K.Ö.H.V. Sängerschaft Waltharia Wien

Basisdaten
Universität: Wien
Gründung: 19. November 1928
Verband: ÖCV
Eintritt: 1958
Kürzel: Walth!
Farben: blau-silber-grün
Website: www.waltharia.com

Die Katholische Österreichische Hochschulverbindung Sängerschaft Waltharia ist eine farbentragende katholische Studentenverbindung mit gemischtem Chor in Wien und Mitglied im Österreichischen Cartellverband.[1][2][3]

Inhaltsverzeichnis

Verbindung

Waltharia ist Mitglied im Österreichischen Cartellverband ÖCV. Die Hochschulverbindung besteht aus männlichen, katholischen Studenten und Akademikern, die als "Waltharen" bezeichnet werden. Der Name nimmt Bezug auf den Minnesänger Walther von der Vogelweide. Die Prinzipien lauten scientia, patria, religio und amicitia. Als katholische Couleurstudenten lehnen die Waltharen waffenstudentische Duelle oder Mensuren als Mittel der Satisfaktion ab. Die Farben des Burschenbandes sind blau-silber-grün, jene des Fuxenbandes blau-grün-blau. Der Wahlspruch lautet: Deutsch in Lied und Art. Die K.Ö.H.V. Sängerschaft Waltharia im ÖCV bekennt sich zur Republik Österreich und ihrer demokratischen Verfassung.

Chor

Universitäts-Sängerschaft Waltharia
Sitz: Wien, Österreich
Träger: Förderverein
Gründung: 19. November 1928[1][4]
Gattung: Gemischter Chor
Gründer: Georg Gruber
Leitung: Martin J. Garand
Stimmen: 25 (SATB)
Website: http://www.chormusik.at/choere/saengerschaft-waltharia

Mit der Verbindung wurde auch ein Chor gegründet, dem jedes Verbindungsmitglied angehörte. Der erste Chormeister, Georg Gruber, wollte einen gemischten Chor von etwa 40 Stimmen organisieren, was durch die Einladung einiger Chordamen auch gelang. Repertoire sollte klassische Kirchenmusik des 15. und 16. Jahrhunderts sein, aber auch die Kompositionen zeitgenössischer katholischer Komponisten, die ihrer Gesinnung damals totgeschwiegen wurden. Die ersten Aufführungen waren am 10. März 1929 in der Universitätskirche die Deutsche Messe von Franz Schubert und am 17. November 1929 in der Mariahilfer Kirche die Wiener Erstaufführung der großen Messe In medio vita von Karl Koch.

Dr. Georg Gruber wurde zum Chorleiter der Wiener Sängerknaben berufen, Fritz Krull und Franz Burkhart wurden seine Nachfolger bei Waltharia. Unter ihrer Leitung waren besondere Höhepunkte die Aufführung von Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung 1932 in der Mariahilfer- und 1937 in der Schottenkirche sowie der Vortrag von Anton Bruckners Festkantate im Rahmen der Brucknerfeier[5] an der Universität Wien hervorgehoben. In Anbetracht ihrer Leistungen wurde Waltharia 1937 durch den Akademischen Senat der Universität Wien der Titel Universitätssängerschaft verliehen.

Mit der Auflösung der Verbindung 1938 wurde das musikalische Leben des Chores unterbrochen. Er konnte sich erst wieder 1948 unter dem neuen Chormeister Robert Filzwieser zusammenfinden. Höhepunkt von dessen musikalischer Tätigkeit war 1952 die musikalische Gestaltung einer Akademikermesse im Rahmen der Wiedereröffnungsfeier des Wiener Stephansdoms. Das Orchester stellten die Wiener Philharmoniker.

Ab den 1950er Jahren nahm der Chor erfolgreich an zahlreichen Chorwettbewerben in Österreich, Italien und Dänemark teil. Chorleiter waren unter anderen Antal Barnás, Robert Kovács und Michael Zlabinger.

Mehrere Kompositionen wurden der Sängerschaft gewidmet, so Sätze von Studentenliedern komponiert von Hans Bauernfeind und Augustin Kubizek, die 1963 im Musikverlag Doblinger Wien veröffentlicht wurden[6].

Bis heute hat sich der Chor seinen Gründungsideen verschrieben und führt regelmäßig zu eigenen und fremden Stiftungsfesten, Feiern oder Festakten ein breites Repertoire von sakralem und studentischem Liedgut auf. Der Chor gibt ferner Kompositionen zeitgenössischer österreichischer Chormusik in Auftrag, zuletzt eine Adventskantate von Paul Koutnik. Seine Mitglieder bestehen heute nicht nur aus Couleurstudenten, sondern steht für alle interessierten und talentierten Chorsängerinnen und -sängern offen.

Der Chor ist Mitglied im Chorverband Österreich.

Geschichte

Inspiriert durch einen Umzug anlässlich des Sängertages des Deutschen Sängerbundes in Wien wurde am 19. November 1928, dem 100. Todestag Franz Schuberts, die Katholische Akademische Sängerschaft Waltharia Wien als Tochter der ebenfalls katholischen Studentenverbindung Austria Wien gegründet. Zwar gab es in Österreich bereits einige schlagende Sängerschaften, Waltharia jedoch war die erste katholische (und damit nichtschlagende).

Nationalsozialismus

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 musste der Verbindungsbetrieb im Sommersemester 1938 eingestellt werden. Nach einem letzten Konzert am 7. März sollte das gesamte Inventar dem NS-Studentenbund übergeben werden. Am 10. März wurde das Verbindungsheim amtlich versiegelt. Darauf wurde das Haus jedoch von der SA gestürmt und verwüstet. In der Folge wurden im Staatsdienst befindliche Mitglieder Waltharias ihrer Posten erhoben oder nach Deutschland oder in die Provinz versetzt. Waltharias Aktive wurden zum Arbeitsdienst eingezogen und Waltharia konnte ihre Treffen nur mehr in geheimen Arrangements abhalten. Am 15. März 1938 gründete Gottfried Lerch die NS-Widerstandsbewegung Austro-Europäische Resistance.

Nach Österreichs Befreiung durch die Alliierten wurde die Verbindung reaktiviert und trat am 29. April 1948 anlässlich einer Veranstaltung der Katholischen Akademie zum ersten Mal wieder öffentlich auf. Am 16. März 1949 konnte das erste Chorkonzert, ein Mozart-Requiem zum Gedenken an die Gefallenen, begleitet vom Tonkünstler-Orchester im Wiener Konzerthaus aufgeführt werden.

Waltharia und der Österreichische Cartellverband

Obgleich nicht Vollmitglied wurde die nominell verbandsfreie Waltharia als zum ÖCV gehörig empfunden und in der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen.[7]

Ab dem Sommersemester 1957 wurde jedoch im Lichte einer schrumpfenden Aktivitas, sprich einem Rückgang der neuen Mitglieder, die Stellung als befreundete Verbindung des ÖCV nicht mehr als glückliche Lösung angesehen. Nachdem die Führung der Geschäfte an den damaligen Philistersenior Rudolf Klein übergeben worden war, bemühte man sich um eine Aufnahme in den ÖCV und stellte auf der CVV 1957 einen diesbezüglichen Antrag, der angenommen wurde.Waltharia musste jedoch den ausschließlichen Charakter einer Sängerschaft aufgeben. Die Sangesprüfung wurde ab nun nur mehr von jenen Waltharen verlangt, die eine Mitgliedschaft im Chor anstrebten. Auf der CVV 1958 wurde schließlich Waltharias endgültige Aufnahme in den ÖCV beschlossen.

Am 4. Juni 1957 richtete die Verbindung an den akademischen Senat der Wiener Universität ein Ansuchen um Zuerkennung des Titels Universitätssängerschaft. Auf Grund dieses Ansuchens wurde die Korporation darüber informiert, dass die im Jahre 1937 vorgenommene Verleihung dieses Titels auch weiterhin zu Recht bestand.

Bei der 600-Jahrfeier der Universität Wien trug die Universitätssängerschaft Waltharia das "Ecce quomodo moritur" von Jacobus Gallus vor.[8]

1978, rechtzeitig zum 50. Stiftungsfest der Verbindung, wurde die Verbindung mit überwältigender Mehrheit zum Vorort gewählt. Waltharia tauschte mit dem damaligen Vorort des deutschen Cartellverbands, der K.D.St.V. Grotenburg zu Köln Freundschaftsbänder, woraus ein noch bis heute bestehender, enger Kontakt zwischen den beiden Verbindungen resultiert. Darüber hinaus wurde auch die K.Ö.a.V. Floriana St. Pölten (aufgenommen im ÖCV 1979) gegründet, deren Mutterverbindung Waltharia ist.

Bekannte Mitglieder (Auswahl)

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Silvia Kornberger:Studenten der Universität Wien in der Zwischenkriegszeit: Soziale Lage, Verbindungen und Politik- Rolle und Bedeutung des christlichen Verbindungswesens, Grin-Verlag, 2009, ISBN 9783640249251, S.53
  2. Paulgerhard Gladen, Ulrich Becker:Gaudeamus igitur: die studentischen Verbindungen einst und jetzt, Callwey, 1986, ISBN 9783766708113, S.235
  3. Österreichisches Forschungsinstitut für Wirtschaft und Politik, Berichte und Informationen, 1956, Bände 526-550, S.87
  4. Harald Haselmayr: Zwischen Chorgesang und studentischem Gemeinschaftssingen - die Bedeutung des Singens in einer Studentenverbindung am Beispiel der Universitätssängerschaft Waltharia, Dissertation an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, 2011
  5. Neue Zeitschrift für Musik, Band 103, Herausgeber: Robert Schumann, Heft 12, S.1495
  6. Blätter für Gemischten Chor, Verlag Doblinger Wien München, 1963
  7. Österreichisches Forschungsinstitut für Wirtschaft und Politik, Berichte und Informationen, 1956, Bände 526-550, S.87
  8. Rainer Zitta, Karl Fellinger (Autoren), Herbert Wilhelm Duda (Hrsg.): Die Sechshundertjahrfeier der Universität Wien, erschienen im Selbstverlag der Universität Wien, 1965, S. 106