Kalte Betten

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Unter kalten Betten versteht man den durch den Bau von Zweitwohnungen außerhalb des Wohnortes des Bauenden liegende Wohnungen, die nicht, kaum oder wenig bewohnt werden. Begleiterscheinungen sind verödende, still gelegene oder gar ausgestorbene Nachbarschaften bzw. Stadtviertel. Der Ausdruck ist Schweizer Herkunft, in Österreich und Südtirol ist das Phänomen unter Zweitwohnsitzproblematik bzw. Ferien- und Zweitwohnsitzproblematik bekannt.

Allgemein stellt das Problem der verödenden Zweitwohnsitzsiedlungen sowohl im urbanen wie auch im ländlichen Raum in allen Tourismusregionen zumindest Europas ein enormes stadt- und bauleitplanerisches Problemfeld dar. Neben Faktor der Zersiedelung ist das Kalte-Betten-Phänomen ist einer der Kofaktoren der Bergflucht, der Zentralisierung und Entsiedelung des alpinen Raums in die urbaneren Talräume (wenn Orte nurmehr episodisch belebt sind, suchen sich die Einheimischen anderorts arbeit, und beginnen zunehmend ebenfalls, nurmehr in ihren Heimatort zu pendeln). Außerdem steht die Zweitwohnsitzproblematik auf Kommunalebene direkt mit dem Thema Sozialer Wohnungsbau in Konkurrenz (es muss Wohnraum geschaffen werden, obwohl bekannt ist, dass zahlreich Wohnraum ungenutzt ist)-

In der Schweiz gilt zur Verhinderung dieses Phänomens seit den 80er-Jahren das Bundesgesetz über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland (Lex Koller), da die Problematik besonders auf Urlaubswohnsitze bezogen ist. 2012 wurde zudem Franz Webers Volksinitiative Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen angenommen, die den Zweitwohnungsanteil für jede Gemeinde auf 20 % begrenzt. Analoge rechtlichen Regelungen zum Ausländergrundverkehr in Österreich, Italien und anderen Alpenregionen wurde aber durch die EU-Freizügigkeits-Gesetzgebung abgeschafft, mit der Annäherung der Schweiz an EU-Recht wird die Frage auch dort zunehmend wieder relevant. In den EU-Mitgliedsstaaten des Alpenraums setzt man im Allgemeinen auf erhöhte Ortstaxen, die Einheimische wie Ausländer gleich betreffen, und auch das Kommunalbudget konsolidieren[1] – die auseinanderbrechende dörfliche oder städtische Lebenstruktur kann man damit aber nicht kontrollieren, weil es Tourismusgemeinden geradezu dazu animiert, kalte Betten anzusiedeln, da diese kaum Kosten verursachen, aber Einnahmen bringen.[2]

Literatur

  • Jörg Krummenacher: Bündner Rezepte gegen kalte Betten. Modell-Resorts zur nachhaltigen touristischen Wertschöpfung. In: NZZ Online. Neue Zürcher Zeitung, 3. Januar 2010, 21:55, abgerufen am 2011.
  •  Barbara Bernhart, Universität für Bodenkultur (Hrsg.): Grundverkehr vor dem Hintergrund des Zweitwohnungswesens, dargestellt am Beispiel Bad Aussee. Dissertation. Nr. HB--DIP: D-7029, Wien Dezember 1995 (abstract, zidapps.boku.ac.at).
  • Werner Bätzing: Die aktuellen Veränderungen von Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Bevölkerung in den Alpen. Im Auftrag des Umweltbundesamtes, gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin 2002 (Webdokument, pdf, 4,7 MB, auf Mediendatenbank, umweltbundesamt.de; zur Siedlungsproblematik der Alpen im Allgemeinen)
  • Willimann I., Danielli G.: Auslastung bestehender Zweitwohnungen, Bundesamt für Raumentwicklung, Bern 2011.pdf 2 MB

Einzelnachweise

  1. vergl. etwa Ortstaxen: Reformchance neuerlich vertan. Arbeiterkammer Salzburg, 2. Juni 2010 – zum Sbg. Ortstaxengesetz und dem Vergleich der Regelungen in anderen österreichischen Bundesländern
  2. vergl. etwa  hpl: Ausverkauf der Heimat. Podiumsdiskussion in Sexten. In: PZ. 93/08, Nr. 21-4, 24. Oktober 2008, Bürger & Heimat , S. 18–19 (pdf S. 18–19, pzpz.it).  Gemeinde Sexten (Hrsg.): Podiumsdiskussion zum Thema „Ausverkauf der Heimat“ am 26. September im Haus Sexten. In: Der Sextner. Informationen aus der Gemeinde. Dez. 08, Nr. 47, Sexten Dezember 2008, Sextner Vereine, S. 20–21 (pdf, ganze Zeitung, gemeinde.sexten.bz.it, pdf S. 11 f.). – beide zum Thema des Südtir. Urbanistikgesetzes