K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien

Zirkel Karte
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Basisdaten
Bundesland: Wien
Universität: Wien
Gründung: 1908 in Wien
Verband: ÖCV
Eintritt in CV: 1909
Kürzel: F-B
Farben: K.Ö.H.V. Franco-Bavaria.PNG
Mitglieder: 347 (2010)
Adresse: Bankgasse 1/2
1010 Wien
Website: www.franco-bavaria.at/

Die Katholische Österreichische Hochschulverbindung Franco-Bavaria, kurz K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien, ist eine katholische, nichtschlagende, farbentragende Studentenverbindung mit Sitz in Wien. Franco-Bavaria ist Mitglied im Österreichischen Cartellverband (ÖCV).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 4. Dezember 1908 wurde die Franco-Bavaria als Tochterverbindung der katholischen Studentenverbindung K.a.V. Norica Wien gegründet[1] und entwickelte sich rasch zu einer der großen Wiener Studentenverbindungen.

Um die Kommunikation unter den Mitgliedern während des Ersten Weltkrieges aufrechtzuerhalten, wurden die „Franco-Bayern-Briefe (FBB)“ herausgegeben, diese erscheinen ununterbrochen bis heute.[2]

Engelbert Dollfuß, der 1913 beigetreten war[3], forderte als Vertreter der Verbindung auf der 51. Cartellversammlung 1920 des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) in Regensburg ohne Erfolg, nur Studenten „deutsch-arischer Abstammung, nachweisbar bis auf die Großeltern“, in den Reihen einer CV-Verbindung zu dulden.[4][5]

1921 wurde an der Universität für Bodenkultur Wien die Tochterverbindung Pflug gegründet.[6]

1933 beteiligte sich die Franco-Bavaria − zusammen mit allen anderen katholischen österreichischen Verbindungen − an der so genannten „Abschaltung“ des vom Gleichschaltungsdruck bedrohten Cartellverbandes und wurde Mitglied des bis heute existenten 3. ÖCV.[7]

In der Zwischenkriegszeit waren Mitglieder der Franco-Bavaria, wie auch andere Mitglieder des ÖCV, in führenden Positionen der Republik tätig und gehörten zumeist der Christlichsozialen Partei bzw. später der Vaterländischen Front an. Dollfuß rekrutierte Mitarbeiter aus der Verbindung[8], wie etwa Otto Kemptner, der 1933 von Dollfuß mit dem Aufbau der Vaterländischen Front beauftragt wurde. Nach den Ereignissen des Juliputsches 1934 hielt Friedrich Stockinger, damals Bundesminister für Handel und Verkehr, als nunmehriger Philistersenior der Franco-Bavaria die Trauerrede bei der Dollfuß-Gedenkveranstaltung des ÖCV.[9]

Am 12. März 1938, dem Tag des Anschlusses an das Deutsche Reich, wurde das Vereinslokal der Verbindung von der SA gestürmt und vieles zerstört. Mitglieder konnten bedeutende Gegenstände, vor allem die Verbindungsfahne verstecken. In der Folge wurden mehrere Mitglieder von der Gestapo verhaftet. Der Gemeindebeamte Alfred Unger organisierte weitere Treffen der Verbindung, wurde in Folge inhaftiert und später in KZ deportiert. Die Zeit bis zur Befreiung verbrachte er in den Konzentrationslagern Dachau und Neuengamme.[10]

Friedrich Meznik, österreichischer Jurist und Journalist und von 1955 − 1972 österreichischer Bundespressechef[11], wurde als Gegner der Nationalsozialisten bereits im März strafversetzt und im August 1938 ganz aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Er desertierte im August 1944 in Frankreich aus der Wehrmacht und wurde Mitglied der französischen Résistance.[12]

1945 wurde die Franco-Bavaria wieder begründet. Die Mitglieder der Tochterverbindung Pflug schlossen sich wieder mit der Franco-Bavaria zusammen. 31 Mitglieder der Verbindung verloren während des Zweiten Weltkrieges ihr Leben.[13]

In den Studienjahren 1962/63, 2002/03 und 2010/11 hatte die Franco-Bavaria den Vorort im Österreichischen Cartellverband inne.[14]

Bekannte Mitglieder[15]

Einzelnachweise

  1. Friedrich Funder: Das weiß-blau-goldne Band. „Norica“. Fünfzig Jahre Wiener katholisches Couleurstudententum (Innsbruck, Wien, München 1933), S. 156; Karl W. Schrammel: Treu dem Volke, Treu dem Glauben. Geschichte der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria, (Wien 1998) S. 7-10
  2. Karl W. Schrammel: Treu dem Volke, Treu dem Glauben. Geschichte der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria, (Wien 1998) S. 17
  3. Gerhard Jagschitz: Die Jugend des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß. Ein Beitrag zur geistig-politischen Situation der sogenannten Kriegsgeneration des 1. Weltkriegs (Phil. Dissertation Universität Wien 1967) S. 63-71 und S. 174-185
  4. Harald Lönnecker: Die Versammlung der „besseren Nationalsozialisten“? Der Völkische Waffenring (VWR) zwischen Antisemitismus und korporativem Elitarismus. In: burschenschaftsgeschichte.de. 2003, S. 7 (PDF; 260 KB)
  5. Hans Magenschab: Die geheimen Drahtzieher, Styria premium Verlag 2011, S. 244
  6. Karl Wolfgang Schrammel: Der Pflug in Wien – die einzige nicht reaktivierte ÖCV-Verbindung in: Beiträge zur Österreichischen Studentengeschichte – Band 30. Die Studentenhistoriker-Tagung Klagenfurt 2006, S. 59-64
  7. Gerhard Hartmann: Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Lahn-Verlag, Kevelaer 2006 S. 354-367
  8. Anton Pelinka, Alexander Lassner: The Dollfuss / Schuschnigg Era in Austria: A Reassessment. Transaction Publishers: 2003, S. 125 (Google Books)
  9. Stephan Neuhäuser: Wir werden ganze Arbeit leisten: der austrofaschistische Staatsstreich 1934, 2004, S.129
  10. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) - „Unger (Ungar) Alfred“, abgerufen am 31. Dezember 2011; Karl W. Schrammel: Treu dem Volke, Treu dem Glauben. Geschichte der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria, (Wien 1998) S. 32 ff.
  11. Friedrich Meznik im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  12. Fritz, Herbert / Handl, Reinhart / Krause, Peter / Taus, Gerhard: Farbe tragen, Farbe bekennen 1938-45. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung (Wien 1988) S. 257
  13. Karl W. Schrammel: Treu dem Volke, Treu dem Glauben. Geschichte der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria, (Wien 1998) S. 36 f.
  14. ÖCV-Gesamtverzeichnis 2004, S. I-60; http://www.oecv.at/?page=03-01-01&id=1624&high=franco-bavaria
  15. Gesamtverzeichnisse des CV von 1909 bis 1931 bzw. Gesamtverzeichnisse des ÖCV seit 1935

Weblinks