Hormayr war Anreger und Führer des Alpenbundes, dem auch sein Gönner Erzherzog Johann angehörte und dessen Ziel ein Widerstandszentrum gegen Napoleon und die missliebige bayerische Herrschaft war. Im Einverständnis mit Erzherzog Johann, der exakt denselben Geburtstag hatte und dem er tief verbunden war, bereitete er 1809 den Tiroler Aufstand vor, dessen Leitung er als Hofkommissär neben Andreas Hofer übernahm.

Nach Rückkehr in seinen alten Wirkungskreis in Wien wurde er 1813 auf Veranlassung Metternichs wegen Vorbereitung eines weiteren Aufstands in Tirol verhaftet und 13 Monate in Munkács in Haft gehalten. Er wurde nur teilweise rehabilitiert. Metternich sah Hormayr und den anderen Häftlingen „die gerichtliche Untersuchung gnadenweise nach und rechnet ihnen die Haft als Polizeistrafe an.“[3] Danach brach er mit Österreich und sein einstiger Patriotismus verwandelte sich in Hass. Möglicherweise als Wiedergutmachung wurde er 1816 von Kaiser Franz I. zum Historiographen des Reiches ernannt.

1827 folgte er einem Rufe König Ludwig I. von Bayern nach München, wobei ein tiefes Zerwürfnis mit Metternich diese Entscheidung mitbestimmt hat. Im November 1828 trat er in den bayerischen Dienst, wo er bald zahlreiche Ämter innehatte. Doch konnte er sich hier auch ausgiebig der geliebten Urkundenforschung widmen. Aus dem österreichischen Untertanenverband wurde er erst im Juli 1829 entlassen. 1832 wurde er bayerischer Ministerresident in Hannover, 1839 in Bremen. 1847 kehrte er nach München zurück als Vorstand des allgemeinen Reichsarchivs.

Bereits 1801 wurde Hormayr zum korrespondierenden Mitglied der Historischen Klasse der Kgl. bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt, 1809 wegen seiner Beteiligung am Tiroler Aufstand gegen die napoleonischen Truppen ausgeschlossen, wurde aber 1817 wieder als auswärtiges Mitglied aufgenommen. Mit seinem Ruf nach Bayern 1828 wurde er zum ordentlichen Mitglied ernannt und blieb der Akademie ab 1832 bis zu seinem Tode als auswärtiges Mitglied verbunden.

Hormayrs Werk umfasst etwa 170 Bände. Anfangs verherrlichte er in vielen Schriften Österreich in einem romantisch-konservativ Tonfall, doch wandte er sich ab 1828 gegen Österreich und vor allem gegen Metternich und bereitete damit ein kleindeutsches Geschichtsbild vor. In seinen Werken „Anemonen“ (4 Bände, 1845–47) und „Kaiser Franz und Metternich“ (1848) griff er das österreichische Regime des Vormärz heftig an. Zahlreiche Pamphlete veröffentlichte er anonym.

1894 wurde die Hormayrgasse in Wien-Hernals nach ihm benannt.

Werke in Auswahl

  • Kritisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte Tirols im Mittelalter, Innsbruck, 1802–1803, 2 Bände
  • Geschichte der gefürsteten Grafschaft Tirol, Tübingen, 1806–1808, 2 Bände.
  • Österreichischer Plutarch, oder Leben und Bildnisse aller Regenten des österreichischen Kaiserstaates, Wien 1807–1814, 20 Bände.
  • Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst, Wien 1810–1828, 18 Bände.
  • Taschenbuch für vaterländische Geschichte, Wien 1811–1848, 38 Bände.
  • Das Heer von Innerösterreich im Krieg von 1809, Altenburg 1817
  • Geschichte Andreas Hofers Altenburg 1811, zweite Auflage unter dem Titel: Das Land Tirol und der Tiroler Krieg von 1809, 1845, 2 Bände.
  • Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit, vom Tode Friedrich des Großen bis zum Pariser Frieden, Wien 1817–1819, 3 Bände.
  • Wien, seine Geschichte und Denkwürdigkeiten, Wien 1823–1824, 5 Bände.
  • Kleine historische Schriften und Gedächtnisreden, München 1832.
  • Die goldene Chronik von Hohenschwangau, München 1842.
  • Lebensbilder aus dem Befreiungskrieg, 2. Auflage, Jena 1845, 3 Bände
  • Das Land Tyrol und der Tyrolerkrieg von 1809, Leipzig 1845
  • Anemonen aus dem Tagebuch eines alten Pilgermannes, Jena, 1845–1847, 4 Bände

Quellen

Einzelnachweise

  1. Alexander Ecker: Recht und Rechtsgeschichte in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von 1759 bis 1827, Diss. Universität Regensburg, S.152
  2. Frauke Abraham: Minimalisierung. Die Auflösung des Habsburgischen Kosmos in der österreichischen Literatur des 19. Jahrhunderts, Diss. Universität Konstanz 2000, S.19
  3. zit.nach: Abraham, aaO, S.20, Fußnote 38

Weblinks