Kameradschaft IV

Gedenktafel gefallener (Waffen-SS)-Soldaten am Ulrichsberg, Österreich, aufgestellt 1984 von der Kameradschaft IV

Die Kameradschaft IV der Waffen-SS (K IV) ist – trotz Selbstauflösung einiger Landesverbände – eine mitgliederstarke Organisation in Österreich und wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft. Sie besteht aus ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS, sowie deren Familienangehörigen und Freunden und gliedert sich in Ortsgruppen und Landesverbände.[1] Diese bilden jedoch keinen eigenständigen Verein, sondern sind ihrerseits im Österreichischen Kameradschaftsbund zusammengeschlossen.[2] Die Bezeichnung Kameradschaft IV soll den Eindruck erwecken, dass die Waffen-SS ein vierter Wehrmachtsteil neben Heer, Luftwaffe und Marine und deswegen keine verbrecherische Organisation gewesen wäre. Diese Selbstdarstellung widerspricht der Verurteilung der SS im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Damals wurde die SS als verbrecherisch eingestuft, der Generalstab und das Oberkommando der Wehrmacht aber nicht.

Inhaltsverzeichnis

Verein

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Noch in der Besatzungszeit wurde 1954 die Gründung der Kameradschaft genehmigt. Der Bundesverband der Kameradschaft IV löste sich 1995 auf, um damit einem angestrebten Verbot durch das österreichische Innenministerium zu entgehen. Landesverbände bestehen jedoch weiterhin, wenn auch die Mitgliederzahl wegen des Alters der Mitglieder mit jedem Jahr schwindet. 2005 wurde schließlich auch die von der Kameradschaft IV lange Jahre herausgegebene Zeitschrift „Die Kameradschaft“ eingestellt. Hauptinhalt dieser Publikation war die Darstellung der Waffen-SS als normale kämpfende Truppe und Militärnostalgie; daneben finden sich auch geschichtsrevisionistische Artikel, die nicht allein die Geschichte der Waffen-SS betreffen. Ende Oktober 2008 hat sich der Landesverband der Kameradschaft IV in Salzburg wegen der sehr gering gewordenen Mitgliederzahl selbst aufgelöst.[3]

Die Hauptaufgaben der Kameradschaft IV sind die Pflege der Kameradschaft (Heimkehrertreffen), die Pflege und Erhaltung von Kriegsgräbern und Gedenkstätten sowie das Abhalten von Gedenkfeiern für die Gefallenen und Vermissten. Die Kameradschaft ist Mitglied der Ulrichsberggemeinschaft. Sie veranstaltet traditionell einen Tag vor dem Ulrichsbergtreffen in Kärnten einen Kameradschaftsabend in Krumpendorf unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der 1995 durch den Auftritt Jörg Haiders in die Schlagzeilen kam. Beim Europabend nehmen etliche ehemalige Mitglieder von Waffen-SS und Wehrmacht aus ganz Europa teil, bei dem neben ehemaligen Kriegsteilnehmern auch Vertreter rechtsextremer Personen wie Florentine Rost van Tonningen und Gudrun Burwitz, die Tochter von Heinrich Himmler, zu Gast waren.[4] Bei den Feierlichkeiten 2007 nahmen auch etliche Mitglieder des flämischen rechtsnationalistischen Traditionsverbandes Voorpost teil.[5]

Kranzniederlegung des K IV Landesverbandes Steiermark - Südburgenland im Rahmen der Ulrichsbergfeier 2008

Rechtsextremismus

Die Organisation arbeitete eng mit der deutschen HIAG, aber auch mit anderen rechtsextremen Organisationen zusammen. 1995 geriet Sören Kam in die Schlagzeilen, als er in Kärnten am Ulrichsbergtreffen der Veteranen der Waffen-SS in Krumpendorf teilnahm. Bei dieser jährlich stattfindenden Versammlung, an der Jörg Haider seinen Dank an die Waffen-SS aussprach, wurde Kam gefilmt.

„Dass es in dieser regen Zeit, wo es noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben und die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind. Und das ist eine Basis, meine lieben Freunde, die auch an uns Junge weitergegeben wird. Und ein Volk, das seine Vorfahren nicht in Ehren hält, ist sowieso zum Untergang verurteilt. Nachdem wir aber eine Zukunft haben wollen, werden wir jenen Menschen, den politisch korrekten, beibringen, dass wir nicht umzubringen sind und dass sich Anständigkeit in unserer Welt allemal noch lohnt, auch wenn wir momentan nicht mehrheitsfähig sind, aber wir sind den anderen geistig überlegen. (…) Wir geben Geld für Terroristen, für gewalttätige Zeitungen, für arbeitsscheues Gesindel, und wir haben kein Geld für anständige Menschen.“

Jörg Haider, 1995, in einer Ansprache gegenüber Veteranen der Waffen-SS anlässlich der Ulrichsbergfeiern in Krumpendorf.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes stuft die Kameradschaft IV als rechtsextreme, Waffen-SS glorifizierende und NS-Herrschaft verharmlosende Organisation ein.[6] Neben den Verbindungen zu anderen Traditionsvereinen und rechtsextremen Gruppen bestehen enge personelle und organisatorische Kontakte der Kameradschaft IV zur FPÖ. Mitglieder und Funktionäre dieser Partei bekleiden Funktionen in der Kameradschaft IV.[7] Wie unter anderem Gerhard Kurzmann, der steirische Obmann der FPÖ und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, der Mitglied der Kameradschaft IV. ist. Gegenüber Radio Steiermark hat er sich zu dieser Mitgliedschaft bekannt und sie verteidigt.[8]

Trotz einiger offizieller Landesvereinsauflösungen wurde im November 2008 in Rechnitz im Rahmen einer Gedenkfeier des Österreichischen Kameradschaftsbundes Burgenland ein Gedenkkranz mit der Aufschrift „Österr. Soldatenverband / Kameradschaft IV / Bez. Gr. Südburgenland“ und dem abgewandelten Motto der SS „Seine Ehre hieß Treue“ niedergelegt. Friedrich Scheubrein, Präsident des Österreichischen Kameradschaftsbunds Burgenland distanzierte sich von der Kameradschaft IV und dem Kranz.[9] Im Dezember 2008 wurden im Zusammenhang mit dem Text auf dem Kranz vom Amt für Verfassungsschutz zwei Männer ausgeforscht und nach dem Verbotsgesetz angezeigt.[10]

Im April 2011 distanzierte sich der Landesverband Steiermark des Kameradschaftsbundes ausdrücklich von der Kameradschaft IV und stellte fest: „Eine Organisation, die das Andenken an die SS hochhält, hat im Kameradschaftsbund nichts verloren.“[11]

Literatur

  • Norbert Rencher: Ulrichsberg-Dokumentation, Nr. 1, 1999
  • Walter Fanta, Valentin Sima (Hg.): „Stehst mitten drin im Land“. Das europäische Kameradentreffen auf dem Kärntner Ulrichsberg von den Anfängen bis heute; Klagenfurt: Drava, 2003; ISBN 3-85435-417-7

Quellen

  1. http://burgenland.orf.at/stories/328120
  2. http://www.u-berg.at/texte/waffenss.htm
  3. ORF Salzburg: Umstrittene "Kameradschaft IV" aufgelöst
  4. http://www.u-berg.at/texte/krumpendorf.htm
  5. u-berg.lnxnt.org/materialien/pressemappe150908.pdf
  6. http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/organisation/kamerad.html
  7. www.doew.at/projekte/rechts/organisation/kamerad2.html
  8. http://steiermark.orf.at/stories/121342/
  9. ORF Burgenland: Wirbel um Kranz mit SS-Spruch (Aufschriften auf dem Foto erkennbar)
  10. ORF Burgenland: Kranz mit SS-Spruch: Zwei Männer angezeigt
  11. Kleine Zeitung: Eklat beim Kameradschaftsbund